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Physiker Stephen Hawking will Gott abschaffen

Ein Mann schreibt ein Buch, und medienwirksam sorgt er wenige Tage vor der Veröffentlichung mit provokanten Thesen für Aufsehen. Ein Vorabdruck in einer großen Zeitschrift lässt die Neugier in der Bevölkerung hochköcheln. Die Rede ist hier nicht von Thesen über Migranten, sondern von der Aussage: "Gott ist tot". Der bekannteste Astrophysiker der Welt, Stephen Hawking, provoziert mit seiner fachfremden These auch deutsche Medien zu Stellungnahmen.
Von PRO

Foto: ²°¹°° / Wikipedia

Am Donnerstag erscheint das Buch "The Grand Design" von den Astrophysikern Stephen Hawking und Leonard Mlodinow. Auf Deutsch bringt Reclam die 192 Seiten unter dem Titel "Der große Entwurf – Eine neue Erklärung des Universums" heraus. Für Aufsehen und zahlreiche Schlagzeilen weltweit sorgte Hawkings These schon vorab, dass das Universum ohne einen Gott, von selbst, entstanden sei. Atheisten klatschen Beifall, Theologen und kritische Physiker melden Skepsis an oder protestieren.

Auf die bohrende Kinderfrage "Warum ist dies oder das…?" kann man normalerweise immer einen Grund nennen. Doch für diesen Grund muss es wiederum einen vorgeschalteten Grund geben. Irgendwann landet man bei der Frage: Warum gibt es überhaupt etwas? Ist alles von selbst aus dem Nichts entstanden, oder gab es jemanden, der das Universum erschaffen hat? Für die meisten Naturwissenschaftler stand bisher fest: Über die Ursache allen Seins kann man keine naturwissenschaftliche Aussage machen, es ist der Bereich der Religion. Isaac Newton (1643-1727) vertrat die Ansicht, dass sich das Universum nicht von selbst aus dem Chaos gebildet haben könnte.

"Times" erklärt Suche nach Gott für beendet

Nun hat der Physiker Stephen Hawking, der in der populären Literatur oft als der intelligenteste Mensch der Erde bezeichnet wird, im Zuge der Werbung für sein neues Buch bekannt gegeben: Spontane Entstehungsprozesse seien der Grund dafür, dass es mehr als ein Nichts gibt. Gott sei dafür "nicht notwendig". Die Londoner "Times" erklärte am Donnerstag vergangener Woche die Suche nach Gott für beendet und druckte einen Auszug aus Hawkins Buch ab. Zwei Wochen vor dem Besuch des Papstes in Großbritannien.

Der 68-jährige britische Physiker Hawking ist wegen des Nervenleidens ALS gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Bekannt wurde er unter anderem durch den Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" aus dem Jahre 1988. Darin hielt er Gott noch für vereinbar mit dem wissenschaftlichen Verständnis vom Ursprung des Universums. Er sprach auf einer von Jesuiten im Vatikan ausgerichteten Konferenz und hoffte, eine "Ultimative Theorie" könne dereinst auch auf einen Gott hinweisen.

Nun die radikale Wende: Ein Schöpfergott ist überflüssig. "Weil es ein Gesetz der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen", schreibt der Physiker. Falls es einen Gott gebe, habe er bei der Entstehung des Universums allerhöchstens zugesehen.

Der Wissenschaftsjournalist Günter Paul, der sich bemüht, die komplizierten Zusammenhänge der ersten Sekunden des Universums und Hawkings Argumente in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu erklären, schreibt: "Hawking gibt zu, dass er Fragen zu beantworten versucht hat, die traditionell für die Philosophie seien." Doch die Philosophie sei tot, so Hawking, und habe mit den neueren Entwicklungen in der Naturwissenschaft nicht Schritt gehalten. Jetzt seien es die Naturwissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbrächten.

