Kinder spielen und lernen gemeinsam – seit 175 Jahren in deutschen Kindergärten (Symbolfoto)
Kinder spielen und lernen gemeinsam – seit 175 Jahren in deutschen Kindergärten (Symbolfoto)
Martin Knispel ist Geschäftsführer der Stiftung für Christliche Wertebildung in Berlin
Martin Knispel ist Geschäftsführer der Stiftung für Christliche Wertebildung in Berlin

Plädoyer für mehr christliche Kitas

Am Sonntag ist es 175 Jahre her, dass in Deutschland der erste Kindergarten gegründet wurde. Heute leisten christliche Kindertagesstätten einen wertvollen Beitrag zur Bildung – doch es gibt eine bedenkliche Entwicklung. Ein Gastkommentar von Martin Knispel

175 Jahre Kindergarten sind in Deutschland untrennbar mit dessen Erfinder Friedrich Fröbel (1782-1852), einem Schüler des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, verbunden. Sein Blick auf das Kind als Individuum, seine Sicht des Kindes als „freier, denkender und selbsttätiger Mensch“ war damals revolutionär und ist heute genauso aktuell. Fröbel wusste, dass sich das Große und Ganze immer aus einem kleinen Samenkorn entwickelte, und jeder Mensch alle seine ihm gegebenen Möglichkeiten in sich trägt. Wer diese Sicht vom Kind teilt, ist frei von Gängelung und engstirniger Frömmigkeit. Deshalb lohnt es sich, Fröbel als Pädagogen neu in den Blick zu nehmen.

Weil Christen immer schon ein Interesse an Bildung hatten, geriet das Kind im Laufe der Zeit immer mehr in den Blick. Reformation und Aufklärung förderten diese Sicht auf den Einzelnen. Und so taten die Kirchen gut daran, in dieses Feld, Zeit, Fachwissen, Arbeit und Geld zu investieren. Leider besteht heute an vielen Orten die Tendenz, kirchliche Kitas an den Staat zurückzugeben. Sie sind teuer geworden. Oft fehlt es an guter Begleitung. Diese Entwicklung ist bedenklich.

Christliche Werte können neue Welten eröffnen

Christen wollen die Gesellschaft mitprägen. Sie haben den Auftrag, christliche Werte zu zu vermitteln. Christen sind „Salz der Erde“ (Matthäus 5,13). Wo man sich aus Arbeitsfeldern zurückzieht, verliert man seine Sprachfähigkeit. Man ist dort dann nicht mehr relevant. Gibt es ein wichtigeres Arbeitsfeld für die Kirche als Kinder und Jugendliche? Christliche Erziehung, die zuhause gefördert wird, soll sich in öffentlichen Räumen fortsetzen, damit dort Werte eingeübt und gelebt werden, die wichtig sind für unsere Gesellschaft. Kinder, die das bisher noch nicht kennen, entdecken so ganz neue Welten.

Es geht bei diesem Auftrag also nicht nur um die Vermittlung biblischer Inhalte, sondern auch um eine Wertevermittlung, die wir vom Evangelium ableiten. Für die Würde bedeutet das zum Beispiel, dass jeder einzelne Mensch von der Schwangerschaft bis zum Tod schutzbedürftig ist und somit seine eigene Würde besitzt.

Im Blick auf die Nächstenliebe ist Christen wichtig, dass in einer hektischen und kälter werdenden Welt der Einzelne nicht untergeht. Jesus sieht jeden Einzelnen und nimmt ihn an. Wenn Kinder erfahren: „Ich bin geliebt“, dann ist viel erreicht.

Die Gaben des Einzelnen fördern

Auch das Einüben von Vertrauen in christlichen Kitas stärkt das Urvertrauen von Kindern. Christliche Kitas legen sehr viel Wert auf engagierte und motivierte Mitarbeiter, die in eine Gemeinde eingebunden sind. Sie haben einen pädagogischen und geistlichen Blick auf das Kind. Kinder sind für sie Geschenke Gottes, die sie verantwortlich und liebevoll begleiten dürfen.

Kinder lieben Feste und bereiten sich gerne darauf vor. In christlichen Kitas werden deshalb viele Feste gefeiert: Ostern, Pfingsten, Erntedank, Weihnachten bieten neben anderen Festen gute Möglichkeiten, sinnvoll zu feiern. Als Individuum und in der Gruppe entdecken Kinder so die Schönheit und den Reichtum des Lebens.

Viele pädagogische Ansätze wurden von Christen entwickelt. Schon Fröbel legte zum Beispiel großen Wert auf das so genannte „Freispiel“ als Selbstbildungsmethode im frühen Kindesalter. Was heute als selbstverständlich gilt, hatte er entdeckt. Viele Beispiele wären hier noch anzuführen, die eines gemeinsam haben: christlich geprägte Erziehung hat das einzelne Kind besonders im Blick und fördert seine Gaben.

Wo Kinder eine Atmosphäre von Liebe und Vertrauen erfahren, werden sie neugierig auf mehr. Christliche Kitas können somit ein Einstiegstor in die Gemeinde werden. Jungschar, Kinderkirche, später der Jugendkreis können folgen. So werden Kinder Teil eines großen Ganzen und entdecken tragende Gemeinschaftsformen, die das Leben erleichtern.

Unsere Gesellschaft ändert sich rasch. Viele Alleinerziehende brauchen die Unterstützung, um ihren Alltag zu bewältigen. Immer mehr Familien sind gezwungen, doppelt zu verdienen. Die Zahl der Einzelkinder nimmt zu. Es kann nicht sein, dass der Zug frühkindlicher Erziehung ohne christliche Prägung abfährt. Christen werden leider oft wahrgenommen als Menschen, die gegen etwas sind. Christliche Kitas setzen ein positives Signal: „Wir machen uns stark für die Kleinsten!“ (pro)

Dr. Martin Knispel ist Geschäftsführer der Stiftung für Christliche Wertebildung in Berlin.

Von: Martin Knispel

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