Martin Knispel sieht keinen Widerspruch zwischen interreligiösem Dialog und christlicher Mission
Martin Knispel sieht keinen Widerspruch zwischen interreligiösem Dialog und christlicher Mission

Muslime müssen christliche Werte kennen lernen

Der christliche Glaube hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen seine prägende Kraft verloren, sagt Martin Knispel, Geschäftsführer der Stiftung „Wertestarter“. Er befürwortet einen interreligiösen Dialog mit dem Islam, der lernen muss, mit unseren Werten umzugehen.

Martin Knispel sieht es als Chance, wenn der Staat Formen findet, durch die Kinder und Jugendliche mit Menschen anderer Glaubenhintergründe in die Auseinandersetzung gebracht werden, wenn dieser Prozess gesteuert wird. „Für mich ist interreligiöser Dialog kein Widerspruch zum Thema Mission. Das sind zwei unterschiedliche Kategorien, die sehr wohl nebeneinander stehen können“, sagte Knispel im Gespräch mit pro.

Es gehe einerseits nicht darum, die Mission durch den Dialog zu ersetzen. Andererseits dürfe man nicht annehmen, Dialog sei eine andere Form der Mission. „Der Islam ist missionarisch, das Christentum und die Christen sind missionarisch, insofern stehen wir gewissermaßen in einem Wettkampf, der leider oft nicht sportlich ausgetragen wird“, sagte Knispel. Dieser Umgang sei ein Begegnen auf Aufhöhe: „Wir müssen mit Menschen mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen zurecht kommen und Muslime müssen hier in einer säkularen, nachchristlichen Gesellschaft lernen, mit unseren Wertvorstellungen umzugehen.“ Die Stiftung „Wertestarter“, die ihren Sitz in Berlin hat, möchte eine am christlichen Glauben orientierte Werteerziehung fördern. In Kindergärten, Schulen und in der Jugendarbeit hilft die Organisation nach eigenen Angaben, dass am christlichen Menschenbild orientierte Werte vermittelt werden.

Flüchtlinge kennen nur einen Teil des Islam

Grundsätzlich sei interreligiöse Bildung, wenn sie die Religionen umfassend darstelle, immer hilfreich auf der Informationsebene, sagte Knispel. „Im christlichen Religionsunterricht ist die Information über andere Religionen auch immer gegeben. Natürlich nicht aus neutraler Sicht, aber es wird im Lehrplan immer versucht, zum Beispiel den Islam oder den Buddhismus so darzustellen, wie es einer wissenschaftlichen Fundierung standhält.“

Knispel hat selbst viele Jahre Religion unterrichtet. „Ich halte Dialog- und Sprachfähigkeit, das Auseinandersetzen mit den eigenen kulturellen und religiösen Quellen und Wurzeln und zugleich das Kennenlernen anderer Religionen, immer für richtig“, erklärte er. Dies böte die Chance, abseits von der eigenen Tradition in einer gewissen Neutralität und Distanzierung das Andersartige anzuschauen und anzuhören. „Ich stelle mir vor, dass viele Muslime, die etwa aus Afghanistan oder Somalia nach Deutschland kommen, nur eine Form des Islam kennen. Einen eher liberaleren, leicht säkularen Islam, wie man ihn manchmal in Deutschland auch antrifft, werden diese Menschen wahrscheinlich nicht kennen. Sie werden auch vom christlichen Glauben keine oder eine sehr einseitige Warnehmenung haben“, nimmt der Theologe an.Knispel hat viele Jahre in Westafrika gelebt. Dort habe er beobachtet, dass sich im Norden von Ghana Christen und Muslime regelmäßig zu Gesprächsforen getroffen haben. Es sei dennoch immer wieder zu Zusammenstößen von christlichen und muslimischen Jugendorganisationen gekommen. Doch die religiösen Führer beider Religionsgruppen und auch der traditionellen Religionen seien im Dialog zusammengekommen und hätten so Formen gefunden, in denen sie als Religionen eine friedliche Koexistenz aushandeln konnten. „Das ist gut gelungen, und ich halte das auch für einen guten Ansatz“, sagte Knispel. Angesichts der zunehmenden Zahl der Asylbewerber in Deutschland sagte der Theologe: „Ich halte es grundsätzlich für wichtig, dass wir auf allen Ebenen für Verständnis sorgen, weil es auf beiden Seiten leider viele Zerrbilder gibt.“

Wurzeln des christlichen Abendlandes nur teilweise sichtbar

Nach Auffassung Knispels sind mittlerweile in Deutschland „die Wurzeln des sogenannten christlichen Abendlands“ nicht mehr oder nur noch teilweise sichtbar. „Aber viele unserer Werte fußen auf der Reformation und der Aufklärung. Insofern halte ich es für wichtig, dass Kinder unsere christlichen Wurzeln gründlich kennenlernen.“ Dies gelte für Themen wie die Nächstenliebe, die Pflege der Solidargemeinschaft und der Toleranz.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hatte sich im Oktober auf einer Fachtagung in Bonn dafür ausgesprochen, den interreligiösen Dialog verstärkt in der Bildungsarbeit, etwa an Schulen, zu fördern. Kinder sollten sich nach Auffassung der ACK stärker mit anderen Religionen auseinandersetzen, um so im Idealfall religiösem Extremismus vorzubeugen. Knispel befürwortet diesen Ansatz, durch Bildung religiösem Extremismus entgegen zu wirken. „Bildung hat immer mit Horizonterweiterung zu tun und auch mit der Fähigkeit, andere Sichtweisen zu verstehen, ohne meine eigene Sichtweise aufzugeben“, sagte er. (pro)

Von: nob

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