Thomas Rachel ist Vorsitzender des EAK. Mit der aktuellen Broschüre übt er deutliche Kritik an der AfD
Thomas Rachel ist Vorsitzender des EAK. Mit der aktuellen Broschüre übt er deutliche Kritik an der AfD
Anette Schultner ist Vorsitzende der Gruppe „Christen in der AfD” (ChrAfD)
Anette Schultner ist Vorsitzende der Gruppe „Christen in der AfD” (ChrAfD)

Evangelischer Arbeitskreis der Union kritisiert AfD als „rückwärtsgewandt“

Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU setzt sich in einer Broschüre kritisch mit Positionen der AfD unter anderem zur Familienpolitik auseinander. Die Partei weist die Kritik zurück.

Die Alternative für Deutschland (AfD) betreibe keine Politik auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes, heißt es in der 36-seitigen Broschüre, die der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU (EAK) herausgegeben hat. Thematisch sortiert werden im Heft Zitate aus dem Wahlprogramm der AfD oder von Spitzenvertretern der Partei abgedruckt und kritisch beleuchtet.

„Die AfD versucht sich nach außen hin immer wieder auch einen christlichen Anstrich zu verpassen“, heißt es im Text. „Sie bedient sich aber faktisch einer sowohl Minderheiten als auch ganze Menschen- und Bevölkerungsgruppen abwertenden, ausgrenzenden und verächtlich machenden Rhetorik, die teilweise sogar die Grenze zum unverhohlen rassistisch Rechtsradikalen überschreitet“. Die AfD schüre Überfremdungsängste und spalte damit die Gesellschaft.

Ein Schwerpunkt des Broschüre ist die Familienpolitik. Familienpolitisch habe die AfD nichts Neues zu bieten – im Gegenteil: „Sie operiert mit rein gesinnungsethischen Parolen und bedient sich zudem eines rückwärtsgewandten Frauenbildes.“ Begründet wird das unter anderem damit, dass die AfD in ihrem Wahlprogramm Frauen kein eigenes Kapitel widme, was Bände über die Klischees spreche, in denen die AfD denke. Kritisiert wird außerdem eine Passage, in der es heißt, das Lebensmodell Alleinerziehender bringe in der Regel Nachteile für alle Beteiligten mit sich. Es sei falsch, so der EAK, Geschiedenen und Patchwork-Familien zu unterstellen, dass Kinder dort defizitär aufwüchsen.

Dass die AfD in ihrem Programm eine „Willkommenskultur für Ungeborene“ fordert, werde der Thematik nicht gerecht: Da die Betroffenen bei der Schwangerschaftskonfliktberatung in einer schwierigen Situation seien, reiche es nicht aus, schlicht zu fordern, dass das vorrangige Ziel dieser Beratung „der Schutz des ungeborenen Lebens ist“, wie dies die AfD mache.

Das der Union ähnliche Bekenntnis der AfD zum Leitbild der Ehe von Mann und Frau, klinge zunächst „vertraut und gut“. „Im Gegensatz zur Union, die als Volkspartei der Mitte und auf der Basis einer klaren und lebendigen christlichen Grundhaltung immer schon auf sich wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse reagiert hat, zeigt die AfD auch hier ihre rückwärtsgewandte Haltung“, formulieren die Autoren.

„Christen in der AfD“: Broschüre ist Wahlkampfmittel

Die Sprecherin der Gruppe „Christen in der AfD“, Anette Schultner, wies die Kritik der Union gegenüber pro zurück. „Ist ein Frauenbild rückwärtsgewandt, nach dem Frauen zum Beispiel ebenso dann echte gesellschaftliche Wertschätzung erfahren sollen, wenn sie sich für einige Jahre oder dauerhaft entscheiden, zu Hause zu bleiben und sich vollzeitlich um ihre Familie zu kümmern?“, fragte sie. „Auch die CDU propagiert offensichtlich längst eine Politik, in deren Frauenbild sich eine Frau ständig neu erfinden muss, um zu genügen und nicht als ‚rückwärtsgewandt‘ zu gelten.“

Die Broschüre des EAK ist für Schultner ein Wahlkampfmittel, mit dem die CDU versuche, „zumindest weniger gut informierte unter den christlich-konservativen Wählern zu verunsichern und an sich zu binden“. Die Unionsparteien hätten aber kein Monopol auf christliche Wähler und würden von vielen nicht mehr als christlich-konservative Parteien wahrgenommen.

Thomas Rachel, Bundesvorsitzender des EAK, sieht dies freilich anders: Die AfD sei populistisch und keine Alternative für Christinnen und Christen, schreibt er im Vorwort der Broschüre. (pro)

Von: mb

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