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Neuorientierung der Kirche bei Orientierungshilfe

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat in einer Sitzung am Freitag und Samstag die Kritik an der Orientierungshilfe aufgegriffen. Rudert er von seiner ursprünglichen Position zurück?
Von PRO

Foto: Liquid 2003, Wikipedia, gemeinfrei

Theologische Grundsatzfragen zum Bibel- und Eheverständnis müssen weiter diskutiert und gegebenenfalls „bearbeitet“ werden, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, am Samstag in Hannover. Ende September soll es dazu ein Symposium geben. Er sagte: „Der Text hat ausgehend von der Ehe als gute Gabe Gottes neue gesellschaftliche Realitäten von Familie in den Blick genommen. Eine theologische Bestimmung der Ehe im Lichte dieses Wandels leistet die Orientierungshilfe nicht. Daher bedürfen die im Zuge der Veröffentlichung aufgeworfenen theologischen Grundsatzfragen, insbesondere zum Bibel- und evangelischen Eheverständnis einer weiteren Diskussion und Erörterung.“

In der Mitte Juni veröffentlichten Schrift heißt es allerdings: „Liest man die Bibel von dieser Grundüberzeugung her, dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, in denen sich Menschen zu einem verbindlichen und verantwortlichen Miteinander verpflichten, auch in theologischer Sicht als gleichwertig anzuerkennen.“ In einem Interview in der Montagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagt Schneider: „Es war nicht die Aufgabe der Orientierungshilfe, eine theologische Bestimmung der Ehe zu leisten.“

In der Orientierungshilfe mit dem Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ spricht die EKD sich für die Öffnung der Kirche gegenüber homosexuellen Paaren aus. Das Papier hatte eine regelrechte Empörungswelle unter anderem bei Evangelikalen und Katholiken hervorgerufen.

„Theologische Kernfragen bedürfen Schärfung“

Der EKD-Vorsitzende sagte weiter am Wochenende: „Die in der Diskussion aufgeworfenen theologischen Kernfragen bedürfen immer wieder der Schärfung und Vermittlung. Es ist eine Stärke unserer evangelischen Kirche, sich in strittige gesellschaftliche Fragestellungen hineinzubegeben und auf der Höhe der Zeit dem Evangelium gemäß zu leben.“ Der Rat sei sich einig, dass die Orientierungshilfe „in sozialpolitischer Hinsicht ein für die evangelische Kirche wichtiger Text ist“.

Rat soll weitere theologische Bearbeitung aushandeln

Schneider kündigte an, dass Ende September der Rat der EKD in Berlin zu einem theologischen Symposium zur Orientierungshilfe mit dem Thema Familie zusammenkommen wird. Die Ergebnisse sollen laut der EKD veröffentlicht werden. Am 11. und 12. Oktober werde der Rat über weitere theologische Bearbeitung beraten.

Im FAZ-Interview weist Schneider auf „Korrekturbedarf“ hin: „Die Fragen der biblischen Hermeneutik (Anm. d. Red. Auslegung) und die Verknüpfung mit unserer theologischen Tradition müssen intensiver betrachtet werden.“ Das Symposium sei aber „alles andere als ein ‚Aussitzen‘“. Der EKD-Vorsitzende sei „zuversichtlich, dass die Debatte über das Familienpapier durchaus an Qualität und Tiefe gewinnt.“ Ob es eine „Ergänzung“ im oder zum Familienpapier geben wird und wenn ja, welchen Status diese hätte, darüber müsse der Rat befinden. „Ich gehe aber davon aus, dass der Rat auf jeden Fall einen Berichtsband zur Diskussion der Orientierungshilfe und zur Dokumentation des Symposiums herausgeben wird.“

Kein Ende in Sicht

Wie lange sich die EKD noch mit der Schrift beschäftigen wird, ist nicht abzusehen. Schneider geht laut FAZ-Interview davon aus, „dass auch die Synode der EKD im November dieses Jahres über die Orientierungshilfe diskutieren wird. Daraus können sich weitere Fragestellungen für den Rat ergeben.“

Auf dem Symposium am 28. September sprechen unter anderen die Sozialethiker Wilfried Härle und Klaus Tanner sowie die Neutestamentlerin Christine Gerber. Härle hatte etwa die Schrift in einem offenen Brief  an die EKD kritisiert. Darin schrieb er: „Die evangelische Kirche ist von ihrem Ursprung her bestimmt von der Grundüberzeugung, dass ihr die Offenbarung Gottes, die sie in dieser Welt zu bezeugen hat, auf keinem anderen Weg überliefert ist als durch die Bibel. Deshalb gewinnt die Kirche ihre Orientierung aus der Heiligen Schrift, die aus sich selbst auszulegen ist.“ (pro)

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