Manfred Stolpe zum SPD-Bundesparteitag in Berlin im Dezember 2015

Manfred Stolpe zum SPD-Bundesparteitag in Berlin im Dezember 2015

Manfred Stolpe im Alter von 83 Jahren verstorben

Der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg und DDR-Kirchenfunktionär Manfred Stolpe ist tot. Er starb in der Nacht zum Sonntag nach langer Krankheit. Aufgrund seiner Kontakte zur Stasi galt er stets als umstritten.

Er war der erste Ministerpräsident Brandenburgs nach der Wiedervereinigung: Nun ist Manfred Stolpe im Alter von 83 Jahren verstorben. In der Nacht zum Sonntag ist er nach langer, schwerer Krankheit im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen. Das geht aus einer Mitteilung der Staatskanzlei in Potsdam hervor.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte zum Tod von Stolpe: „Dies ist ein Tag tiefer Trauer. Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs. Er trug die Liebe zu Brandenburg in seinem Herzen, lange schon bevor unser Land 1990 gegründet wurde.“ Stolpe habe „dem Land Stimme und Gesicht“ gegeben. „Im besten Sinne des Wortes“ sei Manfred Stolpe „Landesvater und Mutmacher in einem“ gewesen.

Woidke bezeichnete Stolpe als „Sachwalter ostdeutscher Interessen“, großen „Glücksfall für unser Land“ und „Brückenbauer“. Er habe „im schwierigen Umbruch [...] den Menschen in Brandenburg Orientierung und Zuversicht“ gegeben. Und weiter: „Nur wenige haben sich um das Zusammenwachsen der Deutschen so verdient gemacht wie Manfred Stolpe.“

Ministerpräsident, Bundesminister und Konsistorialpräsident der Kirche

1990 trat Stolpe in die SPD ein und wurde als Spitzenkandidat im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Er vertrat die Interessen der neuen Bundesländer, forderte etwa die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Rahmen staatlicher Programme. Zwischen 2002 und 2005 war er Verkehrsminister im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder – laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) als „Gesicht des Ostens“.

Geboren wurde Stolpe 1936 bei Stettin. Nach dem Abitur in Greifswald studierte er ab 1955 Rechtswissenschaften an der Universität Jena. Das Studium beendete er 1959 als Diplom-Jurist. Ab 1959 war er für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg und ab 1962 als Leiter der Geschäftsstelle der Evangelischen Kirchenleitungen in der DDR tätig.

Stolpe galt in der DDR als ein Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als „Kirche im Sozialismus“ verstand, schreibt dpa. Als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg in den 1980er Jahren war er auch in den alten Bundesländern bekannt. Wegen seiner früheren Kontakte zum Ministerium für Staatssicherheit war Stolpe stets umstritten. Als Kirchenfunktionär stand er in Verbindung mit der DDR-Behörde. Diese führte ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM).

Stasi-Kontakte immer wieder Thema

Mitte der 1990er Jahre erklärte die Leitung der Evangelischen Kirche nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein „Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen“. Im Jahr 2005 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der SPD-Politiker nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei. Dies sah Stolpe als späte Genugtuung an.

Ein für die Enquetekommission des Landtages Brandenburg erstelltes Gutachten kam 2011 zu dem Ergebnis, Stolpe sei wichtiger IM der Stasi gewesen. Zwischen 1990 und 1994 hätte er eine Aufforderung zur Niederlegung seines Landtagsmandates wegen der Stasi-Kontakte erhalten müssen. Dies wurde jedoch in der Sitzung der Kommission kontrovers diskutiert und teils abgelehnt.

Stolpe wehrte sich gegen die Vorwürfe, dass er als Kirchenfunktionär heimlich der Stasi zugearbeitet habe. Tagesschau.de schreibt dazu: Um Unterdrückten zu helfen, habe nach Ansicht Stolpes kein Weg an der Behörde vorbei geführt. Und weiter heißt es auf der Seite: „Er sei ,immer ein bisschen erstaunt‘ darüber gewesen, dass man nicht begriffen habe, dass jemand mit dem Ziel, Menschen aus dem Knast zu holen, mit der Stasi zusammenkommen musste. Denn, so fragte Stolpe rhetorisch: ,Wer hat den Schlüssel zum Knast gehabt?‘“

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, würdigte Stolpes „unermüdlichen Einsatz für die evangelische Kirche in der DDR“. Er sei ein „Partner und Brückenbauer zwischen der evangelischen Kirche in Ost und West“ gewesen.

Von: Martina Blatt

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