Der Bundestagsabgeordnete und Christ Frank Heinrich hat sich eine Stunde lang mit dem religiösen Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, dem Dalai Lama, ausgetauscht – auch über den christlichen Glauben

Der Bundestagsabgeordnete und Christ Frank Heinrich hat sich eine Stunde lang mit dem religiösen Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, dem Dalai Lama, ausgetauscht – auch über den christlichen Glauben

„Habe ihm einen christlichen Segen beigebracht“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und evangelische Christ Frank Heinrich hat den Dalai Lama getroffen. Im Gespräch ging es um den gemeinsamen Kampf von Tibetern und Christen für Religionsfreiheit, Bibelkunde und Gottes Segen. Ein pro-Interview mit Frank Heinrich. Die Fragen stellte Anna Lutz

pro: Herr Heinrich, vor einigen Tagen konnten Sie den Dalai Lama zum Gespräch treffen. Wie kam es dazu?

Frank Heinrich: Wir widmen uns als Menschenrechtsausschuss und Bundestagsfraktion seit einem halben Jahr dem Thema Religionsfreiheit in China. Wir beschäftigen uns thematisch mit den Christen im Land, aber auch mit anderen religiösen Minderheiten wie den Uiguren oder den Tibetern, die ja keine Autonomie genießen. Normalerweise besuchen wir auch die entsprechenden Länder, aber China hat uns die Einreise verweigert. Deshalb haben wir das Nachbarland Indien besucht, haben dort Abgeordnete und chinesische Dissidenten getroffen und politische Gespräche geführt. In Indien lebt auch der Dalai Lama im Exil – und eines Morgens während unserer Reise kontaktierte er uns und bat um ein Treffen zum Austausch. Er hatte wohl aus der Zeitung erfahren, dass wir im Land sind.

Der Dalai Lama fordert mehr Autonomie für Tibet von der chinesischen Zentralregierung. Auch viele Christen leiden unter dem Regime in Peking. Kämpfen Buddhisten und Christen einen gemeinsamen Kampf?

Der Dalai Lama hat sich in unserem Gespräch mit politischen Statements zurückgehalten. Er machte deutlich, dass er keine Unabhängigkeit für Tibet fordert, wohl aber mehr Freiheit innerhalb des Landes. Er selbst sieht sich eher als praktizierender tibetanischer Buddhist innerhalb Indiens und setzt sich dort für die Freiheit der Religionen ein – und zwar aller Religionen: Christen, Muslime oder Sikh sollen seiner Meinung nach die Freiheit haben, ihren Glauben zu leben, egal ob in China, Indien oder Tibet.

Sie selbst sind Christ – haben bei dem Gespräch Glaubensdifferenzen eine Rolle gespielt oder konnten Sie Gemeinsamkeiten entdecken?

Ich schätze Begegnungen mit Andersglaubenden. Gerade auch den kritischen Dialog. Ich habe mich darüber gefreut, dass wir uns über unsere Sichtweisen auf die Welt austauschen konnten. Der Dalai Lama hat mir Dinge mit auf den Weg gegeben und ich ihm. So kritisierte der Dalai Lama etwa, dass die christliche Religion zu sehr auf das Jenseits ausgerichtet sei und sich deshalb nicht so sehr für den Umweltschutz engagiere, etwa bei „Fridays for Future“. Ich widersprach ihm und erklärte anhand der Bibel, warum auch Christen die Schöpfung bewahren sollen. Andersherum habe ich ihm deutlich gemacht, dass ich und auch der Menschenrechtsausschuss jenseits aller Glaubensunterschiede die Haltung vertreten, dass Religionsfreiheit das gemeinsame höhere Ziel ist, das wir verfolgen. Am Ende des Gesprächs habe ich ihm einen internationalen christlichen Segen beigebracht: „Ich grüße Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ und dabei gibt man sich einen Handschlag und formt am Ende beide Hände zu einer Taube. So haben wir uns gegenseitig mit diesem Segen verabschiedet.

Protestanten haben natürlicherweise meist eine eher skeptische Haltung gegenüber religiösen Führungspersönlichkeiten. Wie bewerten Sie den Personenkult um den Dalai Lama vor diesem Hintergrund?

Ich finde es in der Tat problematisch, wenn Menschen angebetet werden. Allerdings habe ich nicht erlebt, dass der Dalai Lama das eingefordert hätte – im Gegenteil. Seine Haltung gegenüber seinen Mitarbeitern war auf Augenhöhe. Er sagte auch, er verstehe sich in erster Linie als einer von sieben Milliarden Menschen auf der Welt, in zweiter Linie als Buddhist und in dritter Linie als Tibeter. Das empfand ich als sehr demütig. Andererseits fiel mir auf, wie sehr eine der Mitarbeiterinnen, die sich unsererseits um den Ablauf des Treffens kümmern sollten, vor dem Dalai Lama saß, als würde sie am liebsten auf die Knie fallen. Sie schaute zu ihm auf wie ein kleines Kind zu seinem Lehrer. Diese Anbetungshaltung finde ich schwierig. Und sie kann auch zu Problemen führen, wenn er irgendwann einmal weg ist und China mitreden will, wer der nächste Lama wird. Dieses Problem sieht der Dalai Lama selbst auch und sagt ja auch immer wieder ganz beiläufig und mit einem Schmunzeln: „Wer weiß, wer nach mir kommt – vielleicht eine Frau. Oder er wird dann wiedergeboren als Biene.“

Frank Heinrich beim Treffen mit dem Dalai Lama in Indien

Frank Heinrich beim Treffen mit dem Dalai Lama in Indien

Dürfen Sie nach einem solchen Treffen eigentlich weiterhin nach China reisen?

Man sagte uns vor der Reise, dass wir nun damit rechnen müssen, nicht mehr einreisen zu dürfen, bis die Regierung wechselt. Ich würde es dennoch darauf ankommen lassen und schauen, ob China ernst macht. Wir haben übrigens auch in Indien Warnungen bekommen, dass wir unsere Handys und Laptops gegen chinesische Cyberangriffe sichern müssen – der Einfluss des chinesischen Geheimdienstes dort ist massiv. Wenn das Auswärtige Amt eine solche Reise in die Region antritt, werden danach normalerweise die Handys geschreddert.

Herr Heinrich, vielen Dank für das Gespräch!

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