Am Freitag sind bei einem Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Gemeinde in Jordanien neun Menschen getötet worden. Ziel der Attentäter war Medienberichten zufolge eine Trauerfeier der Gemeinde. Rund 200 Gläubige hatten sich in der Kirche St. Georg im Dorf Hammoud, im Westen des Landes, versammelt. Die Täter schossen demnach auf den Trauerzug. Neben den Toten gab es mindestens 25 Verletzte.
Schon am Wochenende drohte Jordaniens König Abdullah II. den Angreifern, dass der Terroranschlag mit „härtester Vergeltung“ beantwortet werde. Innenminister Mazen al-Faraya sprach ebenfalls von einem Terroranschlag und machte eine „Gruppe von Extremisten“ für den Anschlag verantwortlich.
Am Montagvormittag teilten die jordanischen Behörden schließlich mit, drei Menschen festgenommen zu haben. Dabei soll es sich um die Verantwortlichen des Anschlags handeln. „Wir haben die Täter gefasst“, schrieb Al-Faraya auf X. Zudem kündigte er an, jeden zur Rechenschaft zu ziehen, der am Anschlag beteiligt war.
Regierung und Religionsfreiheit
Am Wochenende äußerte sich auch das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem und nannte den Anschlag eine „niederträchtige, feige und blutige Tat“.
Thomas Rachel, der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, schrieb auf X von einem „bösartigen Anschlag auf Christen, mit Ziel, freie Religionsausübung zu zerstören u. die jordanische Gesellschaft zu spalten“.
Schrecklicher #Terroranschlag auf Trauerzug der griechisch-orthodoxen Kirche in Provinz #Karak in #Jordanien🇯🇴 mit mehreren Toten und vielen Verletzten. Gebete sind bei den Opfern und ihren Familien. 1/2https://t.co/yVfUJ9dtjt
— Religions- u. Weltanschauungsfreiheitsbeauftragter (@ReligionBund) October 23, 2026
Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, erklärte: „Dieses Verbrechen hat Todesopfer und Verletzte gefordert, die Heiligkeit einer Kultstätte verletzt und das grundlegende Menschenrecht auf Leben, Sicherheit und die Freiheit, in Würde seinen Glauben zu praktizieren, missachtet.“ Gleichzeitig würdigte er das Engagement des jordanischen Königshauses für Toleranz, Menschenwürde und freie Religionsausübung.
Der Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Kamal Sido, gibt den jordanischen Behörden allerdings eine Mitschuld. Denn das von der Regierung geschaffene Bildungsumfeld trage dazu bei, dass eine extremistische Auslegung des Islam immer mehr an Boden gewinne.
Das mehrheitlich muslimisch-sunnitische Königreich Jordanien steht auf Platz 49 des Weltverfolgungsindexes von „Open Doors“. Christen machen laut Angaben des christlichen Hilfswerks etwa 1,5 Prozent der rund zwölf Millionen Einwohner aus. Die meisten von ihnen sind katholisch oder orthodox. Laut „Open Doors“ genießen sie dort ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, erfahren aber auch Diskriminierung. Besonders Konvertiten erlebten jedoch Druck.