Ein Pfarrer wird Außenminister: Markus Meckel stand nach der Volkskammerwahl der DDR im März 1990 als Politik-Neuling und Quereinsteiger auf internationalem Parkett.

Ein Pfarrer wird Außenminister: Markus Meckel stand nach der Volkskammerwahl der DDR im März 1990 als Politik-Neuling und Quereinsteiger auf internationalem Parkett.

Markus Meckel: „Die Einheit ist ein Geschenk“

Markus Meckel, Pfarrer und letzter Außenminister der DDR, blickt mit großer Dankbarkeit auf die deutsche Einheit. Das sagte er im Interview von pro. Er betonte außerdem die Rolle der Kirchen für die Friedliche Revolution.

Markus Meckel, der letzte Außenminister der DDR, blickt heute mit großer Dankbarkeit auf die deutsche Einheit. Im Interview des Christlichen Medienmagazins pro (Wetzlar) sagte Meckel, er sei „zutiefst dankbar“ für die deutsche Wiedervereinigung. „Es ist ein Geschenk, dass die deutsche Einheit gelungen ist“, sagte er. Der Pfarrer und Politiker betonte, dass das Grundgesetz auf Grundsätzen ruhe, „die wir auch theologisch als Christen akzeptieren können“. Die demokratische Verfassung Deutschlands sei auch eine Basis für kirchliches Leben in der Gesellschaft und dafür, dass Christen ihre Botschaft öffentlich verbreiten dürften. Meckel, geboren 1952 in Müncheberg in Brandenburg, war 1989 einer der Mitgründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP). Nach der Volkskammerwahl im März 1990 wurde er Außenminister und verhandelte den Einigungs- und den Zwei-plus-vier-Vertrag mit. Nach der gesamtdeutschen Bundestagswahl im Dezember 1990 zog er in den Bundestag ein und war bis 2009 Abgeordneter der SPD-Fraktion.

In der DDR hätten Christen automatisch in Distanz zum Staat gestanden, erklärte Meckel, „weil es zur Ideologie in der DDR und des Marxismus gehörte, atheistisch zu sein“. Diese Weltanschauung sei sehr erfolgreich gewesen und habe zu einer Entchristlichung der Gesellschaft geführt, die bis heute nachwirke. Für die Friedliche Revolution habe die Kirche in der DDR jedoch eine wichtige Rolle gespielt. „Sie war der einzige gesellschaftliche Ort, an dem es eine offene Debatte gab, und Räumlichkeiten, in denen man sich treffen konnte.“ Daher habe es in vielen oppositionellen Gruppen auch einen hohen Anteil an Christen gegeben. „Die Menschen vertrauten der Kirche“, sagte Meckel. In dieser politischen Funktion sei sie danach in der Demokratie von den früheren DDR-Bürgern aber nicht mehr gebraucht worden.

Als Nachwirkung der DDR-Erfahrung sieht Meckel in Ostdeutschland auch ein Defizit „in der Anerkennung der demokratischen Institutionen“. Viele Menschen seien in der Diktatur dem Staat gegenüber skeptisch gewesen. Danach habe sich auch 30 Jahre nach der Vereinigung noch nicht ausreichend die Haltung ausgebildet, politische Institutionen als Teil der eigenen Lebenswirklichkeit zu sehen und die Gesellschaft verantwortlich mitzugestalten. Meckel forderte, dass Politik die Menschen mitnimmt und sich erklärt.

Von: Jonathan Steinert

Das vollständige Interview erscheint am 12. Oktober in der Print-Ausgabe 5/2020 des Christlichen Medienmagazins pro

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