Beifall von prominenter Seite erhielt der Physiker sofort vom bekannten Atheisten und Biologen Richard Dakwins. Der Brite, der ohnehin der Meinung ist, dass der Glaube an Gott einem "Wahn" gleichkommt, freute sich, dass nicht nur der Darwinismus Gott "aus der Biologie gekickt", sondern nun auch die Physik mit dem Gedanken an einen Schöpfergott aufgeräumt habe. Hawking sei dieser "Paukenschlag" gelungen, und er habe Gott "den Gnadenstoß" gegeben.

Der Unterschied zwischen Naturwissenschaft und Religion

Das Oberhaupt der Anglikanischen Kirche von England, der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, antwortete in der "Times" auf die philosophischen Ausflüge des bekannten Physikers, beim Glauben an Gott gehe es nicht darum, Wissenslücken über Zusammenhänge im Universum zu stopfen. "Es ist der Glaube an eine intelligente, lebendige Kraft, von deren Aktivität letztlich jede Existenz abhängt." Physik allein reiche zur Erklärung nicht aus. Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks merkte in derselben Zeitung an: "Wissenschaft nimmt die Dinge auseinander, um zu sehen, wie sie funktionieren. Religion setzt sie zusammen, um zu verstehen, was sie bedeuten." Wissenschaft, die sich als Religion aufspiele, sei ebenso unsinnig wie Religion, die sich als Wissenschaft gebe. Ein Imam und Vertreter des britischen Rats der Muslime meinte, gerade der Blick auf das Universum und die wunderbare Schöpfung mache die Existenz Gottes deutlich. Auch der Direktor des Instituts für Wissenschaft und Religion in Cambridge, erklärte laut der "Neuen Zürcher Zeitung": "Wissenschaft schildert uns wunderbar, wie die Schöpfung abgelaufen sein kann. Theologie hingegen behandelt den Sinn dieser Schilderung."

Der Hamburger Astrophysiker Hans-Jürgen Hagen zeigte sich im "Hamburger Abendblatt" ebenfalls skeptisch gegenüber der Aussage Hawkings, das Universum sei ohne Gott entstanden: "Ich denke, dass wir als Naturwissenschaftler Gesetze finden und beschreiben können. Mehr aber auch nicht." Hagen vergleicht die Suche nach dem Ursprung mit einem Buch, "das wir versuchen zu verstehen, aber von dem wir nicht wissen, wer es geschrieben hat." Wenn jemand den Ursprung mit physikalischen Gesetzen erklären wolle, sagt Hagen, dann stelle sich doch die Frage: "Woher kommen diese Gesetze?"

Die Zeitung berichtete außerdem von der geschiedenen Ehefrau Hawkings, die sagte, ihr Ex-Mann folge einer ganz irdischen Logik, wenn er eine Woche vor der Veröffentlichung seines Buches eine solch steile These über die Existenz Gottes aufführe: "Es hilft, Bücher zu verkaufen."

Auch die Tageszeitung "Die Welt" spekuliert: "Die beste Werbung für ein neues Buch sind provokative, polarisierende Zitate, die man ungefähr eine Woche vor Erscheinen des Werkes lanciert. Diese sollten bei möglichst vielen Zeitgenossen große Emotionen hervorrufen, dabei ruhig auch bestimmte Gruppen der Bevölkerung verletzen und zugleich von anderen inbrünstige Zustimmung erheischen", und erinnert damit geradezu an die aktuellen Diskussionen des Bundesbankvorstandes Thilo Sarrazin, dessen Buchveröffentlichung Parallelen zeigt. "Welt"-Autor Norbert Lossau fährt über Hakwing fort: "Heute gilt es unter Naturwissenschaftlern und Theologen als ausgemacht, dass sich die Existenz Gottes mit den Methoden der Wissenschaft weder beweisen noch widerlegen lässt. Dies bleibt eine Frage des Glaubens." Fest stehe: "Viele werden jetzt den inneren Drang spüren, die Argumente des Autors im Original lesen zu wollen." (pro)

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