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Onlinefreunde immer wichtiger?

Internetbekanntschaften haben großen Einfluss auf die Identität und Werte von Jugendlichen. Die virtuellen Gemeinschaften ersetzen zunehmend die bisherigen Peer-Groups. Dies fanden finnische Forscher bei einer Befragung von Jugendlichen heraus.
Von PRO

Foto: fotolia / Klaus Eppele

Die Wissenschaftler der Universität in Turku (Finnland) fragten über 4.300 Jugendliche danach, wie sehr sie sich als Teil vorgegebener Gruppen sehen. An erster Stelle stand die Familie, direkt danach folgten die virtuellen Kontakte. Alle anderen Gruppen wie Jugendliche aus der Nachbarschaft oder Sportpartner seien weit abgeschlagen, sagt der Leiter der Studie, Pekka Räsänen gegenüber dem Nachrichtenportal Pressetext. Der Soziologe von der Universität Turku glaubt, dass Internet-Communities die traditionellen Peer-Gropus ablösen werden. Da Jugendliche immer mehr Zeit im Netz verbrächten, sei dies auch eine Zeitfrage.

Da für die Studie nur Jugendliche befragt wurden, die bei der Online-Community „Habbo“ angemeldet sind, gilt die Studie nicht als repräsentativ. Laut Peer Räsänen dürfe man die Ergebnisse aber nicht unterschätzen, denn „virtuelle Gemeinschaften sind überall auf dem Vormarsch“. Die Studie wurde in England, Spanien und Japan durchgeführt.

Treffen mit Freunden beliebteste Freizeitaktivität

Etwas anders sieht es aus, wenn man die Ergebnisse der JIM-Studie 2009 (Jugend-Information-Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) betrachtet. Die deutsche Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Jugendliche sich in ihrer Freizeit häufig nicht-medialen Tätigkeiten zuwenden. An erster Stelle steht für 88 Prozent der Befragten das Treffen mit Freunden. 7 von 10 Jugendlichen treiben mehrmals die Woche Sport, zwei Drittel ruhen sich regelmäßig aus und machen gar nichts. Etwa jeder vierte Jugendliche unternimmt mehrmals pro Woche etwas mit seinen Eltern. Jeder sechste Jugendliche spielt ein Instrument oder singt regelmäßig.

Instant-Messenger und Online-Communities wurden von den Jugendlichen als wichtigste Internetaktivitäten genannt. 70 Prozent der 12- bis 19-Jährigen pflegen auf diese Weise regelmäßig Kontakt zu anderen. Die Hälfte der Internetnutzer sucht täglich das eigene Profil oder die Profile Anderer auf. Für Jungen und junge Männer sind Online-Spiele eine beliebte Kommunikationsplattform. Ein Viertel der Befragten tauschen sich hier regelmäßig mit anderen Online- Spielern aus – für Mädchen und junge Frauen hat diese Kommunikationsform dagegen kaum Bedeutung. Interessantes Neben-Ergebnis: der Kurznachrichtendienst Twitter spielt für die 12- bis 19-Jährigen keine nennenswerte Rolle.

Musikhören wichtiger als Internetnutzung

Die Jugendlichen wurden auch gefragt, wie wichtig ihnen verschiedene Medientätigkeiten wie Fernsehen, Radiohören oder auch das Lesen von Büchern sind. Hier zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei den Mädchen liegen Musikhören, Internet und das Handy auf den ersten drei Plätzen, dabei bewerten sie Musikhören und Handynutzung als überdurchschnittlich wichtig. Auf Platz 4 folgt das Fernsehen, danach rangieren Bücher, Radio und Tageszeitung. Bei den Jungen und jungen Männern hingegen steht das Internet an erster Stelle, danach kommt Musikhören und an dritter Stelle liegt das Fernsehen. Computerspiele erreichen den vierten Platz.

Die Ergebnisse der JIM-Studie belegen auch, dass Bücher seit Jahren etwa den gleichen Stellenwert für Jugendliche haben. Zwei Fünftel der Jugendlichen lesen regelmäßig in ihrer Freizeit Bücher, der gleiche Wert wurde bereits 1998 in der ersten JIM-Studie festgestellt. Allerdings liest jeder vierte Junge in der Freizeit niemals ein Buch.

Seit 1998 untersuchen die Medienwissenschaftler des mpfs mit der Langzeitstudie Jugend, Information, (Multi-)Media den Medienumgang der 12- bis 19- Jährigen in Deutschland. Für die aktuelle Studie wurden 1.200 Jugendliche telefonisch befragt.

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