Bald sollen auch Muslime als Lehrer vor Hamburger Schulklassen stehen
Bald sollen auch Muslime als Lehrer vor Hamburger Schulklassen stehen

Muslime unterrichten christliche Religion an Schulen

Bundesweit einmaliges Pilotprojekt. Lehrkräfte der verschiedenen Glaubensbekenntnisse sollen gleichberechtigt arbeiten. Ob die nun anstrebte Form breite Akzeptanz bei Eltern und Schülern findet, ist ungewiss.

Der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen in Hamburg wird neu geordnet. Künftig kann das Fach neben den evangelischen Lehrkräften gleichberechtigt auch von muslimischen, alevitischen und jüdischen Pädagogen erteilt werden. An diesem Montag entscheidet eine Gemischte Kommission mit Vertretern aus Schulbehörde und Religionsgemeinschaften über die Freigabe der Lehrpläne. Die katholische Kirche beteiligt sich nicht daran. Das Erzbistum setzt weiter auf den bekenntnisorientierten eigenen Unterricht.

Schuljahr 2014 /15 als Pilotprojekt

Im Schuljahr 2014/15 soll an zwei Hamburger Schulen das bundesweit erste Pilotprojekt des gemeinsamen Religionsunterrichts starten. „Nach Freigabe der Gemischten Kommission wird das Modell in den Jahrgängen 5 und 6 unterrichtlich erprobt“, sagte Jochen Bauer, Fachreferent in der Behörde für Schule und Berufsbildung, dem Abendblatt. Die Erprobungsphase dauert voraussichtlich fünf Jahre. In welchen Schulen das Projekt läuft, ist noch unklar.

Ob die nun anstrebte Form breite Akzeptanz bei Eltern und Schülern findet, ist ungewiss. Künftig kann es durchaus möglich sein, dass eine muslimische Religionslehrerin Grundwissen über das Christentum vermittelt. „Der Unterricht, den eine Lehrkraft erteilt, bezieht sich nicht nur auf die Religion, der sie angehört“, erklärt Fachreferent Bauer.

Mit dieser Neuordnung entwickelt die Hansestadt zum einen den „Religionsunterricht für alle“ weiter, der bislang unter evangelischer Verantwortung steht. Zum anderen zieht die Behörde Konsequenzen aus dem Staatsvertrag mit den Muslimen und der Alevitischen Gemeinde. Er war 2012 unterzeichnet worden und garantiert den islamischen Gemeinschaften das Recht, einen islamischen Religionsunterricht verlangen zu können. Die muslimischen Verbände verzichten allerdings gegenwärtig auf einen eigenen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen, wie er etwa in Nordrhein-Westfalen praktiziert wird. Stattdessen wollen sie sich gemeinsam mit den anderen Religionen am Hamburger Modell beteiligen, bei dem das Fach vor dem gesamten Klassenverband erteilt wird.

Wie Propst Karl-Heinrich Melzer, einer der Vorsitzenden der Gemischten Kommission, dem Abendblatt sagte, sei die inhaltliche Arbeit am Lehrplan im Konsens erfolgt. Zum Lehrplan gehören solche Themen wie „Angst und Geborgenheit“ sowie „Gott und Du“, die aus unterschiedlicher religiöser Perspektive beleuchtet werden. In Hamburg gehören 31 Prozent der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen und zehn Prozent der katholischen Kirche an. 130.000 Einwohner sind Muslime, 50.000 Aleviten. Insgesamt gibt es in Hamburg rund 100 große und kleine Religionsgemeinschaften.

Mit freundlicher Genehmigung des Hamburger Abendblatts, wo dieser Beitrag zuerst erschienen ist.

Von: esh

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