OECD: keine Chancengleichheit für Arbeiterkinder

B e r l i n (PRO) - Trotz aller Bemühungen fällt das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich weiter zurück. Dies hat die Studie „Bildung auf einen Blick“ ergeben, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach rutschte das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich von Rang 10 auf Rang 22 ab.

Die Bildungsstudie nahm diesmal besonders die Situation an deutschen Universitäten und Fachhochschulen unter die Lupe. Während in den 29 anderen untersuchten Industrienationen in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Studenten durchschnittlich um 41 Prozent angestiegen ist, waren es in Deutschland gerade einmal fünf Prozent mehr, die den Weg an die Universitäten und Fachhochschulen einschlugen. Gleichzeitig ist Deutschland aber unter den Spitzenreitern bei der Zahl der Studienabbrecher: 35 Prozent der Studenten beenden ihr Studium vorzeitig. Dies könne auch mit den überdurchschnittlich hohen Kosten der Hochschulausbildung in Deutschland zusammen hängen. Deutschland gebe für den Hochschulbereich weniger Geld aus als der OECD-Durchschnitt.

Der Studie zufolge ist Deutschland nicht mehr in der Lage, die in den nächsten Jahren aus Altersgründen frei werdenden Arbeitsplätze für Ingenieure oder Lehrer mit eigenem akademischen Nachwuchs zu besetzen. „In diesem Bereich gibt die internationale Position Deutschlands einigen Anlass zur Sorge“, so der OECD-Generalsekretär, Angel Gurria.

Chancenungleichheit durch dreigliedriges Schulsystem

Gurria lobte zwar das solide Berufsbildungssystem sowie die Tatsache, dass 68 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Mittlere Reife oder Abitur besitzen. Damit liege die Bundesrepublik über dem OECD-Durchschnitt. Trotzdem sieht der Wirtschaftsexperte Handlungsbedarf: "Deutschland muss sein Augenmerk verstärkt auf diejenigen richten, die keine Qualifikation auf Sekundarstufe II-Niveau erwerben, da sich die Arbeitsmarktsituation dieser Gruppe erheblich verschlechtert habe.

Die in Deutschland praktizierte frühzeitige Selektion und Differenzierung nach der vierten Klasse sei durchgängig mit sozialen Ungerechtigkeiten verbunden, so Gurria. An den Universitäten zeige sich, dass nur 16 Prozent der Studierenden einen Vater haben, der Arbeiter ist. Dagegen sei der Anteil von Akademikerkindern an deutschen Hochschulen 2,2 mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspreche.

„Kinder werden hierzulande bereits mit zehn Jahren auf unterschiedliche Bildungswege verteilt. Wer aus einer benachteiligten Familie kommt, wird dabei eher auf einen Bildungsweg geleitet, der eine geringere Leistung erwarten lässt. Dies spiegelt sich auch im vergleichsweise schlechten Abschneiden von Schülern mit Migrationshintergrund wider. Dies verursacht enorme Kosten“, so der OECD-Generalsekretär.

Bis auf wenige Ausnahmen sei es den OECD-Länden nicht gelungen, das Erreichen eines Hochschulabschlusses weitgehend unabhängig von der sozialen Herkunft zu machen. Von zehn untersuchten OECD-Länden war dies nur in Irland und mit gewissen Abstrichen auch in Spanien gelungen.

Deutschland dürfe sein föderales Regierungssystem nicht als "Handicap für erfolgreiche Reformen ansehen. Unter den OECD-Ländern fänden sich zahlreiche positive Beispiele, die zeigen, dass sowohl eine gute Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern als auch der Wettbewerb zwischen den Ländern excellente Leistungen hervorbringen könne. "Erfolgreich werden nur die Menschen und Länder sein, die Veränderungen gegenüber aufgeschlossen und anpassungsfähig sind", so der OECD-Chef weiter.

Von: EN

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