Ben Carson hat Ambitionen auf das höchste US-Amt
Ben Carson hat Ambitionen auf das höchste US-Amt

Vom OP ins Oval Office?

Benjamin Carson besitzt weltweit Anerkennung als exzellenter Neurochirurg. Jetzt liebäugelt er mit dem US-Präsidentenamt. Warum seine Operation „Oval Office“ heikel werden könnte, erklärt der Journalist und ehemalige Washington-Korrespondent Uwe Siemon-Netto.

Benjamin (genannt „Ben“) Carson entstammt keiner wohlhabenden US-Politikergilde wie der Bush-Familie oder dem Kennedy-Clan. Dennoch, der Mediziner und bekennende Siebenten-Tags-Adventist will bei den US-Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr als Kandidat der Republikanischen Partei antreten. Carson stammt aus Detroit im US-Bundesstaat Michigan. In der einstigen Hochburg der US-Automobilindustrie waren im Jahr 2010 rund 83 Prozente der Einwohner Schwarze. Laut Statistik ist Detroit zudem eine der gefährlichsten Städte der USA. In einem Ghetto der mittlerweile heruntergekommenen Stadt ist Carson aufgewachsen. Uwe Siemon-Netto lebt und arbeitete als Journalist in den USA. Auf Anfrage von pro erklärt der langjährige Washington-Korrespondent: „Carson entstammt einem elenden Milieu. Er hat sich hochgearbeitet, die Ochsentour hinter sich. Der Mann wurde nie mit dem Silberlöffel gefüttert.“

Carson, Jahrgang 51, absolvierte ein Psychologie-Studium an der Universität Yale, danach ab 1977 ein Medizinstudium an der Universität von Michigan. 1984 wurde der Mediziner Chefarzt der Neurochirurgie der Johns-Hopkins-Klinik und damit jüngster Chefarzt in den USA.

Trennung siamesischer Zwillinge macht Carson bekannt

Der junge Arzt wagte sich an schwierige Eingriffe an siamesischen Zwillingen. 1987 trennt er die am Kopf zusammengewachsenen Binder-Zwillinge aus Ulm. Im September 2004 leitet Carson die Trennungsoperation von Lea und Tabea Block aus Lemgo. Durch den Fall ist Carson auch in Deutschland bekannt. Deutsche Medien hatten über Wochen die Familie und die Vorbereitung zur Trennung der Zwillinge verfolgt und begleitet. Nach seiner Karriere als Mediziner war Carson Kolumnist bei der Washington Times. Als letzten Karriereschritt plant Carson nun offenbar, als Nachfolger von Präsident Barack Obama ins Weiße Haus einzuziehen. Dafür soll ein Vorbereitungskomitee für seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner rund 130 Millionen Dollar an Spendengeldern zusammentreiben, um die Wahlkampagne zu finanzieren. Medienberichten zufolge will Carson seine Kandidatur für die Republikanische Partei im Mai bekanntgeben.

Hohe christliche Werte, aber keine politische Erfahrung

„Dr. Carson ist ein glaubwürdiger Christ mit hohen ethischen Werten“, sagt Siemon-Netto. „Das wird Amerika nach acht Obama-Jahren dringend nötig haben“. Dessen Administration sei „unmoralisch und inkompetent” gewesen, insbesondere in außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Siemon-Netto, ein Journalist mit 58 Berufsjahren und promovierter lutherischer Theologe, fügte allerdings hinzu, dass der Chirurg Carson das Regieren erst einmal lernen müsse, zum Beispiel als ein Vizepräsident unter Jeb Bush oder Scott Walker. Erst danach wäre er ein wählbarer Kandidat fürs höchste Staatsamt in den USA. „Bush und Walker haben beide als Gouverneure von Florida beziehungsweise Wisconsin gelernt, wie Staaten gesteuert werden.”

„Carson weiß natürlich, was für die USA gut und nötig wäre. Aber als Chirurg kann er nicht wissen, wie sich das umsetzen lässt. Wie jeder Beruf muss auch der eines Staatschefs gelernt werden”, sagt Siemon-Netto, der jahrzehntelang über Kriege und andere Weltkonflikte berichtet hat. „Wer solche Kenntnisse nicht ins mächtigste Amt auf Erden einbringt, gefährdet nicht nur sein eigenes Land sondern die gesamte westliche Zivilisation, ja die ganze vom islamischen Terror bedrohte Welt.“

Carson hatte international mit einer Rede beim „Nationalen Gebetsfrühstück“ der US-Kongressabgeordneten im Februar 2013 Aufmerksamkeit erregt. „Seine Kritik am politisch-korrekten Zeitgeist steigerte schlagartige seine Beliebtheit bei den Konservativen“, sagt Siemon-Netto. „Carson wird seither unter der Hand als möglicher Präsidentschafts-Anwärter für das Jahr 2016 gehandelt.“ Carson selbst sagte erstmals im vergangenen Jahr, dass er seine Kandidatur erwäge.

Klare Kante

„Er ist ein Mann klarer Worte“, sagt Siemon-Netto. „Bei US-Präsidentschaftswahlkämpfen spielen die Ansichten der Kandidaten zur Abtreibung, zur Homosexualität und zur Familie immer eine wichtige Rolle, und da hat sich Carson bereits deutlich auf Seiten des konservativen Flügels der Republikaner positioniert.“Schon 2013 betonte er in einem Interview mit dem Fernsehkonzern Fox: „Eine Ehe ist zwischen einem Mann und einer Frau. Dies ist ein etablierter Grundpfeiler unser Gesellschaft. Diese Definition kann keine Gruppe ändern, gleich ob das nun Schwule sind oder Mitglieder der NAMBLA (Organisation, die die Beziehungen zwischen Männern und minderjährigen Jungen legalisieren will, d. Red.) oder Leute, die Sex mit Tieren betreiben.“ Letzte Woche löste er mit einer Aussage zur Homosexualität im US-Nachrichtensender CNN einen Sturm der Empörung aus. Er bestand darauf, dass Homosexualität eine freie Entscheidung, also keine irreversible Anlage, sei.

„Carson kennt in den USA jeder. Er wurde mit höchsten Auszeichnungen geehrt“, sagt Siemon-Netto. So erhielt Carson 2008 die„Presidential Medal of Freedom“, einen der beiden höchsten zivilen Orden der USA. Der Journalist prognostiziert: „Carsons wichtigste Funktion im nächsten US-Wahlkampf wird es vermutlich sein, eine spannende Diskussion um christliche Werte loszutreten. Deswegen ist er heute schon eine historische Figur, ganz gleich, wer letztlich republikanischer Kandidat werden wird.“

Carsons Leben wurde auf der Grundlage seiner Autobiografie „Begnadete Hände“ 2009 mit dem Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr. in der Hauptrolle unter gleichem Namen verfilmt. (pro)

Von: nob

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