Das christliche Medienmagazin

Pater: Westliche Feindseligkeit schadet Christen in der Türkei

Die Wahlen am Sonntag in der Türkei werden als „richtungsweisend“ betrachtet. Ein in der Türkei aktiver Geistlicher erklärt, dass offen gezeigte Verachtung durch den Westen zu einer Abschottung des Landes führt. Dies sei auch für die Christen in der Türkei kontraproduktiv.
Von PRO
Der Pater Franz Kangler ist seit 1977 in der Türkei aktiv

Foto: Österreichische St. Georgs-Gemeinde

Der Pater Franz Kangler ist seit 1977 in der Türkei aktiv

In der Türkei stehen am Sonntag politische Wahlen an und Präsident Recep Tayyip Erdogan will seine Macht bestätigen. Doch eine Opposition erhebt sich gegen ihn. Viele Beobachter sehen die Wahlen als „richtungsweisend“ an. Der seit fast 40 Jahren in Istanbul wirkende Pater Franz Kangler erklärt im Interview der Zeitung Die Tagespost, was eine Verbesserung im Land, auch der Situation der Christen, verhindere. „Gegenwärtig sind in der Türkei lebende Christen wie ich betrübt über die extreme Schwarz-Weiß-Zeichnung ohne Differenzierung, die gegenüber der Türkei erfolgt“, sagt der Geistliche von der Österreichischen St. Georgs-Gemeinde (Lazaristen) Instanbul. Es gebe „viele Probleme im Land“, die aber nicht verbessert werden könnten „mit offen gezeigter Feindseligkeit oder Verachtung, wie sie gerade in deutschsprachigen Ländern – oft aus kurzsichtigen innenpolitischen Motiven – zu finden ist“.

Kangler erklärte, dass als Gegenreaktion im Land „eine Abschottung gegenüber einem als kolonialistisch empfundenen Westen mit ebenfalls manchmal nicht rational erklärbaren Vorurteilen“ erfolge. So schaukelten sich Emotionen gegenseitig in die Höhe. „Um hier gegenhalten zu können, braucht man Geduld und die Bereitschaft zu kleinen positiven Schritten, vor allem auch Respekt vor den vielen liebenswerten Menschen dieses Landes, die gegenwärtig aus gegensätzlichen politischen Lagern eine gemeinsame Zukunft suchen müssen.“

Umgang mit den Kirchen in politischem Kontext gesehen

Kangler ging in dem Interview der Tagespost auch darauf ein, dass Erdogans Partei AKP, als sie an die Macht kam, die Religion wieder sichtbarer machen wollte. Davon profitierten jedoch nur bestimmte Gruppen von Christen, andere erhielten kaum Unterstützung.

Am Sonntag finden gleichzeitig die Präsidentschaftswahl und die Wahl des Parlaments statt Foto: Steffen Kamprath, flickr | CC BY-NC 2.0 Generic
Am Sonntag finden gleichzeitig die Präsidentschaftswahl und die Wahl des Parlaments statt

Auf die Frage, was Kirchen künftig von der AKP erwarten können, antwortete der Lazaristen-Pater: „Viele dieser Fragen werden in der Türkei in einem politischen Kontext gesehen. Sie werden unter Bezug auf einen unklaren Punkt im Vertrag von Lausanne mit dem Gegenseitigkeitsprinzip verbunden, das im Prinzip für religiöse Grundrechte nicht gelten sollte.“

Der Vertrag von Lausanne von 1923 garantiert Christen in der Türkei eigentlich einen Minderheitenschutz. Doch „das Problem ist nur, dass nach türkischer Lesart nur die Armenier, die Bulgaren und auch die jüdische Gemeinde und Griechen als diese religiösen Minderheiten anerkannt werden”, erklärte Martin Pühn, Referent für deutschsprachige evangelische Gemeinden im Nahen und Mittleren Osten bei der Evangelischen Kirche in Deutschland, in einem älteren Beitrag im Bayerischen Rundfunk. In dem Stück heißt es schließlich: „Überspitzt könnte man sagen, alle anderen Kirchen existieren nicht.“

Ende Mai teilte der Weltverband der Aramäer (WCA) mit, dass die türkische Regierung rund die Hälfte der konfiszierten Kirchengebäude und Grundstücke an die Stiftung des Klosters Mor Gabriel zurückgegeben habe. Der Präsident des WCA, Johny Messo, betonte damals die Bedeutung dieses Schritts und sagte: „Wir sind dem türkischen Parlament für die Rückgabe der aramäischen Besitztümer dankbar. Wir hoffen, dass die restlichen aramäischen Immobilien und Grundstücke bald folgen.“

Von: Martina Blatt

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Diskutieren Sie mit!

Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Meinung sagen. Gerne klar, ehrlich, prägnant – aber bitte immer respektvoll, damit sich viele Menschen mit unterschiedlicher Meinung beteiligen. Daher achten wir besonders auf eine respektvolle Debattenkultur.
Jeder Leserkommentar wird vor der Veröffentlichung geprüft. Bitte beachten Sie dazu unsere Kommentar-Richtlinien. Manchmal kann es etwas dauern, bis ein Kommentar freigeschaltet ist. Sie haben ab Veröffentlichung sieben Tage Zeit, einen Artikel zu kommentieren. Danach wird der Kommentarbereich automatisch geschlossen.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen