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„Planet Wissen“ fragt nach Jesus

Hat Jesus wirklich gelebt? Diese Frage stellte sich „Planet Wissen“ am vergangenen Freitag im WDR. Ein Münsteraner Theologe fand deutliche Worte.
Von PRO

Foto: SWR/Brigitte Karwath

Für viele Menschen ist es eine reine Glaubensfrage, ob Jesus von den Toten auferstanden ist. Manche zweifeln sogar an, dass er überhaupt gelebt hat und gestorben ist. Dabei ist Jesus die zentrale Figur des christlichen Glaubens, der sich etwa zwei Milliarden Menschen zugehörig fühlen. Eine Sendung der Reihe „Planet Wissen“ im WDR widmete sich jetzt diesem Thema. Als Experte war Thomas Söding eingeladen, katholischer Neutestamentler an der Universität Bochum. Gleich zu Anfang stellte Moderator Dennis Wilms die große Frage: „Hat Jesus gelebt?“ Für Söding ist die Antwort klar: „Ja! Er hat gelebt. Er ist geboren. Er ist gestorben, er ist sogar von den Toten auferstanden, sagt das Neue Testament. Das ist Glaube – aber der Rest ist Wissen.“

Kaum ein historisches Ereignis sei besser durch Quellen belegt als das Leben Jesu. Dazu fänden sich neben den biblischen Quellen des Neuen Testaments auch viele außerbiblische: „Wir haben ein breites Panorama an Zeugnissen über diesen Jesus.“ Bei einigen Erzählungen aus dem Leben Jesu seien sich Wissenschaftler uneins darüber, inwiefern es sich um historische Ereignisse oder vielmehr um theologische Hinzufügungen handle. Dazu gehöre der Geburtsort Bethlehem, erklärt Söding. Dahinter würden viele Gelehrte ein Fragezeichen setzen, weil Jesus ja nach alttestamentlicher Überlieferung dort geboren sein müsse. Deshalb sähen viele Theologen diesen Geburtsort als nachträgliche Interpretation, um Jesus als den Messias darzustellen. Söding selbst allerdings glaube, dass Jesus in Bethlehem geboren sei.

Trotzdem seien viele Stellen in den Evangelien keine historische Wahrheit, sondern theologische Anfügungen. Dazu zählte Söding zum Beispiel die Geschichte des 12-jährigen Jesus im Tempel: „Ich halte das für eine – positiv formuliert – sehr grenzwertige Geschichte“, sagte der Theologe. Zu der Frage nach den Wundern erklärte Söding: „Jesus war ein Mensch mit heilenden Händen. Es hat Streit darüber gegeben, wie die Wunder Jesu zu verstehen sind, aber dass er über solche Fähigkeiten verfügte, das hat keiner seiner Zeitgenossen in Frage gestellt.“

Die zweite Moderatorin Birgit Klaus wollte von Söding wissen, ob Jesus auch eine Freundin gehabt habe – „in unserem Sinne“, womit sie eine sexuelle Beziehung meinte. Der Experte verneinte das. „Von einer sexuellen Aktivität Jesu ist im Neuen Testament keine Rede, sondern es ist davon die Rede, dass er, um das Fachwort zu gebrauchen, ‘zölibatär’ gelebt hat, um des Himmelsreiches willen ehelos. Aber: Das hat ihn nicht zu einem Frauenfeind werden lassen.“ Ihm seien zum Beispiel die Füße von einer Frau mit ihren Tränen gewaschen worden.

Die Jünger seien schockiert gewesen von Jesu Tod, Petrus habe Jesus drei Mal verleugnet, einer der Zwölf habe Jesus verraten. „Das sagt das Neue Testament – allerdings auch, dass dann nach Ostern alles wieder von Neuem begonnen hat.“ Das hätten die Jünger zunächst auch nicht glauben können. „Das steht in verschiedenen Evangelien, dass die Frauen das Grab leer gefunden haben. Die Apostel hielten alles für dummes Geschwätz. Die brauchten einige Zeit, um auf den Trichter zu kommen und dann wirklich glauben zu können, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.“

Ob die Auferstehung wirklich stattgefunden hätte, wollten die beiden Moderatoren wissen. Söding beantwortete diese Frage nicht eindeutig: „Es gibt ein historisches Faktum, nämlich dass an die Auferstehung geglaubt wurde. Gäbe es diesen Glauben nicht, wäre das ganze NT nicht geschrieben worden.“ Auch die Zuverlässigkeit der Evangelien hinsichtlich ihrer theologischen Ausrichtung wurde in der Sendung thematisiert. Wie sicher sei es zum Beispiel, dass die Jesus wirklicht so gepredigt habe und es sich bei den Evangelien nicht etwa um Projektionen handle? Söding erklärte, er sehe die Evangelien wie „Spiegel“. „Direkt ins Angesicht Jesu können wir nicht mehr schauen, aber wir können in diese Spiegel schauen. Immer einen bisschen anders, immer ein bisschen verstellt. Immer im Ausschnitt, von einer anderen Seite. Aber es sind immerhin vier. Und das ist nicht wenig. Sodass ich also wenigstens diese Spiegelbilder kennen kann und das zeigt mir, wer Jesus ist.“

Die Sendung wird am 28.3.2013 im WDR (8:20 Uhr), auf BR-alpha (21:45 Uhr) und auf EinsPlus (16:00 Uhr) wiederholt.  (pro)

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