"Platt Populistisch"? - Kritik an Computerspielgegnern

"Killerspiele sind aktives Kriegstraining"- diese und andere Auffassungen zu Computerspielen vertreten die Unterzeichner des "Kölner Aufrufs", unter Ihnen der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts (KFN) und ehemalige Justizminister Niedersachsens Christian Pfeiffer. Jetzt allerdings regt sich erneut Widerstand gegen solche steilen Thesen.

Mitte Dezember hatten sich etwa 230 Vertreter aus Bildung, Medizin und öffentlichem Leben in einer 5 Punkte umfassenden Denkschrift an die Öffentlichkeit gewandt, die als "Kölner Aufruf" bekannt wurde. Die darin geäußerte Kritik an der "Abrichtung von Kindern und Jugendlichen zu Tötungsmaschinen auf den virtuellen und realen Schlachtfeldern dieser Welt" durch Computerspiele geriet nun gestern ihrerseits in die Kritik der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK).

Als Direktor des KFN hatte Christian Pfeiffer sich bereits wiederholt massiv gegen den zunehmenden Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Als Mitveröffentlicher der 2007 erschienenen Studie "Die Pisa-Verlierer – Opfer ihres Medienkonsums" sah er darin die statistisch belegbare Ursache für Gewaltverhalten und mangelnde Schulleistungen von Kindern und Jugendlichen.

"Menschliches Verhalten ist nur komplex zu begreifen"

Andere Studien, wie etwa eine im gleichen Jahr im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlichte Arbeit mit dem Namen "Übermäßiger Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen: Risiken für Psyche und Körper", waren dabei nicht immer zu einem so eindeutigen Ergebnis gekommen.

So fand diese Untersuchung zwar eine schwache direkte Wirkung von Mediengewaltkonsum und tatsächlicher Aggressivität. Sie räumte jedoch diesem Verhalten eine so komplexe Kausalität ein, dass lediglich im Zusammenhang mit anderen familiären und sozialen Belastungsfaktoren "nur etwa 5-10% der Kinder und Jugendlichen sich langfristig durch Medieninhalte in ihren Identifikations- und Handlungsmustern beeinflussen ließen".

Ein angeblich unbestreitbarer, "durch über 3.500 wissenschaftlich durchgeführte Studien belegter Zusammenhang zwischen dem Konsum von Mediengewalt und gesteigerter Aggressivität", wie sie der "Kölner Aufruf" postulierte, stieß auf Widerspruch. Ebenso die Auffassung, Kritiker dieser Theorie seien ihrerseits "Komplizen und Profiteure des militärisch-industriellmedialen Komplexes".

Kritiker vermissen "seriöse Argumentation"

So zielt denn auch die Kritik der GMK an Schreiber und seinen Unterstützern nicht auf eine durchaus berechtigte Skepsis gegenüber Inhalten von Medien und Computerspielen, die junge Menschen heute in stärkerem Maße konsumieren als noch vor zehn Jahren. Beanstandet wurde seitens des Dachverbandes für Medienpädagogik vor allem die "platt populitischen Darstellungen" des "Kölner Aufrufs". Dieser enthielt unter anderem den Vorwurf, Initiator von "Killerspielen" sei die Armee und Politiker seien "Handlanger der Interessen von Wirtschaft und Militär", indem sie Computerspiele zum Kulturgut erklären wollten.

Durch die "Verkürzung komplexer gesellschaftlicher Themen und der Pauschalverdacht der Korruption Andersdenkender" werde keine angemessene, seriöse und redliche Argumentationsweise geführt und der notwendigen Auseinandersetzung mit der Thematik ein schlechter Dienst erwiesen, meinte die GMK. (PRO)

Von: os

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