Nach dem AfD-Parteitag in Köln sucht SPD-Chef Martin Schulz den Schulterschluss mit den Kirchen

Nach dem AfD-Parteitag in Köln sucht SPD-Chef Martin Schulz den Schulterschluss mit den Kirchen

Schulz und AfD streiten über Kirche

Auf dem AfD-Parteitag in Köln wurden Forderungen nach Kirchenaustritten für Parteimitglieder laut. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz nennt dies in einem Brief an die Kirchen „ungeheuerlich“.

Beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) vergangenen Samstag in Köln hat das Bundesvorstandsmitglied und der niedersächsische Parteichef Armin Paul Hampel zur Abschaffung der Kirchensteuer und zum Austritt aus der Kirche aufgerufen. Mit dem Satz „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein“ fand Hampel viel Zustimmung unter den Deligierten. Bereits am Freitag machte der baden-württembergische AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen auf Facebook öffentlich, über einen Kirchenaustritt nachzudenken. Wenige Tage zuvor war AfD-Mitbegründer Konrad Adam aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ausgetreten.

Grund für den Unmut: Im Vorfeld des Parteitages hatten sich die Kirchen widerholt kritisch über die Politik der AfD geäußert und sich unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ an den Protesten von schätzungsweise insgesamt 30.000 Demonstranten gegen den Parteitag beteiligt.

Die Forderung Hampels nahm SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum Anlass, sich in Briefen an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zu wenden.

Schulz nannte die Aussagen auf dem AfD-Parteitag einen „ungeheuerlichen Angriff auf die Kirche“, die Vorwürfe der Partei seien „unfassbar und abscheulich“. Die AfD habe auf dem Parteitag in Köln gezeigt, dass es ihr um Spaltung, Provokation und rechten Populismus gehe. Schulz dankte den Kirchen für ihre „klare Haltung“ gegen Ausgrenzung und Hass.

AfD weist Schulz-Kritik zurück

Die AfD reagierte am Dienstag auf Schulz' Äußerungen. Hampel teilte über einen Sprecher mit: „Meine Forderung, die Kirchensteuer nicht mehr durch den Staat einziehen zu lassen, scheint in den Finanzabteilung der beiden Amtskirchen und sogar bei den Sozis eingeschlagen zu haben. Selbst Sozialistenchef Martin Schulz, der bisher durch christliche Tugenden eher wenig in Erscheinung trat, fühlt sich bemüßigt, den Führern der Amtskirchen, die genauso abgehoben sind wie er, im Wahlkampf beizuspringen.“

Der „Euro-Diätenmillionär“ Schulz verkenne hier Ursache und Wirkung. „Wenn ein Bischof Marx und der EKDler Bedford-Strohm einer demokratisch legitimierten Partei ihre Rechte und auch ihre Würde absprechen, dann geht das am christlichen Verständnis des Anderen völlig vorbei.“ Genau wie „unsere Blockparteien“ hätten beide Kirchenführungen den Kontakt zu ihren Schäfchen längst verloren. (pro)

Von: Lms

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