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PID: Büchse der Pandora?

Wann ist ein Leben ein Leben? Und darf eine befruchtete Eizelle ausgesiebt werden, weil aus ihr ein krankes Kind entstehen könnte? Diese Frage rüttelt am deutschen Gewissen. Seit der Berliner Arzt Matthias Bloechle im Juli vor dem Bundesgerichtshof das Recht auf Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) erfochten hat, führt die deutsche Öffentlichkeit die wohl emotionalste Debatte seit Sarrazin.

Von PRO

Foto: World Bank

Selbst in der als konservativ geltenden CDU ging die Entscheidung für oder wider die gesetzliche Erlaubnis zur PID denkbar knapp aus. Nur 17 Stimmen Vorsprung entschieden darüber, dass sich die Partei um Angela Merkel künftig gegen die umstrittene und faktisch legale Praxis der Aussortierung im Reagenzglas befruchteter Eizellen stellen wird. Nach dieser soll in Ausnahmefällen Erbgut, das zu schweren Krankheiten führen kann, vor der Einpflanzung in die Gebärmutter vernichtet werden. Die FDP plädiert bisher für eine Zulassung der PID in engen Grenzen und auch der Parlamentssprecher der SPD, Thomas Oppermann, hält laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) eine Zulassung unter strengen Reglements für notwendig.

"Alternative zur PID ist Schwangerschaftsabbruch"

Für viele ist mit der faktischen Legalisierung der PID eine Art Büchse der Pandora geöffnet worden. So zitierte etwa das Magazin "Stern" den Historiker Philipp Sarasin mit den Worten: "Es wird gerade medizinisch machbar, wovon die Gründer der Rassenhygiene träumten." Im Polit-Magazin "Cicero" kam nun auch der Arzt Bloechle zu Wort, mit dessen Gerichtsverfahren die PID faktisch legal wurde. Er ist selbst Vater von fünf Kindern. "Es entscheidet die Mutter selbst, was sie ihrem Kind zumuten will und was nicht, und was sie sich selbst zumutet. So wie es auch in ihrem Entscheidungsbereich liegt, mit welcher Anzahl von Kindern sie leben kann oder zu welchem Zeitpunkt sie schwanger wird. Das berührt für mich den Freiheitsbegriff unserer Gesellschaft, inwieweit das Individuum eine eigene Entscheidung über sein eigenes Leben treffen kann. Außerdem ist die Alternative zur PID für viele Frauen der Schwangerschaftsabbruch, mit oft auch körperlichen und massiven seelische Schäden", argumentierte er im Interview.

Es sei absurd, dass jede Frau jede Schwangerschaft sofort abbrechen dürfe, man ihr aber bei der PID, wo es um einige hundert Fälle im Jahr gehe, Vorschriften machen wolle. Der Frau zu sagen, der Embryo, der noch nicht in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet ist, sei absolut geschützt, wenn er aber in der Gebärmutter ist, könne sie ihn abtreiben, sei widersinnig. Im Hinblick auf den Widerspruch der katholischen Kirche zur PID sagte der Gynäkologe: "Nur leben wir nicht in einem Staat, der so eine Art katholische Scharia zum Fundament hat, sondern in einem aufgeklärten, säkularen Staat." Der "Stern" zitierte Bloechle mit den Worten: "Keiner käme auf die Idee, das Brotmesser zu verbieten, weil man damit jemanden töten kann."

"Leidende zu beseitigen ist keine Lösung"

"Die Leidenden zu beseitigen um das Leiden abzuschaffen, das kann unmöglich die Lösung sein", argumentierte hingegen der Philosoph und Theologe Robert Spaemann in "Cicero" und rügte die FDP: "Aus ihren Reihen hieß es kürzlich, die PID sei doch wichtig und etwas Gutes, denn man könne damit Krankheiten eliminieren. Das ist ein katastrophaler Sprachgebrauch und eine Lüge, denn es sollen ja eben im Ernstfall nicht die Krankheiten, sondern die kranken, ungeborenen Kinder selbst eliminiert werden." Ob ein Mensch, der einmal in die Existenz getreten ist, am Leben bleiben dürfe, könne keine Frage der Entscheidung der Frau sein. Zudem seien gerade kranke Kinder oft eine Bereicherung für Familien, weil durch sie eine neue Solidarität entstehe.

Während die Deutsche Bischofskonferenz sich klar gegen PID ausspricht, forderte Nikolaus Schneider, frischgewählter EKD-Ratsvorsitzender jüngst ein neues Nachdenken über die Ablehnung der Methode: Zwar habe sich die Evangelische Kirche in Deutschland 2003 gegen die Zulassung der PID ausgesprochen, weil ein Embryo dadurch in seinen Entwicklungschancen nicht geachtet, sondern verbraucht werde, dennoch sei er selbst "hin- und hergerissen, weil ich einerseits die Gefahren sehe, andererseits aber auch das Leid von Eltern mit schweren Erbkrankheiten", zitiert die dpa Schneider.

DEA: "Ohne wenn und aber gegen PID"

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, stellt sich "ohne wenn und aber" gegen die PID. "Für mich bleibt es rätselhaft, warum es in Deutschland eine Diskussion geben kann über die Frage der Zulassung der Präimplantationsdiagnostik. Sie dient ausschließlich dem Ziel, möglicherweise nicht gewünschte Kinder nicht geboren werden zu lassen. Da aber menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, gilt jedem dieser Kinder die volle Menschenwürde", teilt er mit und verweist auf die grundgesetzlich garantierte Achtung der Menschenwürde. Mit ihm engagieren sich zahlreiche Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Politik in der Initiative "Stoppt PID…weil jedes Leben zählt". So fordert etwa die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner: "Auf den Lebensschutz kann es keinen Rabatt geben!" Prinzessin Elisabeth von Thurn und Taxis erklärt auf der Internetseite der Initiative, die PID pervertiere den ärztlichen Heilungs- oder Hilfe-Auftrag und weiter: "Das Recht auf ein gesundes Kind gibt es nicht." (pro)

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