Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach am Abend des Buß- und Bettages im Berliner Dom (Archivbild)

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach am Abend des Buß- und Bettages im Berliner Dom (Archivbild)

„Versöhnungstag täte unserer Gesellschaft gut“

In seiner Predigt zum Buß- und Bettag hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble den Wert von Buße und Vergebung hervorgehoben. Sie seien wichtig, um sich versöhnen zu können und gerecht zu handeln.

In seiner Kanzelrede zum Buß- und Bettag im Berliner Dom hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble den Wert von Buße und Vergebung betont. „Unsere zweifellos christlich geprägte, aber von Ritualen entfremdete Gesellschaft lässt für Schuldeingeständnisse und Fehler wenig Raum. Sie gibt sich unversöhnlich, oft gnadenlos. Das sollten wir nicht zulassen!“, sagte er laut Manuskript. Nicht alle müssten fromme Christen sein. Ein Versöhnungstag jedoch, wie ihn etwa auch die Juden mit Jom Kippur haben, „täte unserer (…) Gesellschaft gut“.

Nach der Wiedervereinigung war der Buß- und Bettag zunächst in allen Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Außer in Sachsen wurde er jedoch ab 1995 zugunsten der Finanzierung der Pflegeversicherung gestrichen. Schäuble sagte nun dazu: „Der Wert eines Tages, an dem Umkehr gepredigt wird, lässt sich in einer volkswirtschaftlichen Rechnung nicht abbilden.“

Der Buße gehe die Einsicht voraus, einen Fehler gemacht zu haben. Den einzugestehen und wieder gutzumachen, habe etwas mit Gerechtigkeit zu tun, sagte Schäuble und bezog sich damit auf den Bibelvers für den Tag: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Sprüche 14,34). Buße helfe gegen die Versuchung von Allmachtsfantasien. Sie sei heilsam, wenn auch im Alltag selten.

Korrektiv für das eigene Handeln

Immer mehr Menschen hätten keinen Bezug mehr zu biblischen Gleichnissen und christlichen Ritualen. Das Wissen um die Wurzeln der eigenen Werte gehe verloren. Das sei „mehr als ein Kulturverlust“, sagte Schäuble. Denn dann erklärten sich Verhaltensweisen und auch politische Entscheidungen vor allem aus sich heraus, ihnen fehle „eine tiefe, eben religiöse Begründung und Wahrhaftigkeit“. Solange die Werte an sich nicht infrage gestellt würden, sei das nicht schlimm. Dennoch brauche die Gesellschaft einen „lebendigen Bezug zum Christentum“, erklärte Schäuble laut Manuskript. „Wir leiten daraus ein wichtiges Korrektiv ab. Die Bitte um Vergebung.“ Dies sei notwendig, um sich versöhnen und Gräben in der Gesellschaft überbrücken zu können.

„Wir sind nach dem Bilde Gottes gemacht – und doch ein Häufchen Staub. Sich das vor Augen zu führen, widerstrebt dem modernen Menschen und holt ihn doch auf den Boden der Tatsachen zurück“, führte der CDU-Politiker aus. Wer um seine Verantwortung „vor Gott und den Menschen“ wisse, der müsse nicht fromm sein, „um zu spüren, dass er nicht nur sich selbst verpflichtet ist. Der wird es leichter haben, gerecht wider seinen Nächsten zu handeln.“

Von: Jonathan Steinert

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