Wenn Kinder im Islam unterrichtet werden, dann bitte unter staatlicher Aufsicht. Diese Ansicht vertritt der Berliner Psychologe Ahmad Mansour in der Frankfurter Allgemeine Zeitung
Wenn Kinder im Islam unterrichtet werden, dann bitte unter staatlicher Aufsicht. Diese Ansicht vertritt der Berliner Psychologe Ahmad Mansour in der Frankfurter Allgemeine Zeitung

Verheerende Konsequenzen durch Islam-Unterricht?

Es muss eine klare staatliche Aufsicht über den islamischen Religionsunterricht geben. Alles andere hätte sowohl für die Kinder als auch für die nachfolgenden Generationen verheerende Konsequenzen. Zu dieser Auffassung kommt der Berliner Psychologe Ahmad Mansour in einem Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ein solides Basiswissen über den eigenen Glauben sei für muslimische Kinder wichtig und notwendig, weil es sie weniger anfällig für radikale Tendenzen mache. Der Unterricht müsse sich an pädagogischen und rechtlichen Standards orientieren. Allerdings stünden die Kinder auch in einer Spannung zwischen staatlichen Schulen und einer Koranschule. In den Koranschulen würden drastische Regeln gelehrt, deren Nicht-Einhaltung bestraft werde.

Der Imam konkurriere als Autoritätsperson mit dem Lehrer an staatlichen Schulen, was zu einer verfahrenen Situation führe. Mansour nennt diese Vorgehensweise eine Pädagogik der Entmündigung. Sie führe zu Mobbing unter Kindern, wenn diese sich nicht an die muslimischen Regeln hielten. Die Kinder entwickelten durch die Diskrepanz zwischen „religiösen Forderungen und weltlichen Ansprüchen“ Ängste und Schuldgefühle, die sie verunsicherten und zum Teil traumarisierten.

1872 habe der Preußische Landtag schon einmal ein Gesetz zur Aufsicht an Schulen erlassen, blickt Mansour in die Geschichte – unter massivem Widerstand der kirchlichen Träger. Trotzdem sei dies nur konsequent gewesen und gelte auch heute: „Soll der aufgeklärte, demokratische Rechtsstaat seine Aufsichtspflicht über Schulen und Ausbildung ernst nehmen, darf er sich nicht bieten lassen, dass an staatlichen Schulen unter religiösem Vorwand Angstmacherei und Duckmäusertum verbreitet werden“, bezieht Mansour Stellung.

Kein Einzug in demokratische Bildungseinrichtungen

Er plädiert für eine kritische Diskussion über die Inhalte des Unterrichts. Botschaften aus den Moscheen dürften keinen Einfluss an demokratischen Bildungsinstitutionen gewinnen. Für den Autor ist es problematisch, dass islamische Verbände über die Lehrinhalte an Schulen entscheiden. So bestehe die Gefahr, dass sie nicht nur die Interpretationen des Islam bestimmen, sondern auch die künftige Lehre an den Universitäten.

Statt innerislamische Debatten zu führen, gehe es darum, Maßstäbe und Kriterien für den Schulunterricht zu entwickeln: „Die hier vermittelten Werte müssen mit unserer Demokratie, unserem Grundgesetz, den Menschenrechten und vor allem mit einer modernen Pädagogik der Vernunft vereinbar sein.“ Falls dies nicht der Fall sei, sieht er drastische Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft. Den islamischen Verbänden gehe es nicht um Aufklärung und Modernisierung, sondern um die „Vorherrschaft und das Monopol, wer den Gläubigen was diktiert“. Es gehe um Festschreibungen in Form von „Angstpädagogik und starrem Gehorsam“. Um dies zu sehen, fehle es den Verbänden aber an „Empathie, gedanklichem Spielraum und Respekt vor dem Grundgesetz“. (pro)

Von: jw

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