Katholiken mit Ambitionen: (v.l.) Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz

Katholiken mit Ambitionen: (v.l.) Jens Spahn, Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz

Drei Katholiken wollen Merkel beerben

Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn, Friedrich Merz: Sie alle wollen Angela Merkel als CDU-Chefin ablösen. Doch was bedeutet ihnen das C im Parteinamen? pro hat nachgeforscht, wie die drei Spitzenpolitiker es mit dem Glauben halten.

Im Dezember soll einer von ihnen Angela Merkel als Parteichefin ablösen: Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz werden aktuellen Informationen zufolge in einer Kampfabstimmung gegeneinander antreten. Für Angela Merkel hat das C im Parteinamen immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Protestantin und Pfarrerstochter hat wiederholt öffentlich darüber gesprochen, dass ihr der Glaube, das persönliche Gebet und die christliche Wertebasis wichtig sind. Wie aber ist das bei Spahn, Kramp-Karrenbauer und Merz?

Spahn: katholisch, schwul, konservativ

Spahn ist im katholischen Münsterland aufgewachsen, besuchte eine Nonnenschule und nannte letzteres später ein „großes Glück“. Er wurde Messdiener und hielt seine ersten öffentlichen Reden in Gottesdiensten in Form von Fürbitten und Lesungen. In den Sommerferien fuhr Spahn mit der Jungen Katholischen Gemeinde ins Ferienlager, betreute auch selbst eine Gruppe. „Die katholische Kirche ist immer auch ein bisschen großes Kino. Deshalb mag ich die ja“, zitiert der Autor Michael Bröcker den Politiker in einer jüngst erschienenen Biografie. Bis heute ziert ein lilafarbenes Neonkreuz Spahns Berliner Wohnung, die er gemeinsam mit Ehemann Daniel Funke bewohnt.

Auf Anfrage von pro erklärte Spahn einmal, der Glaube seiner Jugend habe ihn geprägt. Vieles von dem, was er heute sei, habe damit zu tun, dass er katholisch engagiert gewesen sei. Als Politiker ziehe er aus seinem Glauben Gelassenheit: „Das Paradies macht jemand anderes“, sagte Spahn. Für die letzten Dinge sei Gott zuständig. Dieser Gedanke dürfte ihn auch bei aktuellen Debatten im Gesundheitsressort begleiten.

Da ist gerade das Thema Organspende wichtig. Spahn steht nicht auf der Seite der Kirchen, sondern fordert eine sogenannte Widerspruchsregelung, die zunächst jeden Bürger zum Organspender macht, bis er Einspruch eingelegt hat. Kichennäher positionierte er sich beim Thema Sterbehilfe: Spahn ist gegen eine Freigabe und hat seit Amtsantritt im Ressort verhindert, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel auf richterlichen Beschluss tödliche Medikamente an Sterbewillige herausgibt. Spahn ist auch gegen die Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche.

Kramp-Karrenbauer: Die katholische Merkel

Auch Kramp-Karrenbauer ist katholisch und zudem im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken engagiert. In einem Interview des Focus sagte sie im März über ihren Glauben: „Für mich persönlich ist er sehr wichtig. Er gibt mir Halt.“ Sie faste vor Ostern Alkohol und versuche immer, in der Osterwoche frei zu haben, und die entsprechenden Liturgien mitzufeiern. An Gründonnerstag bete sie gemeinsam mit ihrer Familie traditionell den Kreuzweg in einer kleinen Kapelle in der Nähe ihres Wohnortes.

Kramp-Karrenbauer gilt als Merkels Wunschnachfolgerin und teilt viele ihrer politischen Positionen, etwa in der Flüchtlingspolitik. Von sich reden machte sie mit ihrem Widerstand gegen die sogenannte Ehe für alle. Im Jahr 2015 sagte sie der Saarbrücker Zeitung: „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“ Die Berliner Anwältin Sissy Kraus erstattete bei der Staatsanwaltschaft Anzeige. In einem Schreiben machte sie deutlich, dass für sie Kramp-Karrenbauers Worte „nicht mehr nur homophob, sondern menschenverachtend“ seien. Die Staatsanwaltschaft wies den Vorwurf zurück und leitete kein Verfahren ein.

Die Saarländerin sagte 2015 in einem Interview, der Islam sei ein Teil der deutschen Gesellschaft, „ob wir das wollen oder nicht“. Sie forderte von Christen, sich stärker auf ihre Wurzeln und Traditionen zu besinnen: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass wir als Christen in einer vorauseilenden Selbstaufgabe unsere eigenen Traditionen, die aus unserer Religion heraus erwachsen sind, verleugnen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Martinsumzug in ein Laternenfest umbenannt wird – aus lauter Angst, man könne die Gefühle von wem auch immer verletzen.“

In der Tageszeitung Die Welt veröffentlichte die CDU-Generalsekretärin ein Essay, in dem sie schrieb: „Religion tut unserem Land, tut dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gut." Die Wertschätzung von Religiösem in der Gesellschaft sei von „fundamentaler Bedeutung" für tolerantes und friedliches Miteinander. Religionen böten dem Einzelnen Orientierung und seine eine Stütze. „Sie geben dem Miteinander einen tieferen Sinn."

Merz: Merkel-Kritiker mit christlichem Hintergrund

Friedrich Merz ist ebenfalls katholisch und war als Student Mitglied in der konfessionellen Verbindung Bavaria Bonn. Über seine religiösen Überzeugungen ist wenig bekannt. Merz gilt als nüchterner Finanzexperte. Seine Ehefrau Charlotte Merz ist in der Evangelischen Kirche engagiert. Wie Spahn ist Merz ein ausgesprochener Merkel-Kritiker. Differenzen mit ihr führten 2004 auch zu seinem Rückzug aus der Spitzenpolitik, 2009 erklärte er, eine Politik-Pause einlegen zu wollen.

Merz sprach sich im Jahr 2000 für die Idee einer deutschen Leitkultur in der Einwanderungspolitik aus. Er kritisierte, dass muslimische Lehrerinnen im Unterricht Kopftücher tragen. Merz wandte sich auch gegen das Schächten von Tieren und forderte einen Islamunterricht an deutschen Schulen und unter Schulaufsicht. „Wir dürfen unsere Augen nicht davor verschließen, dass bei uns zunehmend Parallelgesellschaften entstehen und durch solche Entwicklungen noch gefördert werden“, warnte er laut Spiegel Online.

Auch seine familienpolitischen Ansichten sind durch und durch konservativ. 2002 erklärte er, die Ehe sei Basis der Familie und das traditionelle Rollenbild der nicht-erwerbstätigen Mutter bedeutend. Das klassische Leitbild der Familie dürfe nicht komplett durch zwei berufstätige Elternteile ersetzt werden. Er positionierte sich auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe.

Von: Anna Lutz

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