Uwe Heimowski von der Deutschen Evangelischen Allianz kritisiert die AfD und sieht Chancen in einer Jamaika-Koalition

Uwe Heimowski von der Deutschen Evangelischen Allianz kritisiert die AfD und sieht Chancen in einer Jamaika-Koalition

„AfD-Ergebnis ist Schock"

Christen wollen der AfD in der neuen Legislaturperiode entschieden entgegentreten. Das haben Kirchenvertreter gegenüber pro erklärt. Die Deutsche Evangelische Allianz sieht Chancen in einer Jamaika-Koalition, benannte aber auch „rote Linien".

Uwe Heimowski ist der Vertreter der Deutschen Evangelischen Allianz im politischen Berlin und damit Stimme vieler Evangelikaler. Am Montag sagte er mit Blick auf das Wahlergebnis, es sei zwar keine Überraschung, dennoch sei das gute Abschneiden der AfD in Ostdeutschland für ihn ein Schock gewesen. „Krawallproteste" gegen Merkel, wie die AfD sie vor der Wahl mitorganisiert habe, entsprächen „nicht der politischen Kultur, die wir als Christen wollen", sagte Heimowski. Auch künftig werde die Evangelische Allianz menschenverachtender Politik entgegentreten und klar machen, „dass es keine Schnittmenge zu rassistischen und geschichtsverfälschenden Positionen“ gebe.

In einer möglichen Jamaika-Koalition zwischen Union, Grünen und FDP sieht er Chancen, auch für konservativ-christliche Anliegen. So befürwortete er ein Einwanderungsgesetz, wie etwa die FDP es fordert. Von der Union erhofft er sich einen stärkeren Einsatz für den Lebensschutz, etwa ein Verbot von Spätabtreibungen bei Kindern mit Down-Syndrom, und die Einsetzung eines Beauftragten für Religionsfreiheit. Auch ein stärkerer Einsatz für den Umwelt- und insbesondere den Klimaschutz, wie die Grünen es fordern, entspreche christlichen Anliegen.

Doch Heimowski benannte auch rote Linien, die seiner Meinung nach in einem neuen Koalitionsvertrag nicht überschritten werden dürfen: Die Leihmutterschaft etwa, wie die FDP sie legalisieren wolle. „Ein Bauch ist kein Mietobjekt", sagte Heimowski. Auch die Auflösung von Geschlechteridentitäten, wie er sie im Wahlprogramm der Grünen sieht, sei für die Allianz indiskutabel.

Bei der Bundestagswahl am Sonntag war die AfD nach CDU und SPD zur drittstärksten Kraft im Bundestag gewählt worden. Sie holte 12,6 Prozent der Wählerstimmen, die SPD 20,5 und die Union 33.

AfD hat Rassismus salonfähig gemacht

Peter Jörgensen ist Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Berlin. Im Wahlkampf habe sich gezeigt, dass eine gemeinsame Gesprächskulturkultur in der Gesellschaft verloren gegangen sei, findet er. In den letzten Wochen sei derart schrill und aggressiv gestritten worden, dass es nun zunächst nötig sei, einen neuen Modus der Verständigung zu finden. Auch das müsse Aufgabe einer neuen Regierung sein. In einer Jamaika-Koalition sieht er Chancen, vor allem, weil sie, wenn sie zustande kommt, zeige, dass Spaltungen überwunden werden können.

Die AfD habe Egosimus und Rassismus im Wahlkampf salonfähig gemacht. Als Christ sei das für ihn „bestürzend". „Es ist erst der Beginn einer Enthemmung, das Böse wieder zuzulassen“, sagte er. Mit christlichen AfD-Wählern will er das Gespräch suchen und ihnen klar machen, dass Frömmigkeit und AfD-Wählen sich ausschließen. „Wie soll man denn Jesus ernst nehmen und seinen Nächsten hassen?", so Jörgensen.

Volkskirchen wollen sich Ausgrenzung entgegenstellen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, teilte am Montag mit, die Wahl der AfD in den Bundestag sei ein „Weckruf für alle, denen das friedliche und solidarische Miteinander in einem weltoffenen Deutschland am Herzen liegt“. Weiter erklärte er: „Das Niederbrüllen von Rednern bei Kundgebungen und persönlich beleidigende Parolen waren erschreckende Ausdrucksformen eines Mangels an politischer Kultur. Alle müssen jetzt zusammenhelfen, dass ausgrenzende und hasserfüllte Stimmen nicht das Leben in unserem Land vergiften."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx erklärte laut Deutscher Presse-Agentur (dpa), die Welt dürfe nicht mit Schwarz-Weiß-Schablonen beurteilt werden, und eine Sprache der Abgrenzung oder des Hasses dürfe kein Platz in der politischen Kultur finden. Er rief zu „verbaler Abrüstung" und zu einem respektvollen Miteinenander auf. Auch aus dem Erzbistum Berlin kamen kritische Töne zur Wahl der AfD: Es zeige die Angst der Menschen vor Umbrüchen wie Digitalisierung und Zuwanderung. Die katholische Kirche wolle sich „einem Auseinanderfallen der Gesellschaft entschieden entgegenstellen" und sich „in die dringend notwendige Wertediskussion und Wertebegründung öffentlich einbringen". (pro)

Von: al

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus