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Netflix-Serie als Vorbild zum Selbstmord

Der Streamingdienst Netflix ist mit der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ äußerst erfolgreich. Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich selbst tötet. Vor allem Mediziner laufen gegen die Art der Inszenierung Sturm. Sie haben Angst vor Nachahmern.
Von PRO
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Der Streamingdienst Netflix zeigt die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“. Experten warnen davor, dass anfällige Menschen durch den Selbstmord der Hauptfigur zu Nachahmern würden.

Foto: Netflix

Der Streamingdienst Netflix zeigt die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“. Experten warnen davor, dass anfällige Menschen durch den Selbstmord der Hauptfigur zu Nachahmern würden.

Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ hat in Deutschland keine offizielle Altersfreigabe. Die fiktive Geschichte thematisiert den Selbstmord der Schülerin Hannah Baker. Nach ihrem Selbstmord werden Kassetten gefunden, in denen die Schülerin Vorwürfe gegen Freunde, Familie und Mitschüler erhebt.

Hannah Baker möchte sich umbringen. Wie und warum sie das tut, ist Bestandteil der Serie. Insgesamt 13 Episoden hat die Serie. Eine zweite Staffel ist geplant. Und diese ruft die Kritiker auf den Plan. Sie fürchten, dass sich junge Menschen zu sehr mit der Hauptfigur identifizieren und diese als Vorbild nehmen.

„Schräge Gesamtkonstellation“

Die Mediziner haben Angst vor dem sogenannten Werther-Effekt. Als diesen bezeichnet die Medienwirkungsforschung und Sozialpsychologie die Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen Suiziden, über die in den Medien ausführlich berichtet wurde, und einer Erhöhung der Suizidrate in der Bevölkerung besteht. Wenn Selbstmorde detailliert und dramatisiert dargestellt werden, könnte dies gefährdete Menschen anregen, ähnliches zu tun. Ute Lewitzka von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention erklärt dpa, dass Hannah Bakers Vorgehen sehr genau beschrieben wird: „Das größte Problem ist die Darstellung des Suizids selbst. Je mehr von diesen Bildern gezeigt wird, desto größer ist das Potenzial, zum Nachahmen anzuregen.“

In der Literatur seien sogar Fälle von Fünfjährigen beschrieben, die Suizidhandlungen nachspielen, nachdem sie diese im Fernsehen gesehen haben. Aus Sicht des Mainzer Forschers Markus Schäfer vereinfache die Serie die Gründe für den Suizid massiv. Schäfer erforscht die Wechselwirkung zwischen Medieninhalten und Selbstmorden. Gerade für Teenager besitze die Figur ein hohes Identifikationspotenzial. Am Ende erfahre Hannah scheinbar posthume Anerkennung für ihr Vorgehen. „Das ist eine schräge Gesamtkonstellation“, sagt Schäfer.

Unter 18-Jährige dürfen nur noch mit den Eltern schauen

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe Ulrich Hegerl sieht vor allem für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein hohes Risiko. In Neuseeland, das Land mit einer der höchsten Suizid-Raten unter Jugendlichen, sollen Teenager unter 18 die Serie nur noch im Beisein von Erwachsenen schauen.

Ute Lewitzka wünscht sich, dass Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam Möglichkeiten suchen, die Serie kompetent begleitet anzuschauen. Wenn aufgezeigt werde, wie Menschen solche Krisen überwinden, könne dies vorbeugen. Cornelia Holsten, Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) fände es am besten, wenn sich Netflix der zuständigen Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) anschließen würde. Weil das Streaming-Portal allerdings bereits eine Kindersicherung nutze, liege die Verantwortung in erster Linie bei den Eltern. (pro)

Von: jw

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