Der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm ist überzeugt: Eine Kreuzpflicht in bayerischen Amtsstuben ist verfassungswidrig

Der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm ist überzeugt: Eine Kreuzpflicht in bayerischen Amtsstuben ist verfassungswidrig

Ehemaliger Verfassungsrichter: „Das Kreuz ist nun einmal Glaubenssymbol“

Wenn die bayerische Regierung Kreuze in den Amtsräumen anordnen will, verstößt sie damit gegen das Grundgesetz. Das sagte der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

Grimm, der von 1987 bis 1999 als Verfassungsrichter tätig war, war am Karlsruher Kruzifix-Beschluss von 1995 beteiligt. Der 81-Jährige ist überzeugt: die neue bayerische Kreuz-Pflicht, die vom 1. Juni an gelten soll, ist verfassungswidrig.

Das folge aus dem Kruzifix-Urteil von 1995. „So verstehe ich das Grundgesetz“, sagt Grimm gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Artikel 4 garantiert jedermann Religionsfreiheit. Gemeint ist damit nicht die Freiheit einer bestimmten Religion, sondern Freiheit für alle Religionen. Daraus folgt, dass der Staat in Glaubensfragen nicht Partei ergreifen darf.“ Er müsse sich stattdessen neutral verhalten. „Gegen diese Neutralitätspflicht verstößt er, wenn er Kreuze in Amtsräumen anordnet.“ Weiter sagt Grimm: „Religionsfreiheit bedeutet, dass es jedem freisteht, wie er sich zur Religion einstellt.“ Es bedeute aber auch, dass man Religion ablehnen dürfe.

„Das Kreuz steht für den Opfertod Christi“

Die Argumentation der bayerischen Regierung, bei dem Kreuz handele es sich nicht um ein religiöses Symbol, sondern um ein kulturelles, will Grimm nicht gelten lassen. „Das Kreuz ist nun einmal für den Christen und die christlichen Kirchen das zentrale Glaubenssymbol. Es steht für den Opfertod Christi und die dadurch vollbrachte Erlösung der Menschheit aus dem Sündenfall, die Öffnung des Himmels für die Gläubigen nach dem irdischen Tod.“ Damit sei das Kreuz „etwas anderes als die Gemälde mit religiöser Thematik“.

Anders als etwa die Einteilung unserer Zeit nach Sonn- und Feiertagen oder kirchliche Musik in einem säkularen Kontext in Konzertsälen, sei im Kreuz der christliche Glaube zusammengefasst, „und das lässt sich nicht wegdenken, wenn der Staat es jedem , der seine Amtsräume betritt, vor Augen hält“, schreibt Grimm.

Bereits in den Neunzigerjahren seien sogar Kirchenvertreter bereit, die eigentliche Bedeutung des Kreuzes verharmlosen, um es in den Schulen zu retten. Inzwischen scheinen die Kirchen besser verstanden zu haben, was auf dem Spiel steht“, erklärt Grimm.

Von: Jörn Schumacher

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige