Frank Heinrich war in Ägypten und hat dort mit Christen unterschiedlicher Kirchen gesprochen

Frank Heinrich war in Ägypten und hat dort mit Christen unterschiedlicher Kirchen gesprochen

„Es gibt auch Hoffnung"

Menschenrechtsorganisationen mahnen, Christen in Ägypten seien stark bedrängt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich hat das Land besucht und sagt: Es gibt auch Entwicklungen, die Hoffnung machen.

pro: Herr Heinrich, Sie sind in der vergangenen Woche aus Ägypten zurückgekommen. Wie geht es den Christen im Land?

Frank Heinrich: Sehr unterschiedlich! Viele haben uns geschildert, dass Hoffnung aufkeimt und sie ihrer Gemeindearbeit ruhiger nachgehen können als noch vor einiger Zeit; andere stehen massiv unter Druck. Besonders in ländlichen Regionen und in Oberägypten scheint es oft noch gefährlich zu sein, sich als Christ zu erkennen zu geben.

(v.l.) Frank Heinrich mit dem koptischen Bischof Tawadros II. in Ägypten

(v.l.) Frank Heinrich mit dem koptischen Bischof Tawadros II. in Ägypten

In ihrem Jahresbericht mahnt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Christen in Ägypten würden durch Gesetze an der Ausübung ihrer Religion gehindert. Zudem komme es regelmäßig zu Übergriffen insbesondere auf Kopten. Ist das auch Ihr Eindruck?

Ich hatte die Gelegenheit, mit Vertretern verschiedenster Denominationen zu sprechen. Und ja, es stimmt, von Religionsfreiheit, wie wir sie verstehen und auch die UN sie fordert, ist Ägypten noch einige Schritte entfernt. Speziell das Recht, den Glauben öffentlich zu bekennen und Religionswechsel sind stark behindert. Allerdings bekam ich von vielen Christen auch die Meldung, dass sie bemerken, wie sich politisch, insbesondere durch die Haltung und Aussagen des Präsidenten, etwas zu ändern scheint. Auf sein Betreiben hin wurden Gesetze verändert, sodass nun Genehmigungen für Kirchenbau möglich sind. Darauf haben die Christen jahrzehntelang gehofft. Übergriffe gibt es wohl, aber die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sagten, dass der Präsident und andere hohe Regierungsvertreter diese zum ersten Mal öffentlich kritisiert haben. Einige Christen sagten, es gebe eine Aufbruchstimmung. Sie freuen sich über die Fortschritte.

Menschenrechtsgruppen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel jüngst vorgeworfen, sie beschönige die Lage der Christen in Ägypten, weil sie sie als „sehr gut“ bezeichnete und erklärte, die ägyptische Regierung unterstütze zum Beispiel die Kopten in beispielhafter Weise. Liegt die Kanzlerin falsch oder haben die Menschenrechtsorganisationen Unrecht?

Ich könnte keiner der beiden Seiten voll zustimmen. Die Christen haben uns deutlich gemacht, dass sich einiges zum Positiven zu verändern scheint. Wenn die Kanzlerin sich auf diese Hoffnungen und die ersten sichtbaren Schritte im Vergleich zu den letzten Jahren bezieht, hat sie recht. Die Fälle, die Amnesty und auch andere Menschenrechtsorganisationen schildern, sind dennoch auch wahr und machen uns sehr besorgt, denn wir können nicht wissen, in welche Richtung die Lage kippt. Insbesondere wenn die wirtschaftliche Situation im Land sich weiter destabilisiert und die Armut zunimmt. An dieser Stelle wurden wir von allen Beteiligten immer wieder darauf hingewiesen, dass Deutschland sich keinesfalls zurückziehen sollte und als Partner gebraucht wird. Allerdings eben auch als deutlicher Mahner.

Herr Heinrich, vielen Dank für das Gespräch! (pro)

Die Fragen stellte Anna Lutz.

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