Studie: Viele Jugendliche erleben Gewalt im Internet

Erkenntnisse über Gewalt im Internet und deren Wirkung auf Kinder und Jugendliche will die Studie "Gewalt im Web 2.0" liefern. Die Untersuchung ist die weltweit einzige ihrer Art und zeigt: Darstellungen im Internet sind für die Befragten "heftiger, krasser und brutaler" als etwa im Fernsehen. Online-Gewalt wird außerdem als "echter" eingestuft.

Das Internet ist das Medium der jungen Generation. Mittlereile hat es laut einer "JIM"-Studie von 2008 sogar den Fernseher abgelöst. Grund genug für die "Bayerische Landeszentrale für neue Medien" (BLM) und fünf weitere Landesmedienanstalten, eine Forschungsarbeit in Auftrag zu geben, die sich mit dem "Web 2.0" und der im Internet verbreiteten Gewalt beschäftigt. Petra Grimm, Professorin an der Hochschule der Medien in Stuttgart, befragte zwischen September und Oktober 2007 mehr als 800 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren über ihren Umgang mit "Gewalt im Web 2.0". Die Ergebnisse sind laut Studie besorgniserregend.

Ein Viertel der Internetnutzer mit Gewalt im Netz vertraut

Ein Viertel der 12- bis 19-Jährigen, die das Internet nutzen, gaben an, schon einmal Gewalt im Netz gesehen haben. 48 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben Freunde oder Mitschüler, denen gewalthaltige Seiten bekannt sind, fasst das Landesmedienzentrum in Stuttgart die Ergebnisse zusammen. Von diesen gewalthaltigen Seiten zeigten die meisten fiktionale Gewalt, etwa Bilder aus Horrorfilmen und Spielfilmen oder nachgestellte extreme Gewalt.

Mehr Eindruck auf Jugendliche machten allerdings reale Gewaltdarstellungen. 51 Prozent der jungen Internetnutzer haben laut Studie bereits Prügelvideos gesehen, 42 Prozent Fotos oder Videos, die Krieg, Folter und Hinrichtungen zeigen und 51 Prozent Darstellungen von echter und brutaler Gewalt. Die Informationen über Internetquellen beziehen die Jugendlichen und Kinder laut der Studie meist von Freunden. Zu finden seien Inhalte mit Gewalt aber zum Teil schon auf gängigen Seiten wie "youtube.com" "myspace.de" oder "clipfish.de". Durch Verlinkungen gerieten die Internetnutzer häufig auch zufällig und unvorbereitet zu Seiten mit gewalthaltigen Videos. Je älter die User, desto häufiger kennen sie, laut der Untersuchung, Seiten mit solchem Inhalt.

Besonders problematisch sei es, dass mehr als ein Drittel der 12- bis 19-Jährigen das Internet immer alleine nutzten. Eine Kontrolle durch die Eltern, etwa hinsichtlich der Dauer des Internetkonsums oder der Inhalte, gebe es eher selten. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die im Internet schon einmal unangenehme Erfahrungen gemacht haben, sei mit einem Drittel relativ hoch. Genannt werden etwa sexuelle Belästigungen. Davon betroffen sei mehr als jedes fünfte Mädchen. 

Gewalt im Internet: "krasser, heftiger, brutaler"

Das Internet, so sagen die Befragten, sei "heftiger", "krasser" und "brutaler" als etwa das Fernsehen. Die Gewalt im Internet werde als "echter" eingestuft und sei dementsprechend "besonders schwer verdaulich", wie die im Dezember abgeschlossene Studie ermittelte. Die Jugendlichen berichten von Alpträumen und länger anhaltenden körperlichen Reaktionen auf gezeigte Gewalt, etwa Ausschlag oder Herpes.
 
Problematisch wird außerdem eingeschätzt, dass vielen Jugendlichen selbst die Möglichkeit gegeben ist, Videos und Fotos von sich selbst und anderen ins Internet zu stellen. Sowohl Jungen als auch Mädchen berichten laut Landesmedienzentrum, dass von ihnen Bilder oder Clips online sind, in denen sie in unvorteilhaften oder peinlichen Situationen zu sehen sind. (PRO)

Von: AW

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