Julia Klöckner ist gläubige Katholikin, hat aber einige kritische Anfragen an ihre Kirche

Julia Klöckner ist gläubige Katholikin, hat aber einige kritische Anfragen an ihre Kirche

Klöckner: „Mein Glaube hilft mir“

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagt in der aktuellen Ausgabe der Zeit, ihr katholischer Glaube helfe ihr, die eigene Begrenztheit zu akzeptieren. Sie spricht sich auch gegen christliche Symbolpolitik aus Angst vor einer angeblichen Islamisierung aus.

Die Katholikin Julia Klöckner berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeit von ihrer Kindheit: „Mir wurde der Glaube in die Wiege gelegt“, schreibt sie, und weiter: „Glauben kann man nicht lernen. Aber der Glaube hilft mir, meine Begrenztheit zu akzeptieren.“ Mit Bezug auf das Aufhängen von Kreuzen in Amtszimmern erklärt sie: „Wir sollten nicht den christlichen Glauben wiederentdecken aus Angst vor einer angeblichen Islamisierung.“ Sie müsse sich nicht an christlichen Symbolen festhalten, weil andere etwas anderes glaubten. „Glauben muss aus einem selbst heraus kommen und nicht in der Funktion der Abgrenzung“, erklärt Klöckner. Ihre Aussage kann als Kritik am jüngsten Kreuzvorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gewertet werden.

Zu viel Tagespolitik, zu wenig Seelsorge

Klar sei für sie, dass die Religion in einer Demokratie niemals über dem Gesetz stehen könne. Sie wundere sich über die Zurückhaltung linker Kirchenkritiker gegenüber dem fundamentalistischen Islam. „Die Katholische Kirche wurde als konservative Institution immer von progressiven Feministinnen kritisiert, sicher nicht zu Unrecht. Aber für patriarchale Strukturen im fundamentalistischen Islam haben sie volles Verständnis. Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, schreibt Klöckner.

Dabei übt sie selbst Kritik an ihrer Kirche: Bei manchen Kirchenvertretern verwundere sie, dass sie sich mehr mit Tagespolitik beschäftigen als mit der klassischen Seelsorge und der Frage, warum die Kirchen so leer seien. Außerdem habe sie als Kirchensteuerzahlerin einige Fragen: „Wann dürfen gemischtkonfessionelle Paare nun endlich gemeinsam zum Tisch des Herrn, oder wiederverheiratet Geschiedene? Wann werden Frauen zu Diakoninnen geweiht?“

Grübel für mehr Ökumene

Für ihre aktuelle Ausgabe hat die Zeit-Redaktion Prominente zum Thema Zweifeln befragt. Neben Klöckner äußern sich etwa der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, der Ordensmann Anselm Grün oder der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU). Khorchide berichtet davon, wie er bedroht wurde, weil er den Islam liberal deutet. Früher hätten ihm andere Muslime erzählt, wer nicht wie sie an Gott glaube, sei verdammungswürdig. Er habe gegen das Gottesbild seiner Jugend rebelliert und einen Gott der Liebe gefunden: „Gott begegnete mir als Barmherziger. Das war die Erlösung.“

Anselm Grün erklärt, der Zweifel gehöre für ihn elementar zum Glauben dazu. Er zwinge ihn dazu, sich seines Glauben zu vergewissern. „Er zeigt mir: Der Glaube muss errungen werden.“ Grübel, ebenfalls Katholik, schreibt, er habe sich seinen Kindheitsglauben an einen gütigen Gott bewahrt. Kein Verständnis habe er für die sieben deutschen Bischöfe, die sich jüngst gegen das gemeinsame Abendmahl gemischtkonfessioneller Ehepaare gestellt hätten. Im Februar hatte die Deutsche Bischofskonferenz entschieden, dass Protestanten und Katholiken in Einzelfällen gemeinsam die Kommunion empfangen dürfen. Zum Islam schreibt er: „Ein Muslim, der unsere Werte teilt, ist mir lieber als ein Mensch, der Gott leugnet und sich selber absolut setzt.“

Von: Anna Lutz

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