US-Präsident wählte gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden harte Worte (Archivbild)

US-Präsident wählte gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden harte Worte (Archivbild)

Trump greift Joe Biden an: „Er will die Bibel verletzen, Gott verletzen“

Donald Trump ist dringend auf die Unterstützung der Evangelikalen angewiesen. Dabei greift er zu immer radikaleren Mitteln. Seinen katholischen Kontrahenten Joe Biden stellte er jüngst als Gottesfeind dar. Und Trumps Wahlkampfteam will die Evangelikalen gegen Biden und die „radikale Linke“ vereinen – ausgerechnet in einer Spielbank in Las Vegas. Eine Analyse von Nicolai Franz

Für US-Präsident Donald Trump sieht es im Moment schlecht aus. Vor allem sein Management der Corona-Pandemie gilt als miserabel. Kein Land hat mehr Todesopfer zu beklagen als die USA, auch wenn manche europäische Länder, gerechnet auf die Gesamtbevölkerung, noch höhere Opferzahlen zu beklagen haben.

Obwohl Trump durch seine Interviews, Ansprachen, Pressekonferenzen und seinen Twitter-Account viel präsenter ist als sein demokratischer Herausforderer Joe Biden, sind die Umfragewerte des Präsidenten im Keller. In landesweiten Umfragen führt Biden je nach Institut sogar zweistellig. Am Ende zählen natürlich die Stimmen in den einzelnen Bundesstaaten. Doch auch dort liegt Joe Biden vorne – auch in den wahlentscheidenden Swing States, den nicht klar republikanisch oder demokratisch dominierten Staaten. Natürlich ist es noch ein langer Weg bis zum Wahltag am 3. November 2020. Doch Bidens Vorsprung ist so groß, dass Trump längst weiß, dass er auf Angriff schalten muss. Und das hat er längst getan. Besonders in seinem Fokus stehen die konservativen Evangelikalen, ohne deren Unterstützung er die Wahl nicht gewinnen kann. Auch deshalb versucht Trump die Wahl als Kulturkampf darzustellen, als Schlacht zwischen rechts und links, Patrioten und Amerika-Hassern, Christen und Christenfeinden.

In Cleveland, das im Swing State Ohio liegt, hat Trump am Donnerstag vor Anhängern nun einen besonders heftigen Angriff auf Joe Biden gefahren. Wenn letzterer die Wahl gewinnen würde, „dann würde der Markt in einer Weise einbrechen, wie sie unser Land noch nie gesehen hat. Ihr werdet den Crash der Märkte sehen, weil er die Steuern verdoppeln und verdreifachen wird.“ Biden werde unvorstellbare Dinge tun, „weil er der radikal-linken Agenda folgt: Euch die Waffen wegnehmen, das second Amendment (das Recht, Waffen zu tragen, d. Red.) zerstören, keine Religion, kein gar nichts, die Bibel verletzen, Gott verletzen.“ Biden sei „gegen Gott, er ist gegen Gewehre, er ist gegen Energie, jede Art von Energie.“

Wie so oft ist es nur schwer möglich, Trumps Aussagen in Einklang mit der Realität zu bringen. Biden gilt in seiner Partei als moderat, für besonders linke Ideen ist er nicht bekannt, „radikal links“ ist er schon gar nicht. Es ist auch nicht belegt, dass er Amerikanern das Recht wegnehmen wolle, Waffen zu tragen. Wie ein Mensch gegen „jede Art von Energie“ sein kann, ist wahrscheinlich das Geheimnis des Präsidenten. Doch der Angriff auf Bidens Glaube ist durchaus eine neue Dimension, der in sehr plumper Weise darauf abzieht, Biden als Gottesfeind darzustellen. Biden ist gläubiger Katholik, der häufig über seine Gottesbeziehung spricht.

Er bezeichnete Trumps Attacke auf „medium.com“ als „beschämend“. Sie sei „unter der Würde, die das amerikanische Volk zu Recht von seinen Führern erwartet und verdient“. Trumps Worte verrieten, „wie bei vielen unsicheren Mobbern“, mehr über ihn selbst als über sonst jemanden. „Sie zeigen uns einen Mann, der tief zu sinken bereit ist, um daraus politisches Kapital zu schlagen und dessen Taten völlig im Widerspruch zu den Werten und Lehren stehen, an die er zu glauben vorgibt“.

„Evangelicals for Trump“ im Spielcasino

Dass Trumps Biografie und seine verbalen Ausfälle nicht gerade zu einem Vorzeigechristen passen, bestreiten auch führende US-Evangelikale nicht. Doch im Gegensatz zu seinem überraschenden Wahlsieg 2016 fehlen ihm diesmal entscheidende Argumente dafür, dass konservative Evangelikale Trump trotz einiger Gewissensbisse als das kleinere Übel ansehen sollten. Damals überzeugte er viele Fromme noch durch die Schlagworte „Abortions“ und „Supreme Court“, also die Bekämpfung von Abtreibung und die Berufung konservativer Richter an das Verfassungsgericht. Diese Richter sind nun auf Lebenszeit berufen. Sie sollen über Jahrzehnte für eine konservative Rechtsprechung sorgen. Doch damit scheiden sie als Wahlargument für Trump aus.

Die Attacke, Joe Biden nun als Gottesfeind darzustellen, dürfte daher eher ein Versuch Trumps sein, um die Unterstützung der Evangelikalen zu buhlen. Tatsächlich setzt auch sein Wahlkampfmanagement auf die Hilfe der Frommen. Am Freitag organisierte sein Team ein Event mit dem Titel „Evangelicals for Trump: Praise, Prayer and Patriotism“. Ausgerechnet in einem Casino in Las Vegas, in den Tempeln der Branche also, in der Donald Trump viele Geschäfte gemacht hat – und der für viele Evangelikale als Inbegriff der Gottesferne gilt.

Der Veranstalter „Donald J. Trump for President, Inc.“ erklärte das so: In Nevada, wo Las Vegas liegt, dürften nur 50 Personen gleichzeitig in einer Kirche sitzen. Doch Casinos dürften bis zu 50 Prozent der vom Brandschutz vorgegebenen Gesamtkapazität nutzen. Deswegen treffe man sich eben hier. Ziel des Events: „Die evangelikale Gemeinschaft zu vereinen gegen Joe Biden und die gezielten Versuche der radikalen Linken, die Religionsfreiheit der Amerikaner zu untergraben.“

Von: Nicolai Franz

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