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Oettinger fordert höheres Niveau im Fernsehen

Die Fernsehsender sollten Mut haben, mehr Qualität zu senden - auch auf Kosten der Quote. Diese Ansicht vertrat der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther H. Oettinger (CDU), auf den 4. Bad Boller Medientagen. Bildung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedeute nicht, dass der Fernsehkoch stundenlang seine Soßen erkläre.
Von PRO

In der Evangelischen Akademie Bad Boll äußerte der Ministerpräsident am Sonntag Kritik am deutschen Fernsehen, die manchmal an die von “Literaturpapst” Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Wochenende erinnerte. So prangerte Oettinger nicht nur an, dass eine Gala wie “eingedampftes Hollywood” aussähe, sondern er forderte von den Rundfunkanstalten Qualität auch auf Kosten der Quote. Die Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollten ihren Programmauftrag ernst nehmen und auf Bildung, Information und Kultur achten, forderte Oettinger. Vom Privatfernsehen erhoffe er sich in dieser Sache hingegen wenig: “Was da gezeigt wird, entrüstet mich”.

“Grenze im Privatfernsehen erreicht”

Oettinger vermied jedoch eine pauschale Medienschelte und lobte etwa ausdrücklich “die ausgewogene und breite Berichterstattung” über die aktuelle Finanzkrise. Sorge bereite ihm jedoch, dass die Qualität des Privatfernsehens in den letzten Jahren gesunken sei. “Die Grenzen dessen, was man noch hinnehmen sollte, ist erreicht”, sagte der Politiker vor Medienvertretern. Wenn die Selbstkontrolle nicht mehr funktioniere, sei eine stärke Kontrolle durch den Gesetzgeber und die Landesmedienanstalten erforderlich, fügte Oettinger hinzu.

Wichtig sei es für die Medienschaffenden, nicht ausschließlich auf die Einschaltquoten zu schielen. Einem Radiogramm vorzuwerfen, es sei “wortlastig”, halte er für “grund verkehrt”. So sei etwa der Radiosender SWR 2 wichtig für die Kultur im Lande, auch wenn er nicht so viele Hörer habe, so Oettinger. Schließlich könne man auch nicht verantwortlich Politik machen, wenn man nur darauf achte, was gerade mehrheitsfähig sei.

Zeitungsabo statt Computerspiel für Jugendliche

Besonders hob der Ministerpräsident die Bedeutung der Medienpädagogik hervor. “In der Erziehung müssen wir uns nicht nur um gute Benimm-Regeln bei Tisch oder den Schulerfolg kümmern, sondern vor allem auch um den Umgang mit den Medien”, sagte Oettinger. Er lobte ausdrücklich das Projekt “Zeitung in der Schule”, das versucht, bei Schülern die Lust am Zeitunglesen neu zu wecken. In ähnlicher Weise könnten Rundfunkanstalten mit Schulen zusammen arbeiten, schlug Oettinger vor. In solchen Kooperation bestehe die Chance, bei Schülern das Interesse für niveauvolle Beiträge zu steigern und damit langfristig auch die Quoten für ein anspruchsvolles Programm wieder zu heben.

Oettinger appellierte an die Eltern und Lehrer, sich stärker um die Medienerziehung von Kindern zu bemühen. So sollte man etwa 15-Jährigen besser das Jahresabonnement einer Tageszeitung schenken als ein weiteres Computerspiel, so der Politiker.

ARD und ZDF: “Viel Imitation, wenig Innovation”

Der Intendant des SWR, Peter Boudgoust, gab auf der Tagung zu, im Programm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gebe es “zu wenig Innovation und stattdessen zu viel Imitation”. Zusammen mit dem Chef des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, verteidigte er am Samstag jedoch grundsätzlich die Qualität der ARD-Programme: “Wir haben genug Pfunde, mit denen wir wuchern können.”

Die von Reich-Ranicki angestoßene Debatte über die Qualität des Fernsehens habe sich seiner Ansicht nach zu einer Debatte über die Sendezeiten der Kulturprogramme abgeschwächt. Dies sei jedoch eigentlich nur von “untergeordneter Bedeutung”, so lange bei den Privaten “Känguru-Hoden verspeist und eine 16-Jährige vor laufender Kamera mit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter konfrontiert” werde, so Boudgoust. “Für diesen Zynismus gibt es bei uns keinen Platz im Programm”, sagte der SWR-Chef.

Bruce Darnell nur erfolgreich, wenn er unverschämt ist

Zugleich räumte er ein, dass die öffentlich-rechtlichen Sender vom kommerziellen Erfolg der privaten Konkurrenz überrascht worden seien und man manche Programmidee in einer “entgifteten” Form nachgeahmt habe. In Anspielung auf die Styling-Show “Bruce”, für die sich die ARD den Modeexperten Bruce Darnell von ProSieben holte, sagte Boudgoust: “Ein weichgespülter Bruce hat sich bei uns rührend um die Mädchen gekümmert, sie eben nicht vorgeführt – aber das wollte niemand sehen.” Tatsächlich sanken die Quoten auf knapp sechs Prozent ab, und die ARD setzte die Sendung, die besonders für junge Menschen gedacht war, wieder ab.

Einen “Generationenabriss” fürchtet auch der gegenwärtige ARD-Vorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks Fritz Raff. Gerade weil Jüngere mit der traditionellen Medienverbreitung nicht mehr zu erreichen seien, dürften die Öffentlich-Rechtlichen im Online-Bereich “nicht an den Katzentisch” verdrängt werden. Raff kritisierte die Pläne der Ministerpräsidenten für den neuen Medienstaatsvertrag. Demnach werde es den öffentlich-rechtlichen Sendern in Zukunft verboten, “nicht sendungsbezogene presseähnliche Angebote” im Internet-Auftritt zu platzieren. Für Raff ist es selbstverständlich, dass Zuschauer und Zuhörer “auf technisch zeitgemäßen und gesellschaftlich relevanten Verbreitungswegen” nutzen können, wofür sie mit ihrer Gebühr bereits bezahlt haben. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk könne seinen Grundversorgungsauftrag nur erfüllen, wenn er auch in der digitalen Welt mit all seinen Möglichkeiten präsent und erkennbar sei. Dies gelte umso mehr, als “der öffentlich-rechtliche Rundfunk unentbehrlich für das Grundrecht öffentlicher Meinungsbildung” sei, so Raff. (PRO)

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