Ist froh über den Dialog mit der Landesregierung, der jetzt in Gang kommt: Landesbischöfin Ilse Junkermann
Ist froh über den Dialog mit der Landesregierung, der jetzt in Gang kommt: Landesbischöfin Ilse Junkermann

Diskriminierung von Christen in der DDR eingeräumt

Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, hat die klaren und differenzierten Worte von Thüringens Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff (Die Linke) zu den Fehlern bei der Aufarbeitung bei der Diskriminierung von Christen in der DDR gelobt. Im Interview der Mitteldeutschen Kirchenzeitung Glaube und Heimat nimmt sie zu der Debatte Stellung.

Entbrannt war die Debatte über die Diskriminierung von Christen in der DDR durch eine Äußerung von Staatssekretärin Babette Winter (SPD). Sie hatte bei einem ökumenischen Gesprächsforum vor einem Monat gesagt, dass Christen keine herausgehobene Opfergruppe darstellten. Dies hatte zu Spannungen zwischen der Regierung und Kirchen in Thüringen geführt.

Linken-Minister Hoff hat die Diskriminierung von Christen in der DDR eingeräumt. Hat Sie das überrascht?

Junkermann: Ich bin froh über diese klaren und differenzierten Worte. Damit haben er und seine Partei den kritischen und selbstkritischen Gesprächsraum zu dem Thema eröffnet. Wie einst Rosa Luxemburg Lassalle zitierte: Das „Lautsagen“ ist wichtig. Es ist die „revolutionärste Tat“. Aber was ist, wenn man nicht laut sprechen kann – oder nur unter größter Gefahr? Die Selbstbehauptungsstrategie und das Überlebensmuster ist dann das Schreiben. Das ist christliche Erfahrung von Beginn an. Auch für Marie Begas und die Bekennende Kirche in Thüringen war das so.

Was erwarten Sie in Sachen Aufarbeitung von DDR-Unrecht im Zusammenhang mit Repressionen gegen Christen von der Thüringer Regierungskoalition?

Professor Christopher Spehr hat in seinem Vortrag beim Tag der Thüringischen Landesgeschichte in Jena sehr eindrucksvoll vorgetragen, dass es für die Aufarbeitung der Diktaturerfahrungen des letzten Jahrhunderts eine wissenschaftliche Aufarbeitung braucht. In ganz Mittel- und Ostdeutschland fehlt ein Institut für kirchliche Zeitgeschichte. Für die individuelle Aufarbeitung hoffe ich, dass wir gemeinsam ein Gesprächsformat finden, in dem über Verletzung, Bedrückung, Verfolgung mit damals Verantwortlichen und Beteiligten heute gesprochen werden kann. Und es braucht die weitere innerparteiliche Diskussion zum Umgang mit der eigenen Geschichte, ebenso wie die innerkirchliche.

Die Thüringer Landesregierung spielt den Ball auch zurück ins Feld der Kirchen. Was hat die EKM in Sachen Vergangenheitsbewältigung zu tun?

Die Kirchenleitung hat bereits vor über einem Jahr einen Beirat für Versöhnung und Aufarbeitung eingesetzt. Er bearbeitet einzelne Bereiche beziehungsweise lädt ein zum näher Hinsehen und zur Aufarbeitung.<nonbreaking-space>

Die Linke will, nach den Worten von Hoff, lauter über die Diskriminierung von Christen unter der SED-Diktatur sprechen. Wie werden Sie auf dieses „lautere“ Gesprächsangebot reagieren?

Dieses Angebot nehmen wir gerne an. Wie hat schon Ferdinand Lassalle gesagt: „Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.“ Das gilt in allen Lebensbereichen, in Politik, Gesellschaft, auch in der Kirche.

Der Abdruck des Interviews folgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitung Glaube und Heimat.

Von: pro

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