US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat die Einrichtung eines „Office of Religious Affairs“ („Amt für religiöse Angelegenheiten“) angekündigt. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP). Hegseth kündigte demnach am Mittwoch an, das neue Amt solle „erstklassige religiöse Unterstützung“ für Militärbedienstete anbieten.
„Unsere Abteilung zieht, könnte man sagen, die vollständige Waffenrüstung Gottes an, denn während wir körperliche Kriege führen, wissen wir alle, dass der eigentliche Kampf geistlicher Natur ist“, zitiert AP den Minister. Das neue Amt wird dem Verteidigungsministerium zugeordnet sein und soll sich unter anderem um Militärseelsorger und religiöse Begleitung der Streitkräfte kümmern. Hegseth betonte, das neue Amt werde ihm direkt unterstellt sein.
In der Erklärung von Hegseth heißt es weiter, das Amt werde die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen nicht erzwingen und auch keinen speziellen Glauben bevorzugen. Trotzdem gibt es Kritik. „Das Pentagon ist es den Angehörigen der Streitkräfte schuldig, die Religionsfreiheit zu verteidigen“, sagte etwa Rachel Laser, Leiterin von „Americans United for Separation of Church and State“. Die Organisation setzt sich für die Trennung von Staat und Kirche in den USA ein. Laser fürchtet, mit dem neuen Amt werde dem Christentum eine noch größere Rolle bei der Militärpolitik zugestanden.
Auch Ann Ritonia kritisiert das neue Amt. Die amerikanische Bischöfin ist derzeit für die Streitkräfte und die Bundesministerien zuständig. Es gebe zwar auch gute Ansätze, etwa die Möglichkeit, unterfinanzierte Seelsorgeprogramme zu unterstützen. In ihren Augen verstoße das neue Amt aber gegen die Befehlskette, sagte sie nach Angaben des Nachrichtenportals „Religious News Service“. Sie erklärte: „So wie ich das lese, haben Militärseelsorger direkten Zugang zum Amt für religiöse Angelegenheiten, anstatt über ihre Befehlskette zu gehen.“ Das könnte „die gute Ordnung und Disziplin untergraben“. Besonders, wenn eine bestimmte Gruppe den Direktor des neuen Amtes für sich gewinnen könne.
Direktor noch nicht benannt
Einige der Militärseelsorger selbst seien außerdem skeptisch, weil das Amt direkt unter Hegseth eingerichtet werde, sagte die Bischöfin. Denn der Verteidigungsminister sei bekannt für seine „christozentrische Rhetorik“ und Vorstöße, das „fundamentalistische Christentum“ im Militär etablieren wollten. Die Bischöfin fürchtet den Schutz für die freie Religionsausübung der Militärangehörigen.
Ein Leiter für das neue Religionsbüro sei noch nicht benannt, berichtet AP. Die Aufgaben des zukünftigen „Direktors für religiöse Angelegenheiten“ im Verteidigungsministerium seien aber schon klar umrissen. So soll der Direktor unter anderem „Unterstützung für glaubensbasierte Heimunterrichtsangebote für Militärfamilien“ koordinieren. Hegseth habe zudem darauf gedrängt, in das militärische Ausbildungssystem mehr Unterrichtsinhalte aufzunehmen, die von konservativen und christlichen Einflüssen geprägt sind.
Ein weiteres Ziel sei die Etablierung „glaubensbasierter Initiativen zur Verringerung von Suiziden im gesamten Ministerium“, berichtet AP. In den vergangenen Jahren hätten sich Militärseelsorger verstärkt um Soldaten gekümmert, die unter psychischen Belastungen litten. Hegseth habe dazu erklärt, dass sich Militärseelsorger stärker auf Gott und weniger auf therapeutische Ansätze wie „Selbsthilfe und Selbstfürsorge“ konzentrieren sollten. Hegseth habe zudem angeordnet, dass Militärseelsorger zukünftig statt ihres Dienstgrades religiöse Abzeichen auf der Uniform tragen sollten.
Das Verteidigungsministerium habe zudem die Zahl der religiösen Zugehörigkeiten, die es offiziell anerkennt, heruntergeschraubt: von zuvor mehr als 200 anerkannten Zugehörigkeiten auf 31. Unter anderem Unitarier und Universalisten, Atheisten und Wicca-Anhänger gelten nun nicht mehr als religiöse Gruppen.