Papst kämpfte für schwerkrankes Kind

Ein schwerkranker Zweijähriger wurde in Großbritannien gegen den Willen seiner Eltern nicht mehr behandelt. Der Vatikan hatte angeboten, das Kind auszufliegen und in ein dortiges Krankenhaus einzuweisen. Doch ein Gerichtsurteil untersagt die Ausreise. Jetzt ist der Junge gestorben.
Von Anna Lutz
Nach dem Abstellen der Beatmung twitterte Alfies Familie ein Bild des Jungen. Er atmet nach wie vor selbständig.

Foto: Alfies Army Official

Nach dem Abstellen der Beatmung twitterte Alfies Familie ein Bild des Jungen. Er atmet nach wie vor selbständig.

Alfie atmete – und damit hat niemand gerechnet. Drei Minuten gaben die Ärzte dem schwerkranken knapp Zweijährigen nach dem Abschalten der künstlichen Beatmung am Montag. Doch der Junge lebte weiter. Alfie Evans litt von Geburt an an einer nicht diagnostizierten schweren Erkrankung, die den Ärzten zufolge sein Gehirn bereits grundlegend geschädigt hat. Wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, sah das Krankenhaus Alder Hey in Liverpool von einer Weiterbehandlung ab, um dem Jungen Leid zu ersparen. Die Eltern hingegen wünschten, dass das Kind so lange wie möglich lebt.

Jetzt ist der kleine Junge gestorben. In der Nacht zum Samstag, den 28. April hörte er auf zu Atmen. Die Eltern dankten dem Klinikpersonal „für ihre Würde und Professionalität“, berichtet die Bild-Zeitung.

Bereits Anfang April hatte der Papst sich in den international diskutierten Fall eingeschaltet. „Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass alles getan wird, um Alfie Evans voll Mitgefühl zu begleiten, und dass das schwere Leiden seiner Eltern erhört wird. Ich bete für Alfie, für seine Familie und alle Beteiligten“, twitterte er. In der vergangenen Woche empfing Franziskus die Eltern Thomas Evans und Kate James im Rahmen einer Generalaudienz und erneuerte seinen Apell laut Katholischer Nachrichtenagentur (KNA): „Ich möchte noch einmal mit Nachdruck bestätigen: Der einzige Herr des Lebens, vom Anfang bis zu seinem natürlichen Ende, ist Gott! Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um das Leben zu schützen.“

Unterdessen hatte sich das römische und nach christlichen Grundsätzen arbeitende Krankenhaus Bambino Gesu bereiterklärt, Alfie weiterzubehandeln. Das italienische Verteidigungsministerium stellte laut der Tageszeitung Die Welt ein Flugzeug bereit, mit dem Alfie nach Italien hätte geflogen werden können. Das italienische Außenministerium gab am Montag gar bekannt, es habe Alfie die italienische Staatsbürgerschaft verliehen, um seine Überstellung nach Rom zu erleichtern.

Denn nicht nur das Krankenhaus in Liverpool hatte sich gegen die Verlegung ausgesprochen. Die Eltern hatten sich bereits in den vergangenen Wochen an britische Gerichte und zuletzt an den Europäischen Menschengerichtshof gewandt. Dieser lehnte Anfang April den Fall ab mit der Begründung, es sei keine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention erkennbar. Am Dienstag fiel das vermutlich letzte Urteil im Fall Alfie Evans. Der Oberste Gerichtshof entschied, dass Alfie nicht ausgeflogen werden darf. Richter Anthony Hayden erklärte: „Das ist das letzte Kapitel im Leben dieses außergewöhnlichen kleinen Jungen.“

Nicht nur in Sozialen Medien, auch vor dem Krankenhaus in Liverpool haben sich zahlreiche Menschen zusammengefunden, die sich dafür einsetzen, dass Alfie verlegt werden darf. Eine Onlinepetition dazu hat hundertausende Unterstützer gefunden. Aktuell erlaubt das Krankenhaus ebenfalls nicht, dass der Junge nach Hause entlassen wird. Eine sofortige Verlegung sei wegen der „Feindseligkeit“ der Unterstützer von Alfies Eltern gegen die Krankenhausmitarbeiter zur Zeit unmöglich, berichtet dpa. Stattdessen soll eine Pallliativbehandlung erarbeitet werden. Wie die örtliche Polizei am Donnerstag mitteilte, ist es in den Sozialen Medien zu Drohungen und Beleidigungen gegen das Krankenhaus gekommen.

Laut Experten würde der Junge in Deutschland „selbstverständlich auf Wunsch der Eltern weiterbehandelt“. So zitiert dpa den Professor für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom Universitätsklinikum München, Nikolaus Haas, am Mittwoch. Zuletzt schaltete sich der polnische Präsident Andrezej Duda in den Fall ein. Er twitterte am Mittwoch: „Alfie Evans muss gerettet werden.“

Von: Anna Lutz

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