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Pilgern als Ablass

Das Mittelalter war finster, brutal und frauenfeindlich. Das jedenfalls ist das gängige Bild, das Filme wie die „Wanderhure“ auf Sat.1 immer wieder vermitteln. Die Autorin dieses Werkes hat ein weiteres Mittelalterbuch verfasst, und das ZDF hat es jüngst verfilmt. Der Zweiteiler „Die Pilgerin“ entführt den Zuschauer in eine Welt, in der Frauen offenbar nichts zu sagen hatten und Glaube dasselbe wie Büßen war. Eine Rezension von Jörn Schumacher
Von Jörn Schumacher
Die Pilgergruppe unterwegs nach Santiago de Compostela - im neuen ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin"

Foto: David Slama/ZDF

Die Pilgergruppe unterwegs nach Santiago de Compostela – im neuen ZDF-Zweiteiler “Die Pilgerin”

„Die Wanderhure“ mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle lockte vor drei Jahren über 10 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Die Autorin des zugrundeliegenden Romans ist Iny Lorentz alias Iny Klocke. Wie im damaligen Werk geht es in „Die Pilgerin“ um eine junge Frau, die sich durch‘s Mittelalter schlägt. Frauen, das scheint das Grundprinzip bei Iny Lorentz zu sein, hatten damals kaum Rechte und wurden eher wie Waren behandelt denn als Menschen. Auf die Historizität legen die Romane sowie die daraus entstandenen Spielfilme weniger Wert, als auf Sex und Crime vor der für dieses Genre nun mal üblichen nasskalten, schmutzigen Kulisse.
Das Mittelalter ist im Klischee unweigerlich eng verknüpft mit dem christlichen Glauben. In „Die Pilgerin“, einem zweiteiligen Abenteuerfilm, den das ZDF am 5. und 6. Januar 2014 zeigt, geht es zudem um eine Pilgerreise. Die junge Frau Tilla macht sich nach Santiago de Compostela auf. Sie muss das Herz ihres verstorbenen Vaters dorthin bringen, denn dieser wähnte sich in tiefer Schuld, weil er für den Tod einer Frau verantwortlich war. Nur wenn sein Herz in dem bekannten Pilgerort beerdigt wird, würde er nicht in der Hölle schmoren, war er überzeugt.
Tillas Vater legte Wert darauf, das Kaufmannsgeschäft ehrlich zu betreiben und die Menschen nicht zu betrügen, wie etwa der größte Konkurrent der Stadt, Gürtler. Tillas Bruder jedoch würde gerne mit jenem Gürtler gemeinsame Sache machen, doch der Vater erlaubt es nicht. Daraufhin ermordet Tillas Bruder den Vater. Kein Wunder, dass er anschließend keine Lust hat, wie vom Vater erbeten auf Pilgerschaft zu gehen. Deswegen übernimmt Tilla diese Aufgabe. Doch allein als Frau diese lange Reise zu tun, ist gefährlich, deswegen verkleidet sie sich als Mann. Sie nennt sich fortan Moritz und muss sich davor hüten, als Frau erkannt zu werden.

Glaubwürdig inszeniert

Die meisten Rollen sind mit guten Schauspielern besetzt, Josefine Preuß als Tilla, Dietmar Bär als Bösewicht und Stipe Erceg als einarmigem Ritter schaut man gerne bei der Arbeit zu. Regie führte Philipp Kadelbach, die Kamera David Slama. Beide haben schon für den Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ mit demselben Team für Szenenbild, Kostüm und Maske zusammengearbeitet. Das Drama, in dem es um das Leben während des Russlandfeldzugs zwischen 1941 und 1945 geht, lief ebenfalls im ZDF.
Der aufwendig und glaubwürdig inszenierten „Pilgerin“ gelingt es, den Zuschauer ins 14. Jahrhundert zu entführen und ein Leben vor Augen zu führen, das von Angst, Härte und dem Glauben geprägt war, dass der Glaube an Gott vor allem Buße bedeutet. „Wer bußfertig ist, den bringt Gott auch ans Ziel“, sagen die Pilger, und schleppen dabei ein schweres Holzkreuz über viele hundert Kilometer durch Wälder und Sümpfe. Damit der Schmerz noch etwas größer und die Buße noch wirkungsvoller wird, bindet sich so mancher einen Gürtel mit Dornen ums Bein. Wie gut, dass die Zeit vorbei ist, und niemand mehr knöcheltief im Morast waten muss, wenn er ein Huhn kaufen will, und wie gut, dass spätestens seit der Reformation niemand mehr Ablass leisten muss, um zu Gott zu gelangen.„Die Pilgerin“, nach dem gleichnamigen Roman von Iny Lorentz,
Sonntag, 5. Januar, und am Montag, 6. Januar 2014, jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF

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