Österreich: Religion dritthäufigstes Motiv bei Hasskriminalität

Tausende Menschen sind in Österreich im vergangenen Jahr Opfer von Hasskriminalität geworden. Häufig richteten sich die Taten gegen Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit. Antisemitismus war dabei das zweithäufigste Tatmotiv.
Von Martin Schlorke
Österreich Flagge

Im vergangenen Jahr gab es in Österreich 6.751 Fälle von Hasskriminalität. Das geht aus dem Lagebericht „Hate Crime 2025“ des österreichischen Innenministeriums hervor. Demnach war in 696 Fällen Religionsfeindlichkeit ursächlich für die Hasskriminalität. Mehr Fälle verzeichnet das Ministerium nur in den Kategorien „Weltanschauung“ und „nationaler oder ethischer Herkunft“.

Innerhalb der Religionsfeindlichkeit gab es 284 Fälle (38 Prozent) von Muslimfeindlichkeit. Antisemitische Motive lagen bei 247 (35 Prozent) der Fälle vor. Für das Jahr 2024 dokumentierte das Innenministerium noch 357 Fälle antisemitischer Hasskriminalität. Der Rückgang dürfte maßgeblich auf das Ende eines Großteils der aktiven Kampfhandlungen im Gazastreifen zurückzuführen sein.

Ein Anstieg der dokumentierten Fälle ist dagegen bei der Christenfeindlichkeit zu verzeichnen. 2025 gab es 133 (19 Prozent) christenfeindliche Vorfälle. Das ist ein Anstieg von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Delikte gegen weitere Religionsgemeinschaften machten sieben Prozent (52 Fälle) aller religionsfeindlichen Vorfälle aus.

Religionszugehörigkeit Österreich

In Österreich leben rund 9,2 Millionen Menschen. Davon sind rund

  • 4,5 Millionen römisch-katholische Christen,
  • 250.000 evangelische Christen,
  • 750.000 Muslime,
  • 400.000 orthodoxe Christen und
  • 10.000 Juden.

Unterschiedliche Altersgruppen

Christenfeindliche Hasskriminalität zeigt sich laut Lagebericht vor allem durch Sachbeschädigung. 22 Prozent (29 Delikte) aller dokumentierten Fälle fallen in diese Kategorie, gefolgt von gefährlicher Drohung (24), schweren Diebstählen (13) und Körperverletzungen (11).

Die demografische Auswertung der Tatverdächtigen unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Religionsgruppen. Bei Christenfeindlichkeit ist die Mehrheit der Tatverdächtigen zwischen 14 und 18 Jahre alt. Gegen Muslime und Juden agierten hingegen vorwiegend Tätergruppen ab 25 Jahren.

Mit Blick auf die Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen zeigen sich ebenso Unterschiede. Während der gesamte Anteil von Ausländern an allen Hate-Crime-Tatverdächtigen bei 28 Prozent liegt, besaßen im Bereich der Christenfeindlichkeit 57 Prozent keine österreichische Staatsbürgerschaft. Bei der Muslimfeindlichkeit lag dieser Anteil bei 43 Prozent, wohingegen antisemitische Delikte zu 74 Prozent von österreichischen Staatsbürgern verübt wurden.

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