Björn Höcke hat das kirchenkritische Papier innerhalb der AfD auf den Weg gebracht

Björn Höcke hat das kirchenkritische Papier innerhalb der AfD auf den Weg gebracht

AfD-Politiker greifen Kirche an

In einem neuen Papier kritisiert die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag die Evangelische Kirche in Deutschland scharf. Sie wirft den Protestanten politischen Opportunismus vor und vergleicht sie mit den Deutschen Christen der Nazizeit.

Alles beginnt mit einem Nazi-Vergleich. Schon in der Vorbemerkung zum Papier der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag mit dem Titel „Unheilige Allianz“ verweisen die Autoren auf die Zustände der Kirche zu Zeiten Hitlers. „Kirche muss Kirche bleiben“ hätten die Vertreter der Bekennenden Kirche damals von den NS-treuen deutschen Christen gefordert. „Davon will die evangelische Kirche, insbesondere die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), heute nur wenig wissen", heißt es weiter. Die These: Der organisierte Protestantismus sei zum politischen Akteur verkommen und stelle sich bewusst auf die Seite der Mächtigen. Das zeige sich an deren Einsatz für die Klimarettung, am Umgang mit der AfD, an der Flüchtlingshilfe und an der Befürwortung der „Homo-Ehe“. Am Dienstag legten Politiker der Alternativen rund um Björn Höcke das Papier der Öffentlichkeit vor. Anlass ist der Evangelische Kirchentag in Dortmund in der kommenden Woche. AfD-Vertreter sind nicht zu Podiumsdiskussionen eingeladen.

In evangelischen Stellungnahmen zum Thema Ehe und Familie sieht die AfD in Thüringen demnach eine „mutwillige Verfälschung der biblischen Botschaft im Sinne politischer Parteinahme“. „Die Bibel verurteilt gleichgeschlechtliche Sexualität unzweideutig und zwar nicht nur im Alten Testament“, schreiben die Verfasser und beklagen ein Gender Mainstreaming innerhalb der Kirche. Dass etwa in der „Bibel in gerechter Sprache“, die die Kirche als ergänzende Bibelausgabe betrachte, statt von Jüngern von „Schülerinnen und Schülern“ die Rede sei oder statt Brüdern „Schwester und Brüder“ angesprochen würden, sieht die AfD als Zeichen für eine ideologische Umdeutung der Bibel. Es folgt erneut ein Vergleich mit der NS-Zeit: Bereits Reichsbischof Ludwig Müller habe im Jahr 1936 Bibeltexte dem damaligen nationalsozialistischen Zeitgeist angepasst.

AfD: Kirche deutet Liebesgebot einseitig

In der Befürwortung privater Seenotrettung auf dem Mittelmeer sehen die Alternativen ebenso eine Fehldeutung des biblischen Liebesgebots wie in dem Wunsch der EKD nach der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland. Von „undifferenzierter Fremdenliebe“ sei weder im Alten noch im Neuen Testament die Rede, zitiert das Papier den freikirchlichen Prediger Jakob Tscharntke. Von dessen Aussagen zum Thema hatte sich der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland 2015 offiziell distanziert.

Eine „außerordentliche Einseitigkeit“ in Form eines „dogmatischen Glaubensbekenntnisses“ sieht die Thüringer AfD-Fraktion in der Position der Kirche zum Klimawandel. Sie trete sogar an die Stelle der eigentlich heilsbringenden Erzählung von Jesus Christus, weil die Kirche sich dadurch mehr Zulauf verspreche. „Dass allerdings viele Aspekte des Klimawandels in der Forschung strittig sind, dass insbesondere der verursachende Anteil des Menschen am Klimawandel keineswegs geklärt ist, dass die Kausalität von Erderwärmung und CO2-Gehalt der Atmosphäre nicht ausdiskutiert oder die Bedeutung der Sonne für die Klimaentwicklung noch nicht hinreichend erforscht wurde – solche Fragen werden ausgeblendet oder beiseitegeschoben“, heißt es in dem Papier.

„Mit den Mächtigen im Bett“

Die AfD wendet sich auch gegen die Kritik Evangelischer Vertreter an der Partei und zitiert dabei Prominente wie Margot Käßmann oder den Berliner Bischof Markus Dröge. Der Vowurf an die Kirche: „Anstatt die Wahrheit Jesu Christi zu verkünden, trachtet sie danach, durch Diffamierung und Ausgrenzung die eigene linksgrüne Weltanschauung zur alleinigen Wahrheit zu erheben.“ Als Beispiele nennt die AfD auch zahlreiche Aktionen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, also unter anderem in Thüringen. Sie wirft der Kirche ein „gesinnungsethisches Freund-Feind-Denken" vor.

„Die Funktionäre der Evangelischen Kirche legen sich mit den Mächtigen ins Bett“, zitiert etwa das ZDF den Thüringer AfD-Fraktionschef-Chef Björn Höcke, der das Papier initiierte und gemeinsam mit Parteikollegen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen auf den Weg brachte. Hans Leyendecker, Präsident des Kirchentages in Dortmund, verteidigte die Haltung der Veranstalter gegenüber der Alternative für Deutschland: „Die AfD hat sich weiter radikalisiert.“ Und: „Wir müssen verhindern, dass eine Veranstaltung des Kirchentags ein Podium für Propaganda, für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie bietet.“

Von: Anna Lutz

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