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„Ohne Gott gibt es keine Evolution“

Der Biologe und Mathematiker Martin Nowak ist gläubiger Katholik. Für den Professor an der Harvard-Universität ist es kein Problem, die Evolution zu erforschen und an einen Schöpfergott zu glauben, wie er in einem Interview mit dem Magazin Zeit Wissen sagt.
Von PRO
Alles Zufall? Für den Biologen Martin Nowak steht der Zufall nicht über Gott. Ohne Gott könne nichts existieren, sagt er.

Foto: NASA

Alles Zufall? Für den Biologen Martin Nowak steht der Zufall nicht über Gott. Ohne Gott könne nichts existieren, sagt er.
„Gott ist immer anwesend“, sagt der österreichische Biologe und Mathematiker Martin Nowak auf die Frage, wo Gott sei. „Er ist die innerste Existenz in allem und mir näher als ich mir selbst. Es ist nicht so, dass Gott nur ganz am Anfang alles irgendwie gemacht hat. Er ist notwendig, um jeden Moment in Existenz zu halten.“ Das Magazin Zeit Wissen hat den Wissenschaftler dazu interviewt, wie er seinen Glauben mit der Wissenschaft, zumal mit der Evolutionsbiologie, vereinbaren kann. Die Journalisten verhehlen in ihren Fragen nicht ihr Erstaunen darüber, dass Nowak keinerlei Probleme darin sieht, zugleich gläubiger Katholik und Naturwissenschaftler zu sein. Selbst zwischen der Idee einer Schöpfung und der Evolution sieht Nowak keine Spannung. Die Evolution sei eine Theorie, die „beschreibt, wie sich das Leben entfaltet“. Das nehme von Gott nichts weg: „Die Evolution beschreibt die Entstehung und Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten und vermutlich überall im Universum. Ohne Gott gäbe es kein Universum, keine Biologie, keine Evolution.“ Der Zufall stehe nicht über Gott. Vielmehr sei Gott derjenige, der aus allem, „was wir als Zufall wahrnehmen, und von dem, was wir als zielgerichtet wahrnehmen“, Existenz hervorbringe. „So stelle ich mir Schöpfung vor.“ Beispielhaft erklärt er, dass sich auch die Gasmoleküle in einem Raum zufällig bewegen. Dennoch seien Druck und Temperatur konstant. Nowak beschäftige die Frage, warum Evolution überhaupt kreativ sei. „Das Leben auf der Erde ist ja schrittweise komplizierter geworden. Vor drei Milliarden Jahren war die Erde noch ein Planet von Bakterien, das hätte auch so bleiben können.“ Bisher habe man nicht berechnen können, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich die Evolution in die eine oder andere Richtung bewegt.

„Existenz Gottes lässt sich nicht wissenschaftlich prüfen“

Auch in der Wissenschaft spiele Glaube eine Rolle, erklärt Nowak. So gebe es in der Mengenlehre mathematische Grundsätze, sogenannte Axiome, von denen man nie wissen wird, ob sie wirklich zutreffen oder nicht. „Der Beweis ist schon da, dass man das nie wissen kann. Dennoch wird es geglaubt. Das ist sozusagen noch eine stärkere Art von Glauben als der eines religiösen Menschen. Ein religiöser Mensch kann sich immerhin noch vorstellen, irgendwann Jesus zu sehen.“ Mathematik ist für Nowak ein rationaler Zugang zu Gott, weil sie eine „endgültige Wirklichkeit“ untersuche, Gesetze, die es unabhängig von der materiellen Welt gebe. Dass es viele Naturwissenschaftler gibt, die Glaube für irrational und mit der Wissenschaft für unvereinbar halten, liegt für Nowak vor allem im Gottesbild begründet. Gott sei kein Wesen, „das in diesem Universum existiert“ und das man treffen könne, „wenn man genau genug mit den Mitteln der Wissenschaft nachschaut“. Bei dieser Vorstellung sei er sich mit Atheisten oft einig, dass er nicht an den Gott glaube, den sie ablehnten. Wenn Naturwissenschaftler argumentierten, dass Glaube mit ihrer Disziplin nicht vereinbar sei, gründe dies ebenfalls auf einer subjektiven Weltanschauung. Die Existenz Gottes lasse sich wissenschaftlich nicht prüfen. „Jetzt zu sagen, ich interpretiere die wissenschaftlichen Beobachtungen, als ob sie zeigen würden, dass es Gott nicht gibt, das ist nicht wissenschaftlich. Das ist selbst eine Art von Religion. Eine Religion des Atheismus.“ Nach seinem Studium der Biochemie promovierte Nowak 1989 an der Universität Wien in Mathematik – „sub auspiciis“ (im Beisein des Präsidenten), was in Österreich die höchste Auszeichnung für Studienleistungen ist. Vier Jahre später habilitierte er sich. Seit 2003 lehrt Nowak an der renommierten Harvard-Universität in den USA. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/esa-chef-ich-bin-ein-mensch-mit-glauben-93706/
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/versoehnung-zwischen-schoepfung-und-evolution-94035/
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