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Papst: Nicht mit Spaltung und Entfremdung abfinden

Papst Franziskus hat in Schweden gemeinsam mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes der Reformation gedacht. Beide Seiten sehen dies als historischen Schritt in der Annäherung der Ökumene. Für Thomas Schirrmacher, stellvertretender Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, versteht der Papst Martin Luther besser als mancher Protestant.
Von PRO
Papst Franziskus (3. v. l.) geht zum Jubiläumsjahr der Reformation auf die Protestanten zu
Papst Franziskus (3. v. l.) geht zum Jubiläumsjahr der Reformation auf die Protestanten zu

„Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen“, sagte Papst Franziskus am Montag im südschwedischen Lund. Dort feierte er mit einen Gottesdienst mit 600 Gläubigen, zu denen auch der stellvertretende Vorsitzende der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, gehörte.
Dieser bezeichnete das Treffen gegenüber pro als kirchenhistorisches Ereignis, das den Weg für alle protestantischen Kirchen und Konfessionen ebne. Die Anwesenheit zahlreicher orthodoxer Vertreter beweise, dass die Konsequenzen selbst für unbeteiligte Dritte spürbar seien. Der Papst betonte in der Predigt: „Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen.“ Missverständnisse und Kontroversen hätten verhindert, dass man einander verstehe. Diese müssten nun überwunden werden.

„Friedlicherwerden der Weltchristenheit“

An dem Gottesdienst nahmen neben dem schwedischen Königspaar Carl Gustaf und Silvia auch der schwedische Premierminister Stefan Löfven und zahlreiche Repräsentanten und Leiter fast aller christlichen internationalen Konfessionen und Dachverbände der Welt teil. „Die Veranstaltung reiht sich in das Friedlicherwerden der Weltchristenheit ein“, findet Schirrmacher. Die Konfessionen wollten in Zukunft ihre Unterschiede in friedlichen Gesprächen aufarbeiten und sich auf die Kraft des Evangeliums verlassen: „Das kann man als evangelikaler Christ nur von Herzen begrüßen.“
Auch den von vielen kritisierten Ausverkauf der Reformation sieht Schirrmacher nicht. Die Reformation habe unzählige Menschen dazu befähigt, ein Leben im Glauben an Jesus Christus zu führen, so der Tenor des Gottesdienstes. Das Kernanliegen Luthers, „Allein aus Gnade“, sei von allen als wegweisend gewürdigt worden. Der Papst habe darin eine Erinnerung gesehen, „dass wir ohne Gott nichts vollbringen können“. Schirrmacher kommentiert: „Ich wünschte, dass wäre heute Gemeingut aller Protestanten.“

Langfristig zur größeren Einheit zurückführen?

Seine Begegnungen mit dem Papst hätten ihn davon überzeugt, dass Evangelium und Heiliger Geist die notwendige Durchschlagskraft hätten, die Kirchen langfristig zur einer größeren Einheit zurückzuführen. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, unterzeichnete Franziskus in Lund eine Verlautbarung zur Ökumene. Darin heißt es: „Während wir eine tiefe Dankbarkeit empfinden für die geistlichen und theologischen Gaben, die wir durch die Reformation empfangen haben, bekennen und beklagen wir vor Christus zugleich, dass Lutheraner und Katholiken die sichtbare Einheit der Kirche verwundet haben. Theologische Unterschiede wurden von Vorurteilen und Konflikten begleitet und Religion wurde für politische Ziele instrumentalisiert.“
Äußerlich und inhaltlich sei dies ein ganz großer Schritt des Papstes hin zu den Protestanten, findet Schirrmacher. Damit breche das Oberhaupt der katholischen Kirche eine 500-jährige Front auf. Er ersetze ernsthafte Gespräche durch den Wunsch, nicht über den anderen siegen zu wollen. Mit dem „bewegenden Appell“ des Papstes, die ökumenische Zusammenarbeit zu intensivieren, überspiele er zudem nicht vorschnell verbleibende tiefgreifende theologische Unterschiede. Der Papst habe die Weltchristenheit aufgefordert, einer leidenden Welt gemeinsam Solidarität zu beweisen, und den Armen, Kranken, Unterdrückten, Verfolgten oder Geflüchteten bewußt gemeinsam zu helfen.
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht den Besuch des Papstes als weiteren Schritt der ökumenischen Annäherung. Dessen Worte hätten ihn sehr berührt und sprächen vielen Christen aus dem Herzen. Die Erklärung unterstreiche zudem die gemeinsame seelsorgerliche Verantwortung beider Kirchen mit Blick auf die noch nicht gegebene volle Abendmahlsgemeinschaft. Am Montag begannen offiziell die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation 2017, in dessen Verlauf sich evangelische und katholische Kirche spalteten.

„Meilenstein und fantastische Ermunterung“

Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, nannte das gemeinsame Gedenken „einen Meilenstein in unserer Beziehung“ und eine „fantastische Ermunterung“, das vor einigen Jahren so noch nicht vorstellbar gewesen wäre. Landesbischof Frank Otfried July erhofft sich für die Kirchen in Deutschland und Europa spürbare und sichtbare ökumenische Aufbrüche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx deutete den Papstbesuch als „ein starkes Zeichen dafür, wie nah wir uns in der Ökumene bereits gekommen sind“.
Ein Papst war zum letzten Mal vor mehr als 25 Jahren in Schweden. Von den knapp zehn Millionen Einwohnern sind rund 113.000 Katholiken. Der Lutherische Weltbund ist eine Gemeinschaft von lutherischen Kirchen mit 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern. Größte Mitgliedskirche ist die Schwedische Kirche. Eine seiner wesentlichen Aufgaben sah der Lutherische Weltbund nach 1945 darin, den zig Millionen Vertriebenen zu helfen. Heute hat er 72 Millionen Mitglieder. (pro)Bedford-Strohm: „Signal der Versöhnung und des Aufbruchs“ (pro)
Protest gegen weichgespülten Luther (pro)

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