Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz (v.l.): Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz

Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz (v.l.): Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz

C wie Katholisch

Am Freitag wählt die Union ihren neuen Chef oder ihre neue Chefin. Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn haben die zwei Ks gemeinsam: Sie sind katholisch und konservativ. Doch wer ist für Christen die beste Wahl? Ein Kommentar von Anna Lutz

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als Mini-Merkel – zu Unrecht. Im Saarland regierte sie während der Hochphase der sogenannten Flüchtlingskrise mit harter Hand, verpflichtete ab 2016 Geflüchtete, deren Alter unklar war, zur Altersdiagnostik via Handgelenkknochen und Gebiss. Die Methode ist umstritten. Im Wahlkampf um das Spitzenamt in ihrer Partei forderte sie, Ausweisungen im Fall von Straftaten rigoroser umzusetzen. Sie ist gegen die Ehe für Alle, erklärte Lebensschützerin und mit Herz und Seele katholisch, wenn auch kritisch im Umgang ihrer Kirche mit Frauen. Sie geht mit ihrer Familie einmal im Jahr zu Ostern einen Kreuzweg, schätzt eine fröhliche Gelassenheit ihrer katholischen Geschwister und sieht im Missbrauchsskandal keinen Grund, ihre Kirche zu verlassen – sondern will eine radikale Aufklärung von innen unterstützen, wie sie im pro-Interview verriet (Lesen Sie mehr in der ersten Ausgabe 2019).

Mehr als alle anderen Bewerber steht Friedrich Merz für das Bild der traditionellen Familie. Er hat selbst drei erwachsene Kinder, 2002 erklärte er, die Ehe sei Basis der Familie und lobte das traditionelle Rollenbild der nicht-erwerbstätigen Mutter. Er stellte sich klar gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Über seine Glauben spricht er im Grunde gar nicht. Dafür zeigte Merz sich hart in Fragen der Flüchtlingspolitik, stellte im jüngsten Wahlkampf gar das Asylrecht in Frage. Schlagzeilen machte eine Geschichte um seinen verloren gegangenen Laptop mit sensiblen Daten, der von einem Obdachlosen gefunden und zurückgegeben wurde. Statt dem Mann einen Finderlohn auszuhändigen, schenkte Merz ihm ein von ihm selbst verfasstes Buch über „das Ende der Wohlstandsillusion“.

Und Jens Spahn? Sein katholischer Glaube war für ihn prägend, das räumte er bereits bei mehreren Gelegenheiten ein, auch gegenüber pro. In seiner Kirche lernte er das öffentliche Reden, dort organisierte er Jugendveranstaltungen und fühlt sich zuhause. In seiner Berliner Wohnung hängt ein neonfarbenes großes Kreuz. Spahn argumentiert in Fragen des Lebensschutzes oft konservativ und wohl auch aus christlichem Verständnis heraus, fordert nun aber eine Widerspruchslösung in der Organspende und wird dafür von den großen Kirchen und auch von der Evangelischen Allianz hart kritisiert. Spahn ist homosexuell und warb vehement für die Ehe für Alle.

Kramp-Karrenbauer ist überzeugte Christin, es ist kaum vorstellbar, dass sich ihr Glaube nicht auch in ihrer Politik als Parteichefin niederschlagen würde. Gegner der merkelschen Flüchtlingspolitik könnten deshalb hinter ihr stehen. Über Merz’ Motivation weiß man wenig. Wie ernst er seinen Glauben nimmt, ist kaum einzuschätzen. Ein Mann des Volkes ist er als Millionär eher nicht. Dafür wäre er neben Spahn wohl am ehesten in der Lage, Unionswähler, die zur AfD übergelaufen sind, zurückzugewinnen. Spahn ist bekennend katholisch. Sein Glaube spielt ganz offenbar auch in sein politisches Handeln hinein, bestimmt es aber nicht. Spahn wäre kein Mann der Kirche im Amt des Parteichefs. Aber einer, der das C auch persönlich ernst nimmt. So haben alle drei Kandidaten ihr Für und Wider. Ein jeder mag sich einen anderen Kandidaten an der Parteispitze wünschen und für den Lieblingskandidaten anderer nicht viel übrig haben. Ich persönlich wünsche ihnen und uns allen: Möge die Beste gewinnen.

Von: Anna Lutz

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