Jüsten: "Christen im Irak zwischen den Fronten"

Der Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz am Sitz von Regierung und Parlament in Berlin, Prälat Karl Jüsten, hat die Ablehnung einer Aufnahme von irakischen Christen kritisiert, die in ihrem Land verfolgt werden. "Christen sind zwischen die Fronten von Schiiten und Sunniten geraten", so Jüsten.

Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sprach sich Jüsten für eine Aufnahme von Christen aus, die im Irak verfolgt werden. Der Prälat ist Leiter des "Kommissariats der deutschen Bischöfe" und damit Repräsentant der Deutschen Bischofskonferenz gegenüber Regierung und Parlament.

Die irakische Regierung sei nicht in der Lage gewesen, die Christen zu schützen, so Jüsten. Dabei sei die Haltung von Muslimen gegenüber den Christen "unberechenbar", wie dies der Repräsentant der irakischen Christen in Deutschland, Pfarrer Peter Patto, ausgedrückt habe. "Die Zahl der Entführungen scheint kaum rückläufig zu sein, aber auch im Norden kann ein Christ kaum seines Lebens sicher sein", sagte Jüsten. "Ende Februar wurde der Bischof von Mossul entführt und später – wie zuvor seine drei Begleiter – ermordet."

Auf Unverständnis stößt bei Jüsten daher die Ablehnung einer Aufnahme von irakischen Christen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte im April angekündigt, insbesondere verfolgte Christen aus dem Irak in Deutschland aufzunehmen. Der Plan jedoch stieß sowohl unter einigen Innen- und Justizministern der Europäischen Union (EU) als auch bei Innenministern der Länder auf Ablehnung.

Kritik an Vorbehalte gegen Flüchtlings-Aufnahme

Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte etwa gegenüber "Welt Online": "Es besteht die Gefahr, dass fanatisierte Glaubenskrieger nach Europa geschleust werden und sie dann als Terroristen auf Abruf bei uns leben." Dieser Ansicht widerspricht Jüsten. "Wenn es diese Gefahr gäbe, würden Länder wie die Vereinigten Staaten, Australien und Schweden wohl kaum irakische Flüchtlinge in großer Zahl aufnehmen. Allerdings scheinen sich gewisse Kreise in der Christlich-Demokratischen Union noch immer mit dem Thema Verantwortung für Flüchtlinge schwerzutun", meint Jüsten. Mit dem Widerstand gegen die Pläne von Schäuble "vor allem in Niedersachsen und Hessen" habe er nicht gerechnet.

"Verstoßen und vergessen - Das bittere Schicksal irakischer Christen"

Die Sendung "Report München" befasst sich am Montagabend (04.08., 21:45 Uhr im Ersten) in einem Beitrag mit der Lage der Christen im Irak. "Laut Schätzungen ist rund die Hälfte der ehemals rund 700.000 irakischen Christen aus ihrer Heimat geflohen. Der Terror gegen die christliche Minderheit im Irak nimmt weiter zu: Kirchen werden zerstört, Priester ermordet, Frauen vergewaltigt", heißt es in der Ankündigung des Beitrags. "Die meisten dieser verzweifelten Menschen kämpfen in arabischen Staaten wie Syrien oder Jordanien, aber auch der Türkei unter furchtbarsten Umständen ums tägliche Überleben." In dem Beitrag dokumentiert die  syrisch-orthodoxe Klosterschwester Hatune Dogan aus dem Kloster St. Jakob von Sarug aus dem westfälischen Warburg "Schicksale von traumatisierten Menschen (…), die kaum mehr als das nackte Leben gerettet haben und auf Hilfe warten".

EAK-Vorsitzender: "Deutschland muss ich für Christen einsetzen"

Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der Union (EAK) und parlamentarische Staatssekretär, Thomas Rachel, forderte gegenüber "Report München" einen deutschen Alleingang in der Asylfrage für verfolgte Christen und andere irakische Minderheiten. "Deutschland soll vorangehen", sagte Rachel. "Ich glaube es ist wichtig, und das wollen wir auch als Evangelischer Arbeitskreis der CDU/CSU deutlich machen, dass hier religiösen Minderheiten, vor allem Christen, die Vernichtung droht."

Die Bilder und die Nachrichten über die verfolgten Menschen im Irak seien schockierend. "Man kann es gar nicht glauben, dass das im 21. Jahrhundert möglich ist." Deutschland, Europa und die Welt seien gefordert, so Rachel, "das nackte Überleben" dieser Menschen zu gewährleisten.

Von: AD

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus