Margot Käßmann: „Geschwister im eigenen Glauben unterstützen"

Margot Käßmann: „Geschwister im eigenen Glauben unterstützen"

„Glaubensprüfung ist nicht Sache des Staates"

Die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann hat die Art und Weise, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Glauben christlicher Konvertiten prüft, scharf kritisiert. Es sei nicht Sache des Staates, die Rechtmäßigkeit einer Taufe zu bewerten, sagte sie gegenüber pro.

pro: Frau Käßmann, Sie haben jüngst bei einer Veranstaltung im Bundestag kritisiert, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Ernsthaftigkeit der Taufe von Geflüchteten anzweifelt. Was macht Sie so sicher, dass die Taufe tatsächlich ein Glaubensbekenntnis ist und kein Mittel zum Zweck, um Asyl zu erhalten?

Margot Käßmann: Mein Beruf ist Pfarrerin. Fast elf Jahre lang war ich Landesbischöfin einer Landeskirche mit rund 2.000 Pastorinnen und Pastoren. Niemand von uns tauft einfach mal so oder um einem Täufling einen Aufenthaltstatus zu sichern. Es ist für jeden Pfarrer und jede Pfarrerin eine sehr ernste Angelegenheit, ein Taufbegehren bei einem Erwachsenen zu prüfen, mindestens ein Taufgespräch zu führen, gegebenenfalls Taufunterricht zu erteilen und schließlich zu taufen.

Ist es Ihrer Meinung nach überhaupt Sache des Staates, die Ernsthaftigkeit eines religiösen Bekenntnisses zu prüfen?

Nein, ist es nicht. Der Staat hat zu prüfen, ob ein Asylbegehren zu einem Aufenthaltsrecht führt. Die Taufe ist dabei gewiss ein sehr relevanter Faktor. Über die Ernsthaftigkeit eines Taufbegehrens aber entscheidet die Kirche, nicht der Staat.

Das BAMF prüft den Glauben von Geflüchteten, die wegen religiöser Verfolgung Asyl beantragen, indem es ihnen in Anhörungen Fragen stellt wie „Kennen Sie die Namen der Söhne aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn?“ oder „Wie starb Martin Luther?“. Ist das in Ihren Augen rechtmäßig?

Ich respektiere die Arbeit des BAMF und kann verstehen, dass es Fluchtgründe prüft. Eine Glaubensprüfung ist meines Erachtens aber nicht Sache einer staatlichen Behörde.

Muss Deutschland mehr für christliche Flüchtlinge tun?

Ja, das denke ich. Ich halte es für richtig, dass unsere Kirchengemeinden ohne Ansehen der Person und damit ohne Ansehen der Religion Hilfesuchenden beistehen. Gerade die Geschwister im eigenen Glauben aber zu unterstützen, die bei einer Rückführung in den Iran oder nach Afghanistan schwerer Verfolgung ausgesetzt wären, ist ganz gewiss von uns zu erwarten.

Frau Käßmann, vielen Dank für das Gespräch! (pro)

Die Fragen stellte Anna Lutz

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