Politikwissenschaftler Andreas Püttmann wirft christlichen AfD-Wählern einen Tunnelblick vor.

Politikwissenschaftler Andreas Püttmann wirft christlichen AfD-Wählern einen Tunnelblick vor.

Püttmann: Kirche weist Hetzer zu wenig zurecht

Frustrierte konservative Christen lassen sich von den Programmen der AfD blenden, sagt Politikwissenschaftler Andreas Püttmann. Den Kirchen attestiert er zu wenig Härte gegen Hetzer aus den eigenen Reihen.

Es ist die „Wut auf die Eliten“, die Christen zur AfD treibt, erklärt der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann im Interview von Christ und Welt. Mit ihrer Stellung zu Themen wie Abtreibungsrecht, gleichgeschlechtliche Ehe und Flüchtlingspolitik stoße die Partei bei vielen konservativen Gläubigen auf offene Ohren. Dabei finde sich in deren Programmen „keine positive Würdigung der christlichen Gemeinwohldienste“. Christentum und Kirche würden fast ausschließlich im antiislamischen Kontext erwähnt.

Gegen Abtreibung spreche sich die AfD zwar aus, bedeutende Änderungen in der Gesetzgebung schlage sie allerdings nicht vor. Derartige Paradoxien blenden viele einfach aus, meint Püttmann. Auch kirchenfeindliche Stimmen innerhalb der Partei seien keine Abschreckung. „Es gibt eben illoyale Kirchenmitglieder. Das sind katholischerseits nun gerade diejenigen, die jahrzehntelang auf Loyalität und Gehorsam gegenüber Papst und Bischöfen pochten“, kritisiert der katholische Publizist.

Kirche soll „den eigenen Laden sauber halten“

„Da die AfD nun im Bundestag sitzt, meinen einige Oberpragmatiker einen Modus Vivendi finden zu müssen. Sie folgen einer Opportunitätslogik, die man dem Episkopat der dreißiger Jahre vorwirft“, kommentiert Püttmann das Verhältnis der katholischen Amtskirche zur AfD. Die Rolle der Bischöfe sieht er zwar positiv. Wichtiger allerdings, als auf Provokationen der AfD zu reagieren, sei es „den eigenen Laden sauber zu halten“. Rechtspopulistische Hetzer würden in der Kirche zu wenig zurechtgewiesen. Den Grund dafür vermutet der in einer gewissen „Desensibilisierung und Sorge um den innerkirchlichen Frieden“.

Von: Deborah Müller

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