Cyber-Mobbing an Schulen nimmt weiter zu

Die Lehrergewerkschaft GEW hat mehr Schutz und Hilfsangebote für gemobbte Lehrer und Schüler gefordert - dies meldete die Nachrichtenagentur AP. Der Auslöser war eine GEW-Studie zum Thema "Cyber-Mobbing", in der über 30 Prozent der befragten Lehrer angaben, von konkreten Fällen des Mobbings zu wissen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schätzt die Zahl der Opfer in Deutschland auf knapp 50.000 Lehrer und Schüler. Trotz gravierender Folgen, die bis zum Selbstmord reichen, werden sie nur unzureichend unterstützt. "Sowohl manche Schulleitung wie Schulaufsicht scheint den Konflikt zu scheuen und die Vorgänge unter den Teppich zu kehren", sagte Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule. Eine der Ursachen sah sie im hohen Wettbewerbsdruck zwischen den Schulen. "Bildungseinrichtungen tun möglicherweise alles, um nicht in die Schlagzeilen zu kommen", so die Expertin.

In der GEW-Studie wurden rund 500 Lehrer zum Cyber-Mobbing befragt. Acht Prozent gaben an, direkt von Mobbing im Internet oder per Handy betroffen zu sein. Von den Befragten gaben 31 Prozent an, dass sie von Fällen aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis gehört hätten. Es wird jedoch vermutet, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

"Gegenmaßnahme: Handy während des Unterrichts ausschalten"

"Viele wehren sich aus Scham nicht oder wissen nicht, wo sie Hilfe finden. Die meisten Opfer sind stark verunsichert, einige müssen in psychiatrische Behandlung", sagte Demmer. Beispielsweise haben Schüler den Lehrerstuhl angesägt und den Sturz des Lehrers per Handy aufgenommen und ins Internet gestellt. Manche E-Mailadressen der Lehrer wurden in Sex-Chatrooms veröffentlicht.

Demmer empfiehlt einen offensiven Umgang mit dem Cyber-Mobbing: "Es gibt rechtliche Mittel. Wenn etwa Szenen mit Lehrern gefilmt werden und ohne Einwilligung ins Internet kommen, kann dagegen vorgegangen werden." Hinzu kommt, dass die Täter oft bekannt seien und an den Schulen bestraft werden könnten.

Auf der Nachrichten-Website "Golem.de" sagte Demmer: "Jede Altersstufe, Männer und Frauen und jede Schulform sind ähnlich stark betroffen. Lediglich an Gymnasien ist die Zahl der Fälle leicht erhöht." Laut der Expertin greifen Jungen und junge Männer deutlich häufiger zu Handy und PC als Mädchen und junge Frauen, um andere Schüler oder Lehrkräfte unter Druck zu setzen oder sich zu rächen. Eine der Gegenmaßnahmen sei, dass Handys während des Unterrichts ausgeschaltet würden und ebenso wie das Internet nicht für Mobbingzwecke oder Gewaltdarstellungen genutzt werden dürften.

Deutschland entwickelt sich wie England und die USA

Der Verbandschef des Deutschen Philologenverbandes (DPhV), Heinz-Peter Meidinger, schätzt, dass es inzwischen an fast jeder weiterführenden Schule zu solchen Vorfällen kommt. "Rund 60.000 Lehrer sind mindestens einmal Opfer solcher Attacken gewesen", so Meidinger. "Offensichtlich stehen wir erst am Beginn einer Entwicklung wie in England und den USA, wo inzwischen ein Viertel der Lehrerschaft von solchen Vorfällen betroffen ist."

Ebenfalls beklagenswert seien laut dem DPhV-Verbandschef die extremen Porno- und Gewaltvideos aus dem Internet, mit dem Kinder und Jugendliche immer früher konfrontiert werden. "Es gehört heute schon fast zum Allgemeinwissen, insbesondere von Jungen ab zwölf Jahren, wie und wo man im Internet oder über Freunde ohne Schwierigkeiten an problematische Inhalte wie sehr extreme Sexualitätsdarstellungen und brutale Bilddateien und Spielsequenzen kommt", sagte Meidinger. Ein zu früher Kontakt mit extremen Porno- und Gewaltdarstellungen könne nach Auffassung von Jugendpsychologen die Entwicklung einer gefestigten und gesunden Einstellung zur Sexualität nachhaltig und teilweise dauerhaft beschädigen.

Meidinger wiederholte seine Forderung, das deutsche Telemediengesetz zu verschärfen. Das Problem sei nicht durch gesetzliche Verbote zu lösen - dennoch nötig sei "eine stärkere politische Einflussnahme auf Suchmaschinen" und die "obligatorische Integration von Schutzfiltern in Betriebssysteme". (PRO)

Von: D. Höly

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