Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: „Zum Mut gehört immer auch die Demut. Nimm dich nicht so wichtig.“

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble: „Zum Mut gehört immer auch die Demut. Nimm dich nicht so wichtig.“

Schäuble plädiert für Zuversicht und Gelassenheit

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat für Zuversicht und Gelassenheit plädiert. In der Sonntagsgesprächsreihe „Nachbarn des Himmels“ in der Katholischen Akademie in Berlin äußerte sich der CDU-Politiker außerdem zum Migrationspakt und zum Bundeskanzlerposten.

Eine gewisse „Brummigkeit“ seinerseits entschuldigte Wolfgang Schäuble gleich zu Beginn mit einer Erkältung. Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur der Zeitung Der Tagesspiegel und an diesem Sonntagvormittag Gesprächsleiter in der Katholischen Akademie, ließ sich davon nicht abschrecken und stellte direkt die Kanzlerfrage. Der CDU-Politiker konterte auf gewohnte Art und verwies auf sein Alter. „Das merkt man nicht“, tröstete Casdorff. „Ich merk’s schon“, so der 76-Jährige trocken und hatte die Lacher des gefüllten Saals auf seiner Seite. Dass er der Bundesregierung nicht mehr angehören würde, habe er am Abend vor der Wahl 2017 bei seiner Geburtstagsfeier vor so vielen Freunden erklärt, damit er nicht mehr in Versuchung komme, betonte Schäuble, „ich weiß, wie alt ich bin. Medizinisch bin ich im Greisenalter.“ Das Amt des Bundestagspräsidenten passe dagegen gut.

Anknüpfend an seine Rede zum Tag der deutschen Einheit plädierte Schäuble für Zuversicht und Gelassenheit. Einerseits gehe es den Deutschen heute materiell so gut wie nie, andererseits glaubten viele, dass es ihren Kindern nicht mehr so gut gehen werde. „Das ist doch verrückt“, meinte Schäuble. Auch bezogen auf die Globalisierung mit ihren Fortschritten seien viele der Ansicht, jetzt könne es nur noch schlechter werden. „Selbstverständlich ist gar nichts“, betonte der CDU-Politiker allerdings, „es muss immer wieder neu errungen werden.“ Resignation sei aber der falsche Weg. Zum Mut gehöre außerdem immer auch die Demut: „Nimm dich nicht so wichtig“, so Schäuble. Deutschland neige dazu, die Dinge zu übertreiben – im Schlechten wie im Guten. Diese Neigung zum Perfektionismus sei gefährlich, sinnierte Schäuble. Dadurch entstehe eine gewisse Schwerfälligkeit, Dinge umzusetzen. „Wir sind perfekt darin, zu erklären, warum’s nicht geht.“

Die Welt sei unvollkommen, erklärte Schäuble. So sei etwa die Polizei nötig, um dafür zu sorgen, dass Regeln eingehalten würden. Eine europäische Armee sei besser als eine nationale Armee, betonte der CDU-Politiker. „Wenn wir nicht in der Lage sind, uns zu schützen gegenüber anderen, dann werden Rechtlosigkeit und Gewalt die Folge sein. So ehrenwert der Pazifismus ist, er ist kein ausreichendes System, um das Leben der Menschen, für die wir Verantwortung haben, zu ermöglichen. Das brauchen wir nicht mehr national zu machen, aber europäisch müssen wir es machen.“ Eine europäische Armee müsse nicht eingesetzt werden, diene aber der Abschreckung.

Ebenso wenig könne man die Migration national lösen. Wer sie regulieren wolle, brauche eine internationale Regulierung. Schäuble verteidigte den UN-Migrationspakt. „Es ist ein wichtiger Erfolg, dass es gelungen ist, einen solchen Pakt abzuschließen. Wie immer ist der nicht hundertprozentig perfekt.“ Aber hier sei es gelungen, sich auf einen Mindeststandard zu verständigen. „Dieser Migrationspakt enthält keine Verpflichtung für ein Land wie Deutschland, wozu wir nicht sowieso verpflichtet sind.“ Der Pakt soll Migration weltweit besser organisieren helfen und im Dezember unterzeichnet werden.

Des Weiteren sprach sich Schäuble für mehr Investitionen im vorschulischen und schulischen Bereich aus. Um mehr Gerechtigkeit herzustellen, müsse vor allem in die Einrichtungen, in Schulen und Lehrer investiert werden. Mit Prälat Karl Jüsten, der für die Katholische Akademie zum Gespräch geladen hatte, lieferte sich der evangelische Schäuble einen kleinen Schlagabtausch. „Inzwischen sind evangelische Kirchentage einfach nur schön“, bekannte Schäuble und lenkte mit Blick auf Jüsten ein: „Die katholischen Kirchentage sind ja inzwischen fast genauso schön, da habt ihr viel von uns gelernt.“ – „Das Schöne ist, dass wir beide voneinander lernen. Ich glaube, beide Kirchentage haben voneinander gelernt“, entgegnete Jüsten. Darauf Schäuble: „Das Schöne ist, dass Sie die evangelische Kirche inzwischen sogar als Kirche bezeichnen!“

Christina Bachmann

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