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Neue Enzyklika: Papst gegen Umweltzerstörung

Über 200 Seiten stark ist die neue Enzyklika, die Papst Franziskus am Donnerstag veröffentlicht hat. In seinem Lehrschreiben „Laudato si“ widmet er sich intensiv dem Thema Natur und Umwelt. Der Papst prangert Verschmutzung, Abfall und Wegwerfkultur an.
Von PRO
Sorgt mit seiner neuen Enzyklika wieder für Überraschungen: Papst Franziskus
Sorgt mit seiner neuen Enzyklika wieder für Überraschungen: Papst Franziskus

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Konsumrausch, Umweltzerstörung und eine Unterwerfung der Politik unter die Wirtschaft angeprangert. „Niemals haben wir unser gemeinsames Haus so schlecht behandelt und verletzt wie in den letzten beiden Jahrhunderten“, erklärt der Papst in seinem Weltrundschreiben, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Eine „unermessliche Mülldeponie“

Das menschliche Verhalten erscheine von außen gesehen als selbstmörderisch. Die Erde scheine sich in eine „unermessliche Mülldeponie“ zu verwandeln. Es sei dringend geboten, Programme zu entwickeln und den Ausstoß von Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. Das rasante Wachstum in reichen Ländern gehe vor allem auf Kosten der Armen, schreibt der Papst.
Der größte Teil der globalen Erwärmung sei von Menschen verursacht. Der Papst fordert sie dazu auf, die Entwicklung mit wirksamen Schritten zu bremsen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Eines Tages könnten die Menschen selbst ein Opfer dieser Ausbeutung werden. Im Vorfeld der Veröffentlichung der Enzyklika waren zahlreichen Lobbyisten beider Seiten in den Vatikan gereist, um ihre Interessen durchzusetzen.

Gegen übermäßige Nutzung sozialer Medien

Der Papst fordert eine „neue weltweite Solidarität“ ein, auch weil einem Großteil der Menschen das „Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser“ vorenthalten werde. Vor allem die Menschen in der Konsumgesellschaft müssten sich ändern, um das System zu ändern. „Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist“, schreibt der Papst. Er rief dazu auf, das Wachstum zu verlangsamen.
Kritisch sieht der Papst auch die übermäßige Nutzung sozialer Netzwerke und digitaler Medien. Dies gleiche einer „bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet“. Dadurch entstehe „eine schädliche Vereinsamung“ sowie eine „tiefe und wehmütige Unzufriedenheit“ in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Radikal neues Gleis

Für den Sozialphilosophen Michael Reder setzt der Papst das Denken der Kirche „radikal auf ein neues Gleis“. Die katholische Kirche habe das Thema Klimawandel bisher kaum beachtet und auch selber an der Umweltzerstörung mitgewirkt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat das Werk als Ansporn für alle gewürdigt, die sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. „Die klare Sprache dieser Enzyklika und die Tiefe der Gedanken bieten Anstöße, die weit über die katholische Welt hinaus Wirkung entfalten werden“, erklärte die SPD-Politikerin.
Für den deutschen Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber kombiniert die Enzyklika in „einzigartiger Weise“ Glaube und Vernunft. Schellnhuber ist Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und erhofft sich durch Zusammenwirken von Glaube und Vernunft eine Überwindung der Krise.

Christliche Kirchen eint der Kampf gegen die Zerstörung der Natur

Den Kernaussagen der Enzyklika stimmt auch der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm zu. „Christliche Kirchen weltweit eint der Kampf gegen die Zerstörung der Natur, die wir als Schöpfung Gottes sehen, die uns anvertraut ist, dass wir sie bebauen und bewahren.“ Die Enzyklika dokumentiere aus Perspektive der römisch-katholischen Weltkirche ein weiteres Mal diese ökumenische Leidenschaft.
Für den Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Marx behandle das Papier neben der Umweltproblematik auch noch Fragen der Sozial- und Entwicklungspolitik, die nicht in den Hintergrund treten dürfen: „Im Gegenteil: Sie sind miteinander verbunden und dürfen nicht zusammenhanglos betrachtet werden.“
Jedes Geschöpf besitze eine Funktion, schreibt der Papst, und damit sei keines überflüssig. In diesem Rahmen sollte jede Überlegung in Bezug auf das menschliche Eingreifen in die Pflanzen- und Tierwelt stattfinden, um „die Möglichkeiten zu nutzen, die in der materiellen Wirklichkeit vorhanden sind“. Allen Gläubigen müsste die Schonung der Natur und der Dialog darüber ein Anliegen sein.

Undichte Stellen im Vatikan

Im Vorfeld hatten Indiskretionen dafür gesorgt, dass Inhalte teilweise schon vorher veröffentlicht wurden. Das Magazin L’ Espresso hatte im Internet bereits vorab den Textentwurf der Enzyklika veröffentlicht. Der Vatikan-Korrespondenten der Zeitschrift verlor daraufhin seine Akkreditierung.
Für den amtierenden Papst ist es nach der gemeinsam mit Benedikt XVI. verfassten Enzyklika „Lumen fidei – Das Licht des Glaubens“ im Juni 2013 die zweite Enzyklika. In den Rundschreiben geht es thematisch um Glaubens- und Sittenlehre, um Sozial-, Staats- und Wirtschaftslehre oder um Kirchenpolitik. Es soll den Gläubigen als Wegweiser dienen. (pro)

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