Pädagoge: "Eltern delegieren Erziehung und Bildung"

Der Frühpädagoge und Psychologe Martin Textor hat in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Eltern" massiv Kritik an einem gesellschaftlichen Trend der "Abwertung der Mutterschaft" und der Fremdbetreuung von Kleinkindern geübt. "Für Eltern wird es immer normaler, Erziehung und Bildung zu delegieren", schreibt der Würzburger Wissenschaftler.

"Eine junge Mutter macht sich heute schon fast lächerlich, wenn sie behauptet, sie könne sich in der Erziehung ihres Kleinkindes besser verwirklichen als in ihrem Beruf", schreibt Textor. In Folge dessen könnten sich immer weniger Menschen heute noch vorstellen, dass man als junge Mutter "wirklich glücklich sein kann".

"Mutterschaft wird abgeschafft"

Textor, der zusammen mit seiner Frau das "Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung" in Würzburg leitet, kritisiert den Trend, die "Mutterschaft als Teil der Weiblichkeit" abzuschaffen. "Ein, zwei Jahre mit Baby zu verbringen ist sehr schön – selbst Film- und Popstars genießen das ja. Aber: Spätestens nach drei Jahren sollte frau zurück an ihren Arbeitsplatz!" Die Sprösslinge würden dann von "Fachkräften erzogen und gebildet".

Diese Entwicklung basiere auf zwei "Mythen", wie Textor in seinem "Eltern"-Kommentar schreibt. "Der erste: Junge, nicht erwerbstätige Mütter können zu Hause nicht glücklich sein. Der zweite: Fremdbetreuung ist generell besser als Familienerziehung." Der Pädagoge weiter: Für "Mythos 1" kenne jeder ausreichend Gegenbeispiele, und "Mythos 2" sei wissenschaftlich widerlegt.

Kritik an Qualität der Kinderbetreuung

Textor führt außerdem an, dass die Qualität der Kinderbetreuung in Deutschland "zumeist mittelmäßig" sei und dass der Einfluss der Familie auf Kinder laut Studien doppelt so hoch sei wie der von Kindertagesstätten und Schulen. "Und, was sich die Deutschen überhaupt nicht vorstellen können: Eltern sind durchaus in der Lage, die Schule zu ersetzen! In den USA werden etwa zwei Millionen Kinder von Mutter oder Vater unterrichtet – sie erhalten nachweisbar genauso häufig eine universitäre bzw. höhere (Berufs-)Bildung wie Kinder, die eine Schule besuchen. Auch ihre soziale und emotionale Entwicklung verläuft normal."

Es werde "immer normaler, Erziehung und Bildung zu delegieren", kritisiert der Autor weiter. Zudem werde "die Mutterschaft, traditionell ein zentraler Teil der Weiblichkeit, gegenüber dem Beruf immer weiter abgewertet". Die Folgen seien häufigere Konflikte in Familien und das Auseinanderleben von Eltern und Kind. "Das Leben der einzelnen Familienmitglieder, auch der Kinder, spielt sich zunehmend im eigenen Zimmer ab – oder außerhalb der Wohnung. Gemeinsame Aktivitäten (selbst das Fernsehen miteinander) werden zur Ausnahme", so Textor.

Weitere Informationen im Internet: www.eltern.de

Von: AD

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