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PC-Spiel: Als Mauerschütze an der Deutsch-Deutschen Grenze

Seit Freitag steht das umstrittene Online-Spiel "1378 km" zum Runterladen bereit: Die Spieler können darin als DDR-Grenzsoldaten auf Mauerflüchtlinge entlang der 1378 Kilometer langen innerdeutschen Grenze schießen. Opferverbände kritisieren dies als "gewaltverherrlichend".
Von PRO

Foto: Screenshot: YouTube

Das Spiel ist ein Projekt von Jens Stober, der an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert. Er betont, dass es es in "1378 km" darum ginge, Gewalt zu vermeiden: "Wer schießt, verliert" erklärte Stober bei der Präsentation des Spiels am Freitag. Spieler könnten entweder in die Rolle eines DDR-Flüchtlings oder eines Grenzsoldaten im Jahre 1976 schlüpfen. Als Soldat müsse man die Flucht verhindern, durch Festnahmen, aber auch durch Schüsse. Im Falle eines tödlichen Schusses erhält der Spieler  einen DDR-Verdienstorden, wird aber anschließend ins Jahr 2000 versetzt und muss sich dort einem Mauerschützenprozess stellen – Spiel verloren. In der Rolle des Flüchtlings muss der Spieler die Wachen austricksen und die Hindernisse des Todesstreifens wie Mauern und Zäune überwinden.

Laut dem Nachrichtenportal ka-news.de geht es Stober mit seinem Spiel nicht darum, zu unterhalten, sondern "besonders einer jungen Generation interaktiven Zugang zur jüngsten deutschen Geschichte zu ermöglichen". Allerdings ist "1378 km" erst ab 18 Jahren zugänglich – der angebliche pädagogische Effekt dürfte also an der Zielgruppe vorbeigehen. Die Karlsruher Hochschule für Gestaltung stellte sich in einem Statement ihres Pressesprechers Klaus Heid hinter Stober: "Wir sagen ihm jegliche Unterstützung zu". Gleichzeitige bedaure man aber, "dass sich Menschen durch das Spiel verletzt fühlen". Dies sei keineswegs beabsichtigt gewesen, schreibt auch Stober in einem Statement auf seiner Homepage.

"Makaber und Rücksichtslos"

Die Veröffentlichung des Spiels war eigentlich für den 3. Oktober 2010 vorgesehen, wurde nach der heftigen Kritik von Politikern und Opfern des DDR-Regimes aber verschoben. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einem ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin, bezeichnete das Spiel als "gewaltverherrlichend" und bat darum, aus Rücksicht auf die Opfer von einer Veröffentlichung abzusehen. Rainer Wagner, Vorsitzender der "Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)" verurteilte das Projekt ebenfalls scharf. Gegenüber dem Internetportal "netzwelt.de" sagte er, das Spiel bediene "niedrigste menschliche Instinkte". Der medienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Wolfgang Börnsen, bezeichnete "1378 km" in einer Pressemeldung als "makabere und rücksichtslose Spielidee", die einer "Brutalisierung Heranwachsender" Vorschub leiste. Auch Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linke, findet das Spiel "dumm und geschmacklos".

Jens Stober zeigt sich von der Debatte unbeeindruckt – die Kritiker hätten sich ihr Urteil gebildet, ohne das Spiel selbst auszuprobieren. Die äußerst kritische Berichterstattung der "Bild"-Zeitung bezeichnete er auf seiner Homepage als "widerlich". Auch die Onlinespieler lassen sich von der Kontroverse nicht abschrecken: Seit das Gratis-Spiel zum Download bereitsteht, ist der Server zeitweise überlastet. (pro)

http://www.1378km.de/
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