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Ökumenischer Bericht: Christenverfolgung nimmt zu

Die Verfolgung von Christen weltweit nimmt zu. Das hat ein neuer ökumenischer Bericht zur Lage der Religionsfreiheit ergeben, den die Kirchen am Montag in Berlin vorgestellt haben.

Von PRO

Foto: carlosgardei/fotolia

Seit sechs Jahren nehme die Christenverfolgung weltweit beständig zu, heißt es im „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit”. In 111 Ländern werden die Gläubigen demnach bedrängt und verfolgt, vor allem dort, wo sie eine Minderheit sind. Christen und Muslime seien von allen Religionen rund um den Globus am häufigsten von Verfolgung und Bedrängung betroffen. Vor allem im Mittleren Osten und in Nordafrika ergehe es Christen schlecht. In Amerika hingegen gebe es wenige Einschränkungen für Christen. Schwere, systematische und massive Restriktionen kämen vor allem unter autoritären Regimen vor und gingen meist mit weiteren Verletzungen von Freiheitsrechten einher.

Der sogenannte „arabische Frühling” habe die Lage der Christen vor Ort nicht verbessert, erklärte Studienleiter Theodor Rathgeber bei der Vorstellung in Berlin. Doch auch in Osteuropa ergehe es Gläubigen nicht immer gut. Weltweit werde die Religionsfreiheit derzeit in 157 Ländern gesetzlich eingeschränkt, in 131 Ländern verbiete der Staat das öffentliche Bekenntnis zu bestimmten Glaubensrichtungen, in 38 Ländern mache er Religionswechsel unmöglich. Besonders viele staatliche Restriktionen gebe es aktuell etwa in Afghanistan, dem Jemen, Vietnam, Syrien oder den Ländern der Russischen Föderation. Soziale Anfeindungen müssten Christen zum Beispiel in Israel oder den Palästinensischen Gebieten ertragen, aber auch in Saudi-Arabien oder Ägypten. Gegen die Annahme, Christen würden besonders in muslimischen Ländern verfolgt, verwehrte sich Rathgeber. Eine solche These fördere Polarisierungen.

Wer sich nur um Christen kümmert, wird unglaubwürdig”

Auslandsbischof Martin Schindehütte erklärte in Berlin, oft seien Christen in den entsprechenden Ländern nicht fundamental bedroht, ihnen würden aber Lebensperspektiven verweigert, was zu einem Exodus der Gläubigen führe. Ziel der Kirchen sei es, mit ihrer Dokumentation allen Anhängern von Religionen zu mehr Freiheit zu verhelfen. Wer sich nur um eine Gruppe kümmere, mache sich unglaubwürdig. Auch Erzbischof Ludwig Schick forderte „uneingeschränkte Religionsfreiheit für alle”. Wo Christen bedroht würden, ergehe es oft auch anderen religiösen Minderheiten schlecht. Muslime würden häufig zu Verfolgten, etwa durch andere muslimische Denominationen. Im Falle der Christen sei der Grund für die Unterdrückung nicht immer religiös. Weil sie sich oft für soziale Gerechtigkeit einsetzten, sähen sich Diktatoren gezwungen, Christen mundtot zu machen.

Schindehütte und Schick verwehrten sich dagegen, konkrete Zahlen zu nennen. „Ob 50, 70 oder 100 Millionen Christen verfolgt werden, ist nicht erheblich“, sagte Schindehütte. Relevant sei vielmehr, eine seriöse und verlässliche Erhebung zur weltweiten Lage vorzulegen und keine Klientelpolitik zu betreiben. Schindehütte verurteilte es, die Zahlen von Verfolgten möglichst hoch anzusetzen und damit politische Ziele zu verfolgen. Auch Forderungen nach dem Motto „In Deutschland dürfen dann Moscheen gebaut werden, wenn auch Kirchen in der Türkei errichtet werden können” geißelte er: „Solche Geschäfte gibt es in der Menschenrechtsfrage nicht.” (pro)

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