Sprecher beim Kongress der Union im Deutschen Bundestag: (v.l.) Heinrich Bedford-Strohm, Franz-Josef Overbeck und Herrmann Gröhe

Sprecher beim Kongress der Union im Deutschen Bundestag: (v.l.) Heinrich Bedford-Strohm, Franz-Josef Overbeck und Herrmann Gröhe

„Frömmigkeit ist ein Zukunftsmodell“

Die Kirche muss sich in den politischen Diskurs einbringen. Ihre Botschaft sei unschlagbar. Das hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, bei einem Kongress der Union im Deutschen Bundestag erklärt. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Ralph Brinkhaus, sieht einen Hunger der Menschen nach Werten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, erklärte bei einem Kongress der Union im Reichstagsgebäude am Mittwoch: „Frömmigkeit ist ein absolutes Zukunftsmodell.“ Die Religionsgemeinschaften und damit auch die Kirchen seien heute in Deutschland Institutionen der Ethik. Es sei ihre Aufgabe, theologische Überlegungen in die öffentliche Diskussion einzubringen und zwar in einer Sprache, die „alle Menschen guten Willens“ verstehen könnten. Es könne keine Kirche geben, die sich aus dem öffentlichen Raum heraushalte. Das biblische Doppelgebot der Liebe bedeute, dass sich Christen „nicht drücken“ könnten um die Auseinandersetzung mit der Not des Nächsten. Gott wirke in der Welt und so sei es auch Aufgabe der Christen, sich in ihr für das Gute zu engagieren.

Das Christentum biete „die größte Hoffnungsbotschaft, die die Welt je gesehen hat“ und zwar von der Schöpfung über Jesu Tod am Kreuz bis hin zum Glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort habe. „Diese Botschaft heute laut werden zu lassen, ist vielleicht der wichtigste Beitrag, den die Kirchen zur öffentlichen Debatte beitragen können“, erklärte der Ratsvorsitzende. Die Kirche sei vielleicht nicht immer der beste Botschafter, räumte er mit Blick auf den Mitgliederschwund der Volkskirchen ein. Aber die Botschaft selbst sei unschlagbar.

CDU will Vielfalt schützen

Der Unionsfraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus forderte seine Kollegen im Deutschen Bundestag im Rahmen des Kongresses „Farbe bekennen statt Buntheit bejammern – Christlicher Kompass in der pluralen Gesellschaft“ im Deutschen Bundestag dazu auf, sich im oft stressigen politischen Alltag neu zu fragen, was ihr persönlicher Kompass sei. In einer Zeit, in der Menschen keine Orientierung mehr hätten, müssten die Kirchen viel stärker zusammenarbeiten und eine gemeinsame Vision für die Zukunft des Landes entwickeln. Brinkhaus sagte, er sehe einen Hunger der Menschen danach, über Werte zu sprechen.

Ralph Brinkhaus: Menschen haben Sehnsucht nach Werten

Ralph Brinkhaus: Menschen haben Sehnsucht nach Werten

Der religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hermann Gröhe, stellte fest: „Wir teilen nicht die Auffassung derer, die unter der Pluralität unserer Gesellschaft leiden“ Auch wenn die CDU nicht jede Meinung teile, fühle sie sich der Vielfalt verpflichtet. Auch mit Blick auf das Attentat in Halle vor einer Woche mit zwei Toten sei es Aufgabe seiner Partei, „Buntheit“ sogar zu verteidigen.

Streit kultivieren

Der katholische Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, sprach sich gegen eine Verweigerung der Kirchen vor Neuerungen aus. „Es darf nicht sein, dass der Schutz des Bestehenden vor gesellschaftlicher Relevanz steht“, sagte er. Eine solche Bewahrungsmentalität führe die Kirche in die Bedeutungslosigkeit, erklärte der Bischof auch mit Blick auf den Missbrauchsskandal. Er warb dafür, den Streit im Innern der Kirche zu kultivieren und zur Reflexion zu nutzen.

Katharina Jestaedt, stellvertretende Leiterin des katholischen Kommissariats in Berlin, fand kritische Worte in Richtung der Union: Sie forderte die Fraktion dazu auf, dem Thema Religionspolitik mehr Relevanz zukommen zu lassen. Im Koalitionsvertrag finde sich der Bereich lediglich beim Thema Sicherheitspolitik. Dabei gebe es viel zu besprechen: vom Zustand theologischer Fakultäten bis hin zu islamischem Religionsunterricht.

Von: Anna Lutz

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