Dass US-Justizminister Jeff Sessions die harte Einwanderungspolitik mit der Bibel verteidigte, sorgte für Kritik vonseiten der Kirchen

Dass US-Justizminister Jeff Sessions die harte Einwanderungspolitik mit der Bibel verteidigte, sorgte für Kritik vonseiten der Kirchen

Kirchen: „Sessions hat die Bibel missbraucht“

Die Äußerungen des amerikanischen Justizministers Jeff Sessions stoßen auch bei den Kirchen auf Unverständnis: Der Politiker hatte die umstrittene Einwanderungspolitik seines Landes mit Verweis auf die Bibel gerechtfertigt. Kirchenvertreter sehen darin einen Missbrauch der Heiligen Schrift.

An der Grenze zwischen Mexiko und den USA werden Familien auseinandergerissen, wenn sie illegal in die Vereinigten Staaten einreisen und die Erwachsenen verhaftet werden. Der amerikanische Justizminister Jeff Sessions hat diese Politik verteidigt und sich dabei auf eine Bibelstelle in Römerbrief, Kapitel 13 berufen: Die Gesetze der Regierung müssten befolgt werden, weil Gott die Regierung zu seinen Zwecken eingesetzt habe. Dies stößt bei den Kirchen auf heftigen Widerstand. Vor allem die methodistische Kirche hat in einer offiziellen Stellungnahme die Politik des Justizministeriums scharf verurteilt.

Susan Henry-Crowe, Generalsekretärin der methodistischen Kirche, kritisiert darin die „Null-Toleranz-Politik“ der Trump-Regierung. Sie reiße Familien auseinander, wenn diese die amerikanisch-mexikanische Grenze überquerten. Sessions habe die Bibel missbraucht, um diese Politik zu rechtfertigen. Zu argumentieren, dass sie mit der christlichen Lehre übereinstimme, sei unseriös und falsch.

Regierungsvertreter hätten diese Aussagen des Apostels Paulus genutzt, um ihr politisches Handeln zu begründen. In den Kapiteln 12 bis 16 gehe es aber ebenso um Gastfreundschaft und Nächstenliebe. Die von Sessions zitierte Bibelstelle sei eingebettet in die Aufforderung, den Nachbarn und auch den Fremden zu lieben. Dadurch erfülle sich das Gesetz.

Christen würden durch Paulus daran erinnert, dass die Liebe der entscheidende Weg ist. Jesus Christus sei der Weg, die Wahrheit und das Leben. Der Christus, dem die Methodisten folgten, habe kein Interesse daran, Kinder aus dem Armen ihrer Eltern zu reißen und ihnen Gewalt anzutun. Texte der Bibel sollten nie dazu verwendet werden, um die Unterdrückung anderer zu rechtfertigen.

US-Gründerväter rechtfertigten Sklaverei mit Paulus

Wer die Bibel nutze, um dies zu tun, sollte auch den Propheten Jesaja lesen, betont Henry-Crowe. Jesaja warne davor, dass Gott Menschen bestrafe, die ungerechte Gesetze erließen, andere unterdrückten oder Arme ihrer Rechte beraubten. Die Regierung von Donald Trump habe die Kraft, diese schrecklichen Aktionen zu stoppen und rückgängig zu machen. Bei dieser Aufgabe müsse die Kirche mithelfen, weil die Politik Sessions' nicht den Prinzipien der Methodistischen Kirche entsprächen.

Der führende Hillsong-Pastor Carl Lentz bezeichnete im Interview des Senders MSNBC Sessions' Interpretation als „falsche Anwendung“ von Römer 13. Auch Bischöfe der amerikanischen methodistischen Kirche verurteilten die Aussage des Ministers und erklärten, dass die Heilige Schrift dabei benutzt werde, um Ungerechtigkeiten zu rechtfertigen. Die Gründer der Vereinigten Staaten hätten dieselbe Taktik benutzt, um „unsere afrikanischen Vorfahren zu versklaven“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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