Päivi Räsänen von den finnischen Christdemokraten

Päivi Räsänen von den finnischen Christdemokraten

Finnische Politikerin: Polizei ermittelt wegen Bibelzitat

Weil sie die Kirche wegen ihrer Unterstützung für eine Pride-Parade kritisierte, ermittelt nun die Polizei gegen die finnische Politikerin Päivi Räsänen. Im Mittelpunkt: Ein Vers aus dem Römerbrief.

Die finnische Politikerin Päivi Räsänen war bereits Innenministerin, elf Jahre lang Vorsitzende der Christdemokraten (KD), seit 1995 sitzt sie im Parlament. Nun ist sie ins Visier der finnischen Polizei geraten. Der Grund: Sie hatte im Vorfeld einer Pride-Parade im Juni eine Bibelstelle zitiert, in der Homosexualität als Sünde bezeichnet wird.

Damit wollte Räsänen kritisieren, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands die „Helsinki Pride 2019“, eine Parade von Homo- und Bisexuellen sowie Transgender (LGBT), als Partner unterstützte. Wörtlich schrieb sie auf Twitter: „Wie passt es mit der Grundlage der Kirche, der Bibel, zusammen, Schande und Sünde zum Stolz zu erheben?“

Darunter postete sie ein Foto von Römer 1. In Vers 27 steht dort: „Desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Männer mit Männern Schande über sich gebracht und den Lohn für ihre Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.“ Der Tweet hatte große Empörung hervorgerufen. Ein Nutzer etwa bezeichnete den Gedanken „beängstigend“, dass junge Menschen sich wegen ihrer Sexualität schämen müssten.

Laut Helsinki Times hat die finnische Polizei bestätigt, gegen die Politikerin zu ermitteln. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Räsänen erklärte auf Twitter, sie gehe davon aus, dass der Fall nicht an die Staatsanwaltschaft gehe. „Ich bin jedoch besorgt, wenn Bibelzitate auch nur für 'einigermaßen' illegal gehalten werden. Ich hoffe, dass dies nicht zur Selbstzensur unter Christen führen wird.“"

„Habe mich als Christin geweigert, Abtreibungen durchzuführen“

Bereits in der Vergangenheit bezog Räsänen Stellung zum Thema Homosexualität. Im Jahr 2013 äußerte sie sich als damalige finnische Innenministerin in einer Rede auf den evangelisch-lutherischen Missionstagen in Kankaanpää negativ zu Abtreibung und gleichgeschlechtlichen Ehen. Es gebe Fälle, in denen man sich fragen müsse, ob man den Mut zeigen sollte, gegen die öffentliche Meinung oder Norm, den Druck durch andere Menschen und manchmal sogar gegen das Gesetz zu handeln. Kritiker legten ihr die Rede so aus, dass Räsänen die Lehren der Bibel höher stelle als die weltlichen Gesetze, womit sie als Innenministerin zu weit gegangen sei. Daraufhin gab es einen regelrechten Kirchenaustritts-Boom im Land.

Im pro-Interview sagte sie damals: „Als das Medieninteresse an meiner Rede aufkam, sollte ich konkrete Beispiele dafür nennen, wann Gottes Wort Vorrang vor menschlichen Gesetzen hat. [...] Ich habe [...] angeführt, dass ich als Ärztin, was mein ziviler Beruf ist, mit Abtreibung konfrontiert war. Als Christin habe ich mich wegen meines Gewissens geweigert, Abtreibungen durchzuführen. Das Abtreibungsrecht in Finnland erkennt aber nicht das Recht eines Arztes an, die Durchführung einer Abtreibung aufgrund des Gewissens abzulehnen. Deswegen kommen Christen manchmal in Situationen, in denen die einzige Lösung für sie ist, sich einer Situation, zum Beispiel ihrem Beruf, zu entziehen, wenn sie verlangt, gegen Gottes Wort zu verstoßen.“ Das sei möglich, ohne das Gesetz zu brechen. „Ich habe auch klar gemacht, dass Christen unter finnischem Gesetz in der Regel nicht mit solchen Entscheidungen konfrontiert sind und dass das finnische Gesetz eingehalten werden muss.“

Von: Nicolai Franz/Martina Blatt

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